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Sachsen in Bildern von eigenem Charme

Die Albrechtsburg auf dem Gemälde von Christian Ludwig Choulant.Repro: Peter Weckbrodt

Die Albrechtsburg auf dem Gemälde von Christian Ludwig Choulant.Repro: Peter Weckbrodt

Wochenendtipp: Sonderschau in der Albrechtsburg Meißen

Meißen, 27. Januar 2017. Meißen ist immer einen Ausflug wert – auch im Winter. In der Albrechtsburg werden wir reichlich belohnt, nämlich mit wunderschönen Bildern. „Sachsen, wie es Maler sahen“ heißt die Sonderausstellung mit Gemälden des 18. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die bis zum 26. Februar geöffnet ist.

Landschaften und Menschen im Wandel

Es sind Bilder von ganz eigenem Charme: Sie zeigen Städte wie Dresden und Meißen mit einer Architektur, die sich bis heute zwar gewandelt hat, aber doch wieder erkennbar ist. Sie zeigen Menschen in ihren alltäglichen Verrichtungen, die heute zwar teilweise selten, aber doch noch nicht ganz verschwunden sind. Und sie zeigen Landschaften, die heute oft von Verkehrsschneisen und technischen Anlagen verunstaltet erscheinen, aber letztlich noch immer ihren besonderen Reiz entfalten können.

Die Albrechtsburg im Winter. Foto: Peter Weckbrodt

Die Albrechtsburg im Winter. Foto: Peter Weckbrodt

Künstlerisches Bild des alten Sachsen

Über 70 Gemälde, ergänzt von Meißner Porzellanen mit Gemälde-Dekoren, lassen ein künstlerisches Bild des alten Sachsen entlang des Elbstromes lebendig werden. Ein privater Sammler, dem der Ruhm nicht wichtig ist und der deshalb ungenannt bleibt, dem aber der Erhalt und die Vermittlung von Kulturgut am Herzen liegen, hat seine schönsten Stücke in die Albrechtsburg gebracht.

Dresden - Die Frauenkirche von Fritz Beckert aus em Jahre 1944. Repro: Peter Weckbrodt

Dresden – Die Frauenkirche von Fritz Beckert aus em Jahre 1944. Repro: Peter Weckbrodt

Putzbild von Choulant

Ein Bild kehrt sogar zurück an seinen früheren Ausstellungsort – das Gemälde „die Albrechtsburg zu Meißen“ des Dresdner Malers und Architekten Ludwig Theodor Choulant (1827-1900). Bis in die 1970er Jahre war es als Wandbild, direkt auf den Putz gemalt, im Wappensaal des Schlosses zu sehen. Wegen des schlechten Erhaltungszustandes schlugen dann jedoch Hammer und Meißel den Putz von den Wänden des Saales. Mit ihm verschwand auch das Bild – bis heute.

Die Straßenbahn unterm Fürstenzug

Stadtansichten dominieren die Ausstellung. Darauf entdecken wir wenig geläufige Details. Wir erfahren beispielsweise, dass die Straßenbahn einst durch den Fürstenzug zum Neumarkt fuhr und wie die beliebte öffentliche Badeanstalt am Neustädter Ufer angelegt war. Wir tauchen tief in die Welt des Biedermeiers und der Romantik ein, lassen uns von den städtischen und ländlichen Idyllen begeistern. Wir nehmen aber auch mit einem ordentlichen Schuss von Wehmut zur Kenntnis, wie bilderbuchschön die Dresdner Altstadt sich noch im Kriegsjahr 1944, wenige Monate vor ihrer nahezu vollständigen Zerstörung, dem Betrachter bot.

Der Barockgarten Großsedlitz bei Heidenau auf enem Paravent von William Krause, 1903. Repro: Peter Weckbrodt

Der Barockgarten Großsedlitz bei Heidenau auf enem Paravent von William Krause, 1903. Repro: Peter Weckbrodt

Neben den sonnendurchfluteten Bildern werden aber auch recht trist auf uns Wirkende gezeigt, so Siegfried Mackowikys winterliche Dresdner Stadtansichten. Die Namen der Maler sagen dem außerhalb der Kunstszene stehenden „Ottonormalverbraucher“ mehrheitlich denkbar wenig. Das lässt uns ganz gelassen, wir freuen uns vorurteilsfrei an dem, was sie geschaffen haben und lernen hinzu.

Auch Ludwig Richter vertreten

Natürlich ist auch ein einzelner Ludwig Richter zu sehen. Und ein hier gezeigtes Aquarell des anderen Dresdner Malers der Romantik, Christian Gottlieb Hammer, von dem wir sicher schon gehört, aber vielleicht noch nichts gesehen haben, empfinden wir als geradezu atemberaubend schön. Da stehen aber die uns weniger vertrauten, in der Ausstellung besonders zahlreich mit ihren Bildern vertretenen Maler Fritz Beckert (1877-1962) und Franz Wilhelm Leuteritz (1817-1902) nicht nach.

Fritz Beckert verlor durch Bomben Atelier und Werk

Aus den bereitliegenden Texten erfahren wir, dass der in Leipzig geborene Beckert als einer der exaktesten deutschen Architekturmaler und der wichtigste Vedutenmaler in Dresden am Anfang des 20. Jahrhunderts war. Er lehrte von 1908 bis 1945 Architekturmalerei zunächst als Privatdozent, später als ordentlicher Professor, an der Technischen Hochschule Dresden. Als Student war er Schüler des Impressionisten Gotthardt Kuehl und des Landschaftsmalers Friedrich Preller. Beckert verlor bei den Bombenangriffen auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 nicht nur sein Atelier, sondern auch den Großteil seiner Werke.

Dresden und Meißen von der heiteren Seite

Über Franz Wilhelm Leuteritz erfahren wir, dass er in Wechselburg an der Mulde geboren wurde und dort fast 40 Jahre gelebt hat. Leuteritz eignete sich seine künstlerischen Qualitäten autodidaktisch an. Seine Stadtansichten zeigen Dresden und Meißen von ihrer heiteren Seite mit zahlreichen liebevoll beobachteten Details.

Wir versäumen es nicht, auch Blicke auf die sehr schönen Ausstellungsräume mit ihren fantastischen Tür- und Fenstergestaltungen zu werfen. Auch dieses Ambiente trägt zum Erlebniswert der Ausstellung wesentlich bei.

Ausblick: Benno-Schau ab Mai

Prächtig gestimmt verlassen wir die Albrechtsburg. Unser nächster Besuch mit dem Oiger ist schon vorprogrammiert: Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger heißt die Sonderausstellung, zu der das Schloss vom 12. Mai bis 5. November 2017 einlädt. Der Oiger lädt selbstverständlich rechtzeitig zu deren Besuch ein. Das wird etwas ganz Hochkarätiges, da gibt es keine Zweifel.

Autor: Peter Weckbrodt

Besucherinformationen

Wo?

Albrechtsburg Meißen, Domplatz 1, ß01662 Meißen

Öffnungszeiten

bis Februar: täglich 10-17 Uhr

Eintrittspreise

Sonderausstellung: Erw. 4 Euro, Erm.2 Euro

Mehr Infos im Netz hier

Telefon 03521-4707-0

Anfahrt:

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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