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Inspiration aus dem Fels

Christian Gottlieb hammer (1779-1864): Ansicht des Prebischtores in der Sächsischen Schweiz an der Grenze zu Böhmen. Repro: Peter Weckbrodt

Christian Gottlieb Hammer (1779-1864): Ansicht des Prebischtores in der Sächsischen Schweiz an der Grenze zu Böhmen. Repro: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp: Zwei Ausstellungen zeigen in Pirna, wie die Schweizer Berge und die Sächsische Schweiz die maler immer wieder inspirieren

Pirna, 5. Mai 2017. „Inspirierende Wanderwelten“ heißen zwei Ausstellungen, zu deren Besuch das Stadtmuseum Pirna und die Richard-Wagner-Stätten Graupa bis zum 17. September einladen. Deren Untertitel „Die Schweiz(en) in Grafik, Malerei und Wagners Werk“ verhilft uns kaum zur Klarheit darüber, was wir an Sehenswertem zu erwarten haben.

Gebirgsverein legte eigene Kunstsammlung an

Es ist ein richtiger Augenschmaus, der uns im ohnehin schon fabelhaften Ambiente des ehemaligen Klosters, jetzt Domizil des Pirnaer Stadtmuseums, erwartet. Kaum eingetreten wird uns schnell klar, dass es im Pirnaer Ausstellungsteil im weitesten Sinne um das unerschöpfliche inspirierende Potenzial geht, welches die Natur den Künstler schon immer bot. Das wird uns beispielhaft an der Rolle der Sächsischen Schweiz in der Bildenden Kunst mit dem Schwerpunkt Grafik gezeigt. Möglich wird das, weil die Mitglieder des 1877 gegründeten Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz mit Enthusiasmus und Sachkenntnis eine eigene Kunstsammlung zusammentrugen, die später in den Besitz der Stadt Pirna gelangte.

Bemerkenswert und sicher sehr selten ist dieses Stammbuch aus dem 18. Jahrhundert mit der gestickten Ansicht von Pirna. Repro: Peter Weckbrodt

Bemerkenswert und sicher sehr selten ist dieses Stammbuch aus dem 18. Jahrhundert mit der gestickten Ansicht von Pirna. Repro: Peter Weckbrodt

 

„Auf unser Vereinsgebiet fällt gerade in Bezug auf den Reichthum

bildlicher Darstellung ein heller Glanz, wie er nirgend wieder in

Deutschland ein Gebirge von so bescheidenem Umfange verklärt.“

(Sophus Ruge in „Ueber Berg und Thale“, 1880)

 

Ludwig Richter (1803-1884): Die Höhle im Großen Zschans. Repro: Peter Weckbrodt

Ludwig Richter (1803-1884): Die Höhle im Großen Zschans. Repro: Peter Weckbrodt

Vom Hofmaler Thiele bis zum Richter-Schüler Täubert

Ein gutes Stück dieses Glanzes wird in dieser Sonderausstellung erstmals umfassend gezeigt. Unter den Exponaten sind selten oder noch nie gezeigte Zeichnungen, Kupferstiche, Radierungen und Lithografien sowie einige Gemälde, mit denen die Geschichte der Landschaftsmalerei in Sachsen erzählt wird. Die frühesten Ansichten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der Bogen wird gespannt von Gemälden und Radierungen des kurfürstlich-sächsischen Hofmalers Johann Alexander Thiele (1685-1752 ), der zu Unrecht schon einmal fast vergessen war, über die meist gut bekannten Werke von Bernado Belletto im 18. Jahrhundert, dem uns weniger geläufigen Adrian Zingg hin zu des Dresdners Lieblingsromantikmaler Ludwig Richter. Dem folgt, recht stattlich vertreten, Gustav Täubert (1817-1913), ein Schüler Ludwig Richters, am Ende des 19. Jahrhunderts. Mit einer Spannweite von 200 Jahren werden Meisterwerke des Barock, und Spätbarock hin zur Romantik vorgestellt.

