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In der Lichtenwalder Schatzkammer

Sehr beliebt: Hunde als Tempel- udn Palastschmuck. Foto: Peter Weckbrodt

Sehr beliebt: Hunde als Tempel- udn Palastschmuck. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp: Mythos Ostasien im Schloss Lichtenwalde

Lichtenwalde, 21. Juli 2017. Den Barockgarten Lichtenwalde hatten wir bereits kennen- und schätzen gelernt. Dabei wurde unsere Neugierde auf das Barockschloss selbst geweckt. Nun wollen wir die „Schatzkammer Schloss Lichtenwalde“ mit deren faszinierenden Ausstellungen in Augenschein nehmen. Die zweite Fahrt nach Lichtenwalde lohnt unbedingt.

Schloss wurde 1945 geplündert

Wir beginnen unseren Rundgang mit der Besichtigung des Königszimmers. Es präsentiert sich barock. Die Ausstattung ist allerdings nicht üppig, schließlich wurde das Schloss ab Sommer 1945 restlos geplündert. Das gesamte Mobiliar sowie die Porzellan- und Gemäldesammlung der letzten Schlossbesitzer, des Geschlechtes Vitzthum, ging verloren. Uns gefällt beispielsweise die stattliche Skulptur Friedrich des Großen mit seinen beiden Hunden, die in der Thüringer Porzellanfabrik Volkstädt gefertigt wurde.

Viel Zeit und Handwerkskunst steckt in diesen prachtvollen Vasen aus chinesischem Schnitzlack. Für jeden Millimeter Lackstärke mussten die alten Meister 25 bis 30Lack-Einzelschichten aufbringen und schnitzen. Foto: Peter Weckbrodt

Viel Zeit und Handwerkskunst steckt in diesen prachtvollen Vasen aus chinesischem Schnitzlack. Für jeden Millimeter Lackstärke mussten die alten Meister 25 bis 30Lack-Einzelschichten aufbringen und schnitzen. Foto: Peter Weckbrodt

DDR-Sammler Brühl trug Kostbarkeiten aus China und Japan zusammen

Folgten wir konsequent dem vorgesehen Rundgang mit dem Ziel, alle Ausstellungsteile kennenzulernen, würden wir uns wahrscheinlich konditionell überfordern. Der Oiger empfiehlt, eine Auswahl zu treffen. Wir gehen sofort hinauf ins 2. Obergeschoss und wenden uns dem „Mythos Ostasien – Kostbarkeiten aus China und Japan“ zu. Alles, was wir nachfolgend sehen, hat der Sammler und Kunstwissenschaftler Otto Brühl (1931-2001) ab dem Jahre 1950 zusammengetragen. Am Ende werden wir uns fragen, wie ein einzelner Mensch, noch dazu unter den einschränkenden Bedingen des Kunsthandels und der Vermögensbildung in der DDR, eine solch umfassende Sammlung bilden konnte. Aber es bleibt für die Lichtenwalder eine glückliche Fügung.

Die Sammlung wirft faszinierende Schlaglichter auf die kulturellen Entwicklungen im „Reich der Mitte“ (China) und im „Land der aufgehenden Sonne“ (Japan). Der zeitliche Bogen spannt sich über 3500 Jahre! Der Chemnitzer Sammler übergab die Kollektion als Schenkung an „Die Sehenswerten Drei“ – das sind Schloss Augustusburg, Burg Scharfenstein und Schloss Lichtenwalde.

Chinesen unterscheiden nicht zwischen Porzellan und Steingut

In einer beeindruckenden Abfolge von kabinettartigen Räumen erfahren wir so ziemlich alles, was es über Kunst und Kunsthandwerk in China und Japan zu sagen und zu zeigen gibt. Wir erfahren, dass das Wort Porzellan in China unbekannt ist, dass die Chinesen auch nicht zwischen Porzellan und Steingut unterscheiden. In Japan begann die Porzellanherstellung deutlich später als im Reich der Mitte. Wir sehen Beispiele, was für die jeweiligen Dynastien in beiden Reichen an Formen und Dekoren typisch ist.

Die Kunst der Kalligrafie gehörte zur höfischen Kultur in China und Japan.  Foto: Peter Weckbrodt

Jade und Speckstein

Vorgestellt werden Erzeugnisse aus Jade und aus Speckstein, wir erfahren, das die beiden Materialien nicht unterschiedlicher sein können: Jade ist sehr hart, zäh und zugleich von fasriger Struktur, Speckstein hingegen ist weich und lässt sich mit Stahlklingen ausgezeichnet schnitzen. Vorgestellt werden hervorragende Zeugnisse der Kalligraphie als Hinterglasmalerei. Tusche, Pinsel, Reibstein und Papier wurden in China als die „Vier Kostbarkeiten des Studierzimmers“ bezeichnet.

Fo-Hund war der Renner unter den Palastkünstlern

Wir bestaunen die guten technischen und künstlerischen Leistungen der chinesischen Handwerker, denen die Aufgabe zukam, die zahllosen Paläste und Tempel des Riesenreiches mit Skulpturen zu schmücken. Der Fo-Hund gehörte zu den am häufigsten vorkommenden unter den Wächterskulpturen vor Palasttüren oder vor Gräbern. Die Ausstellung wirft zudem ein paar Schlaglichter auf den Daoismus. Einer seiner Aspekte ist seine Naturnähe, er spiegelt sich in der Bewahrung natürlicher Formen wider.

Highheels der etwas anderen Art. Foto: Peter Weckbrodt

Highheels der etwas anderen Art sind in der Schuh-Sonderschau im Schloss Lichtenwalde zu sehen. Foto: Peter Weckbrodt

Kleine Sonderschau widmet sich den „High Heels“

Sehenswert ist aber auch die kleine Sonderausstellung „High Heels – Die hohe Kunst der Schuhe“ zuwenden, die noch bis zum 7. Januar 2018 zu sehen ist. Für internationale Künstler und Designer ist Barockschloss Lichtenwalde die richtige Bühne für künstlerische Attitüde und hohe Handwerkskunst. So entstand ein Ideenreichtum am Objekt „Schuh“, über das wir staunen, lächeln und uns wundern können. Oft sind die Objekte als Schuhwerk nicht mehr zu erkennen. Letztlich soll uns demonstriert werden, das der Schuh nicht nur als Schutzfunktion am Fuß begriffen werden sollte. Gönnen wir uns also quasi als Rundgang-Abschluss dieses leichtfüßige Vergnügen.

Schloss Lichtenwalde. Foto: Peter Weckbrodt

Schloss Lichtenwalde. Foto: Peter Weckbrodt

Besucherinformationen:

Was?

Schatzkammer Schloss Lichtenwalde

Wo?

Schlossallee 1, 09577 Niederwiesa, Ortsteil Lichtenwalde

Öffnungszeiten

Di bis So 10-18 Uhr

Eintritt

Erwachse 8 Euro, ermäßigt 7 Euro, Familien 28 Euro

Kontakt:

Telefon: 037291-3800;

Mehr Infos im Netz: schloesserland-sachsen.de/de/schloesser-burgen-gaerten/schloss-und-park-lichtenwalde/

Anfahrt:

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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