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Umbruchstimmung unter Flugsimulanten

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Laminar Research und Aerosoft stellen X-Plane 11 vor – Testbericht Teil 1

Den Markt der PC Flugsimulationen teilen drei Hersteller unter sich auf: Microsoft mit dem Flightsimulator X (FSX), Lockheed Martin mit Prepar3D (P3D) und Laminar Research schließlich mit X-Plane. P3D und X-Plane sind dabei die einzigen Programme, die noch aktualisiert werden und denen mithin auch die Zukunft der Flugsimulation gehören dürfte. X-Plane setzt dabei schon seit geraumer Zeit auf 64-Bit-Befehle, die für mehr Rechentempo und mehr nutzbaren Speicher sorgen. Prepar3D soll noch in diesem Jahr auf die breitere Datenautobahn aufgebohrt werden. Wer ein wenig in die Hintergründe aktueller Flugsimulationen eintauchen möchten, dem sei mein Artikel „Totgesagte leben länger: Flugsimulationen im Wandel der Zeit“ empfohlen.

Revolution oder Evolution der Flugsimulation?

Laminar Research hat nun im Verbund mit Publisher Aerosoft die neueste Ausgabe von X-Plane mit der Versionsnummer 11 vorgestellt. Die Erwartungshaltung war recht hoch, denn momentan scheint eine rechte Umbruchstimmung unter den Flugsimulanten zu herrschen. Viele wollen vom alten FSX wechseln, können sich aber nicht zwischen Prepar3D und X-Plane entscheiden, denn beide bieten systemimmanente Vor- und Nachteile, die wohl überlegt gegeneinander abgewogen werden wollen.

Allgewaltiges Simulationsprogramm bleibt Zukunftsmusik

In welchen Bereichen schneidet der Herausforderer X-Plane 11 also im Vergleich zu P3D besser ab, wo hat er das Nachsehen? Lohnt sich ein Umstieg von FSX auf X-Plane oder P3D? Unser Testbericht soll versuchen zu klären, für wen sich welcher Simulator besser eignet. Denn einen für alle – so viel sei vorweggenommen – gibt es leider nach wie vor nicht.

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Was wir testen:

In einem ersten Teil werden wir den Simulator in seiner Grundausstattung betrachten, die Grafikfähigkeiten, das Nutzerinterface und die Performance beurteilen und werden prüfen, wie sich X-Plane als Simulator für den Sichtflug (VFR) schlägt. In einem zweiten Teil werden wir uns die großen Airliner anschauen und wie es um das Ökosystem von X-Plane bestellt ist, also Add-Ons, die für den Betrieb im Instrumentenflug im Liniendienst großer Fluggesellschaften nötig sind.

Installation light

Beim Kauf von X-Plane hat der potenzielle Flugsimulant die Wahl zwischen der Box-Version, also dem guten alten Karton mit einem Stapel DVDs, oder, für diejenigen, die es umweltfreundlicher und platzsparender mögen, dem digitalen Download. Letzterer kann sich etwas hinziehen, denn die Komplettinstallation braucht rund 60 Gigabyte Speicherplatz auf der Festplatte. Zum Glück bietet der Installer aber die Möglichkeit, nur die Regionen zu laden und zu installieren, die man auch wirklich benötigt. Hakelt man dagegen alle Regionen an, benötigt der Installer ca. sieben Stunden für den Download.

Benutzeroberfläche – alles neu macht X-Plane 11

Hat man den neuen Simulator einmal auf der Platte und startet ihn das erste Mal, erwartet zumindest die Nutzer der Vorgängerversion die erste optische Revolution. Die neue Oberfläche hat mit der alten überhaupt nichts mehr gemeinsam. Zum Glück, werden sicher viele sofort ausrufen, denn das alte User-Interface war schlicht ein Graus, brach es doch so ziemlich mit jeder Bedienkonvention gängiger Windows-Programme.

Werbevideo (Aerosoft):
 

X-Plane 11 erkennt Pedale und Gashebel ohne Murren

Jetzt sind alle wichtigen Menüpunkte in Tabs angeordnet, schnell findet man also den passenden Eintrag. Auch die eigentlichen Fenster mit allen Einstellungen sind recht übersichtlich und nicht zu vollgepackt. Ein besonderes Lob verdient die Erkennung und Kalibrierung der angeschlossenen Eingabegeräte. Zumindest in meinem Fall erkannte X-Plane ohne Murren Joystick, Gashebel-Quadranten und Ruderpedale auf Anhieb und belegte auch alle wichtigen Knöpfe und Achsen gleich mit den korrekten Funktionen. Eine absolute Wohltat im Vergleich zu den fummeligen Einstellorgien, die oft in FSX oder P3D nötig sind, zumindest dann, wenn es funktionieren soll.