Adrian Zingg (1734-1816): Eingang der Burg Stolpen. Repro: Peter Weckbrodt

Adrian Zingg (1734-1816): Eingang der Burg Stolpen. Repro: Peter Weckbrodt

Zingg prägte Begriff „Sächsische Schweiz“

Der in St. Gallen geborene Adrian Zingg (1734-1816) und dessen Dresdner Schüler Carl August Richter, Ludwig Richter und Christoph Nathe sind in der Ausstellung besonders stark vertreten. Zingg gilt als Wegbereiter der deutschen Romantik. Er kam 1766 nach Dresden, betrieb hier äußerst erfolgreich eine Werkstatt, war Lehrer für Kupferstich an der Akademie und wird oft als Schöpfer des Begriffes „Sächsische Schweiz“ genannt. Die farbigen Zeichnungen und Radierungen Zinggs sind heute selten, im Kunsthandel aber sehr beliebt. Auch Bilder von Zinggs Schüler Johann Friedrich Wizani (1770-1838), der zeitweise für die Meißner Porzellanmanufaktur gemalt hat, gefallen uns.

Zweifellos für den wachsenden touristischen Bedarf entstand diese Ansicht der Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz durch Ludwig Richter. Repro: Peter Weckbrodt

Zweifellos für den wachsenden touristischen Bedarf entstand diese Ansicht der Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz durch Ludwig Richter. Repro: Peter Weckbrodt

Die Bandbreite der Landschaftsbilder reicht von Meißen über die Residenzstadt entlang des Elbstroms bis hinein nach Böhmen,. Bastei und Präbischtor müssen geradezu eine magische Anziehungskraft auf ganze Generationen Dresdner Maler ausgeübt haben. Wir finden auch Abstecher zum Riesengebirge und ins Erzgebirge.

Souvenirs aus der Druckplatte für die frühen Touristen

Neben realistischen Ansichten sehen wir solche, die eher für den Bedarf der ersten Touristen bestimmt waren. Ludwig Richters Druckplatte mit den gängigen Motiven aus der Sächsischen Schweiz aus dem Jahre 1836 steht beispielhaft dafür. Wir entdecken schnell, dass uns die Bilder einen repräsentativen Überblick über die Veränderung der Kulturlandschaft des Elbsandsteingebirges geben. Da fehlen bei den zahlreich vertretenen Elblandschaften die mit dem einsetzenden Eisenbahn- und Straßenverkehr erfolgten gravierenden Einschnitte.

Auf Wagners Spuren durch die Schweiz

Wer auf Richard Wagner steht und weiß, dass dieser ein leidenschaftlicher Wanderer war, der sollte nicht versäumen, auf des Meisters Spuren durch die Berge der Schweiz zu wandern. Nach seiner Flucht aus Sachsen 1849 erkundete Wagner höchst anspruchsvolle Touren. In den Richard-Wagner-Stätten Graupa sind bisher unbekannte Lithografien der von Wagner besuchten Orte in der Schweiz aus dem Wagner-Archiv Bayreuth zu sehen, die damals wie Postkarten verkauft wurden. Die brieflich belegten Berg-Inspirationen Wagners für seine Opern werden anhand von Szenenbildern und Szenenanweisungen dokumentiert. An einer Tonstation sind Musikbeispiele aus Wagneropern zu hören.

Autor: Peter Weckbrodt

Besucherinformationen

Inspirierende Wanderwelten

Die Schweiz(en) in Grafik, Malerei und Wagners Werk, Sonderausstellung vom 9. April bis 17. September 2017 , Stadtmuseum Pirna, Klosterhof 2, 01796 Pirna, Rel.: 03501-556461, Di – So 10 bis 17 Uhr, Eintritt. Erw. 7 Euro, Erm. 4 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei.

Richard-Wagner-Stätten Graupa, Tschaikowskiplatz 7, 01796 Pirna, Tel.: 03501-4619650, Di – Frei 11 bis 17 Uhr; Sa, So 10 bis 18 Uhr; Eintritt: Erw. 7 Euro, Erm. 4 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei; Kombiticket für beide Ausstellungen: 9 Euro, erm. 5 Euro.

Mehr Infos im Netz gibt es hier

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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