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Energiewende tritt in Sachsen auf der Stelle

Wolfgang Daniels ist der präsident des VEE Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt

Wolfgang Daniels, der Präsident des VEE Sachsen, in der VW-Manufaktur Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

VEE-Präsident Daniels kündigt Aufklärungskampagne gegen Windkraft-Feindlichkeit an

Dresden, 10. März 2017. Die sächsischen Politiker, aber auch die großen Automobil-Unternehmen müssen mehr tun, damit die Energiewende im Freistaat endlich wieder vorankommt. Das hat die „Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien“ (VEE) Sachsen gefordert. „Der Ausbau der Windkraft tritt in Sachsen auf der Stelle, ähnlich sieht es in der Photovoltaik aus“, kritisierte VEE-Präsident Wolfgang Daniels auf der Verbands-Jahrestagung „Phase 2 der Energiewende“ in der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden.

„Müssen befürchten, dass die USA Europa abhängt“

Die Montage des e-Golfs in der VW-Manufaktur und der Ausbau der Batterie-Produktion von Daimler in Kamenz seien zwar „Leuchttürme“ und hoffnungsvolle Signale für die Energiemobilität und Energiespeicher-Technologien im Freistaat, betonte Wolfgang Daniels. „Aber im Vergleich zu den Aktivitäten von Tesla und anderen Unternehmen in Amerika ist das noch nicht genug. Wir müssen leider befürchten, dass die USA in diesen Bereichen Europa abhängen wird.“ Und wer die Kerntechnologien und meisten Produktionskapazitäten für Batterien und Elektroantriebe konzentriere, werde in Zukunft wahrscheinlich den gesamten Automobilmarkt aufrollen: „Wir müssen damit rechnen, dass Elektroautos bald auch über den Preis die klassischen Autos verdrängen“, sagte Wolfgang Daniels. Es sei abzusehen, dass schon ab 2018 Elektroautos in der Mittelklasse preislich mit den Verbrennungsantrieben gleichziehen. „Da sprechen wir über Preise um die 30 000 Euro bei 380 Kilometer Reichweite mit einer Ladung.“

Elektrogolf-Montage in der VW-Manufaktur Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Elektrogolf-Montage in der VW-Manufaktur Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Neben Batteriespeichern für Elektroautos seien aber auch Investitionen in stationäre Energiespeicher-Technologien sinnvoll. „Die Zukunft liegt in der ,Power to Gas’-Technologie“, ist der Verbandspräsident überzeugt. Gemeint sind Anlagen, die Strom nutzen, um Wasserstoff, Methan und andere Energieträger zu erzeugen – im besten Falle nur aus Wasser, Luft und Öko-Strom. Gerade in Dresden gebe es hoffnungsvolle Versuche, diese Technologie so weiterzuentwickeln, dass sie wirtschaftlicher funktioniere. Dazu gehören zum Beispiel keramikbasierte Hochtemperatur-Systeme, die Energieträger bei sehr hohen Temperaturen erzeugen. „Wenn wir das richtig machen, sind da rund 5000 Jobs in Sachsen möglich.“

Laut einer VEE-Analyse im Auftrag der bündnisgrünen Landtagsfraktion legt der Energieverbrauch in Sachsen derzeit um 1,5 Prozent pro Jahr zu. Von 2002 bis zum Jahr 2016 stieg er von knapp 19 Terawattstunden (TWh = Billionen Wattstunden) auf rund 22 TWh. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen wuchs im selben Zeitraum von sechs auf 26,4 Prozent. Zuletzt stieg der Energieertrag aus Windkraft- und Solarkraftwerken sowie anderen erneuerbaren Quellen aber nur noch leicht: von 5,7 TWh im Jahr 2015 auf 5,8 TWh im Jahr 2016. Davon stammt der allergrößte Teil aus der Verbrennung von Altholz, Biodiesel oder anderer euphemistisch „Biomasse“ genannter Materialien (2,2 TWh). Dann folgen Windkraft (1,75 TWh), Solarenergie (1,58 TWh) und Wasserkraft (280 GWh).

„Gemessen an der installierten Leistung von Windkraftanlagen liegt Sachsen auf Platz 11 unter den Bundesländern“; kritisierte VEE-Präsident Daniels, der hauptberuflich ein Planungsbüro für Windkraft-, Solar- und Wasserkraftanlagen leitet. Gewertet nach der jährlich per Saldo neu installierten Windenergie-Kapazität komme der Freistaat sogar nur auf Platz 13. „In Mitteldeutschland sind wir das Schlusslicht.“

Verantwortlich dafür machte er einerseits eine Überregulierung durch politische Vorgaben. Zugleich beklagte der VEE-Präsident eine gewisse Windkrafttechnik-Feindlichkeit, die sich in der Bevölkerung verbreite. „Wir werden deshalb eine Aufklärungskampagne über die Windkraft starten und damit auch in die Dörfer gehen.“

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