Nur wenige Grafik-Einstellungen veränderbar

Ein wenig zu übersichtlich sind allerdings die Grafikoptionen geraten, denn deren Einstellmöglichkeiten sind arg spartanisch ausgefallen. Die Schieberegler beschränken sich auf Visuelle Effekte, Texturauflösung, Kantenglättung, Objektdichte und Reflexionen. Dazu noch je ein Häkchen für Bodenschatten und geparkte Flugzeuge. Das war’s. Nichts gegen Übersichtlichkeit, aber hier wünscht man sich mehr Möglichkeiten für die Feinabstimmung.

Gerade was die Bodenschatten angeht, wäre zum Beispiel eine Auswahl hilfreich, die es erlaubt, die Schatten auf Gebäude oder Vegetation zu beschränken wie das Prepar3D tut. Das Gleiche gilt für den Schieberegler für die Objektdichte. Hier erhöht X-Plane global die Zahl der Objekte, egal ob Verkehr, Gebäude, Vegetation oder Straßen. Die Dichte des Verkehrs schlägt aber wesentlich stärker auf die Prozessorperformance durch, während zum Beispiel eine erhöhte Vegetationsdichte inklusive derer Schatten sofort auf die Leistung der Grafikkarte drückt. Aber nicht in jedem System sind Grafikkarte und Prozessor gleich stark, so dass man gern die Wahl hätte.

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Per Space Shuttle ab ins All

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Aufgrund der wenigen Einstellmöglichkeiten ist man mit sämtlichen nötigen Anpassungen auch sehr schnell fertig und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren: das Fliegen. Glücklicherweise liefert X-Plane dafür eine erquickliche Zahl qualitativ recht hochwertiger Standard-Fluggeräte mit. Unter anderem eine Boeing 737 und 747, eine Cessna Skyhawk 172 sowie eine Reihe Hubschrauber und sogar ein Space-Shuttle. Ja, mit X-Plane kann man im Unterschied zu P3D oder FSX auch ins All fliegen. Zwar reichen die mitgelieferten Standardflieger nicht an die Komplexität vieler hochwertiger Zusatzflugzeuge heran, aber sind im Vergleich zu FSX ein großer Schritt nach vorn. Prepar3D liefert ähnlich gute Standardflieger mit, zumindest im General Aviation Bereich.

Einpark-Hilfe für den Jumbo

Gut gelungen ist auch das Auswahlmenü für Flugplatz, Wetter sowie Tages- und Jahreszeit. Hier kann sich P3D eine große Scheibe abschneiden. Gerade die Wahl der Parkposition ist außerordentlich gut gelungen: Auf einer schematischen Darstellung des jeweiligen Flughafens sieht man jede mögliche Parkposition inklusive ihrer Bezeichnungen. Mit einem Klick ist dann das Flugzeug auf der Wunschposition geparkt. Einfacher geht’s wirklich nicht.

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Realismus pur: Sloped Runways und prachtvolle Landschaftsgestaltung

Ist man dann auf dem Flugplatz seiner Wahl angekommen, gibt es die nächste angenehme Überraschung. X-Plane bietet Start- und Landebahnen mit einem Höhenprofil. Nicht auf jedem Flughafen fällt so etwas auf, La Palma ist allerdings ein Paradebeispiel dafür. Denn die Landung auf diesem Airport stellt wegen der abschüssigen Landebahn eine kleine Herausforderung dar. P3D und FSX hingegen kennen diese „sloped runways“ nicht. Hier sind alle Landebahnen platt.

Prächtige Landschaften

Einmal in der Luft eröffnet sich dann die ganze Pracht von X-Plane 11. Auch wenn wir für unseren ersten Testflug nur eine kurze Strecke ausgesucht haben – von Innsbruck nach München – zeigt sich in den Alpen die ganze Überlegenheit der Standard-Landschaftsgestaltung von X-Plane gegenüber P3D und erst recht FSX. Selbst mit teurer Zusatzsoftware wie zum Beispiel FTX Global Base, Vector oder openLC kommen weder P3D noch FSX an den Realitätsgrad von X-Plane in der Grundausstattung heran. Hier merkt man, dass X-Plane aus dem Vollen seiner 64-Bit-Architektur schöpfen kann, denn Speichermangel ist hier kein Thema. Im Gegensatz zu P3D oder FSX, wo bei 3,5 Gigabyte Schluss ist, kann X-Plane ein Vielfaches an Speicher verwalten, in den dann jede Menge mehr hochaufgelöste Alpenpanoramen passen. Beim Flug durch die Alpen genehmigt sich X-Plane – wie gesagt ohne Zusatzflieger oder Zusatzflughafen – reichlich 6 Gigabyte.

