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Brasilien steigt in moderne Chipmontage ein

Blick in eine ASE-Fabrik. Foto: ASE

Blick in eine ASE-Fabrik. Foto: ASE

Staatliche Wirtschaftsförderer locken Elektronikkonzerne ins Land

Dresden/Brasilia, 11. April 2017. Brasilien steigt in die moderne Endmontage („Backend“) von Mikroelektronik ein. Staatliche Agenturen wollen in Campinas gemeinsam mit internationalen Halbleiter-Unternehmen rund 200 Millionen Dollar in solch eine Backend-Fabrik investieren. Gleichzeitig versucht sich Brasilien als Vorreiter des Mobilfunks der 5. Generation („5G“) zu profilieren. Diese Vereinbarung werde helfen, „Telekommunikationstechnologien in Brasilien zu entwickeln und zu verbreiten“, betonte Wissenschaftsminister Gilberto Kassab. Gleichzeitig sei solch eine Investition gerade jetzt sehr wichtig, da das Land zum Wirtschaftswachstum zurückkehre und ausländische Investitionen brauche.

Wertschöpfung verlagert sich zum 3D-Packaging

Hintergrund: Mit den immer komplizierter werdenden Systemen für das Internet der Dinge (Industrie 4.0, autonome Autos, 5G) wachsen neben den Anforderungen an das Design und die Fertigung der dafür benötigten Chips auch die Anforderungen an die Chip-Endmontage. Dieses sogenannte „Back-end“ kombiniert in wachsendem Maße mehrere Halbleiter-Bausteine übereinander und entwickelt sich damit zunehmend zum „3D-Packaging“. Hier wird auch ein immer größerer Teil der Wertschöpfung bei der Produktion solcher elektronischeren Systeme erzielt. Allein zwischen 2014 und 2020 wächst der Markt für dieses „Advanced Packaging“ weltweit von 20,2 Milliarden auf 30 Milliarden US-Dollar.

Letzte große Backend-Fabrik in Europa von Koreanern gekauft

Wie auch bei der Produktion von Chips der Spitzentechnologien und des Designs von mikroelektronischen Spitzenprodukten für den Massenmarkt hat sich Europa auch bei der industriellen Endfertigung solcher elektronischeren Systeme mit 3D-Technologien verabschiedet, als kürzlich das letzte größere europäische Back-end-Fertigungsunternehmen Nanium von der koreanischen Firma Amkor/ANAM aufgekauft wurde. Europäische, deutsche und sächsische Wirtschaftspolitiker sehen dieser Abwanderung der gesamten Wertschöpfung auf diesem Zukunftsgebiet mit großer Gelassenheit zu.

Brasilien rechnet mit 1200 Jobs durch neue Fabrik

Anders Brasilien: Dort hat gerade die Regierung den neben Amkor führenden Back-end-Auftragsfertiger mit großen Erfahrungen in der Massenproduktion von „Advanced Packaging“-Produkten, die Firma ASE, gemeinsam mit der amerikanischen Firma Qualcomm überzeugt, in Brasilien in den nächsten Jahren ein modernes Fertigungsunternehmen für Systems-in-Packaging (SiP) aufzubauen, das auf die Wertschöpfung im Bereich Internet der Dinge (speziell 5G) zielt und dabei lokal auch noch 1200 Jobs schaffen soll.

Autor: Bernd Junghans

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