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Unheimlich real – und sehr europäisch

Der Flug mit der kleinen Cessna fühlt sich unheimlich real an. Das neue Autogen (vom Computer generierte Objekte) wie Häuser, Vegetation und Verkehr sehen verblüffend echt aus. Ein Manko älterer X-Plane Versionen war, dass das Autogen sehr amerikanisch geprägt war. Die neuen Häuser und Bäume hingegen sehen authentisch europäisch aus. Nur bei den Zügen hat X-Plane noch Nachholbedarf. Da sind offenbar ein paar amerikanische Loks im Programmcode vergessen worden.

Bildschirm-Foto (Jan Gütter) von: X-Plane 11

Gebirgs-Tuning durch Zusatz-Software

Auch wenn X-Plane 11 „out-of-the-box“ schon hervorragend aussieht, gibt es dennoch eine Zusatzsoftware, die in keiner X-Plane Installation fehlen sollte: HD Mesh Scenery v3. Dieses kostenlose Höhengittermodell verfeinert noch einmal spürbar das Terrain. Naturgemäß wirkt sich das am ehesten im Gebirge aus. Hier vermeidet es ungebührliche Spitzen und harte Kanten an Gebirgshängen, die das Realitätsgefühl merklich trüben können.

Flughäfen authentischer als bei der Konkurrenz

Deutlich besser in der Grundausstattung von X-Plane sind auch die Standardflughäfen im Vergleich zu P3D und FSX. Natürlich sind auch die X-Plane Varianten nicht immer auf dem aktuellsten Stand und für das Fliegen auf Online-Netzwerken wie IVAO oder VATSIM nur bedingt geeignet, da weder Parkpositionen noch Rollwege hundertprozentig korrekt platziert sind. Aber sie sehen wesentlich authentischer aus als ihre Konkurrenzprodukte aus den Häusern Lockheed Martin und Microsoft.

Gute Performance – in der Grundausstattung

Lob verdient auch die Performance. Trotz der üppigen Grafikpracht bei recht hohen Einstellungen ist X-Plane 11 zumindest mit einem Standardflugzeug wie der Cessna auf einem halbwegs aktuellen PC (siehe Hardware Konfiguration am Ende des Artikels) flüssig fliegbar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Darstellungs-Leistung bei anspruchsvollen Flugzeugsimulationen wie der Flight Factor Boeing 757 und hochwertigen Zusatzflughäfen entwickelt. Dazu gibt es dann mehr im nächsten Teil meines Testberichts zu erfahren.

Erstes Fazit: X-Plane legt die Messlatte höher

Nach unserem ersten Ausflug in X-Plane mit einem Standardflugzeug und unter Sichtflugbedingungen lässt sich feststellen, dass Laminar Research und Aerosoft mit X-Plane 11 die Messlatte deutlich nach oben bewegt haben, über die nun zumindest noch Lockheed Martin Prepar3D und 64 Bit springen muss. Optik, Performance und Benutzeroberfläche verdienen höchstes Lob. Abstriche müssen bei der Feinabstimmung der Grafikeinstellungen gemacht werden. Ob sich X-Plane 11 mit hochwertigen Airlinern, Add-On Airports und im Instrumentenflug immer noch gegen die Konkurrenz bewährt, lest ihr im nächsten Teil unseres Testberichts, der in den kommenden Tagen erscheint. Dann werden wir auch abschließend klären, ob für FSX-Piloten ein Umstieg auf X-Plane oder doch eher auf P3D ratsam ist.

Autor: Jan Gütter

Verwendete Hardware:

Verwendete PC Hardware: CPU: Intel Core i7 4790k 4,6 GHz Grafikkarte: AMD Radeon R9 Fury X Mainboard: Asus Maximus VII Hero Arbeitsspeicher: 16GB RAM @ 2200MHz Betriebssystem: Windows 10 Monitor / Auflösung: 4k Monitor ASUS PB287Q Joystick: Thrustmaster HOTAS Warthog Ruderpedale: Saitek Pro Flight

X-Plane 11 ist erhältlich im Aerosoft Online Shop:

Box-Version: 69,99 €

Digitaler Download: 69,95 €

Update von X-Plane 10 auf X-Plane 11: 46,69 €

(Die Aerosoft Edition enthält zusätzlich drei Flugplätze: Lugano, Toulouse und Weeze.

Weitere Add-Ons für X-Plane: x-plane.org

Hier gibt es wirklich alles was das X-Planer-Herz begehrt. Von Freeware-Downloads bis zu hochwertiger Bezahl-Software.

Zum Weiterlesen:

Flugsimulator X-Plane 11 im Test – Teil 2

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