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Kommentar: Deutscher Autoindustrie droht US-Abhängigkeit

Audi kooperiert bei der Entwicklung von Autopiloten für das autonome Fahren mit Nvidia. Foto: Heiko Weckbrodt

Audi kooperiert bei der Entwicklung von Autopiloten für das autonome Fahren mit Nvidia. Foto: Heiko Weckbrodt

In E-Mobilität und im „Autonomen Fahren“ hinken VW & Co. hinterher

Dresden, 10. Januar 2017. Galten zumindest bis zum VW-Abgasskandal deutsche Autos in den USA als führend dank technischen Vorsprungs, ändert sich das derzeit schnell und nicht einmal ursächlich wegen der Betrügereien von VW. Es ist vielmehr der massive Trend zu E-Mobilität und autonomem Fahren, dem die deutschen Hersteller schon jetzt hinterher hinken und künftig von den Amerikanern völlig abhängig sein werden.

Tesla hat die Nase vorn

Tesla hat jetzt schon beim Elektroauto qualitativ und quantitativ am Markt die Nase vorn. Diese Position wird Elon Musk durch die jetzt in Betrieb genommene „Gigafab“ für Lithium-Batterien zügig ausbauen.

Audi und Nvida kooperieren – Grafikchip-Schmiede gewinnt Schlüsselrolle

Langfristig noch dramatischer ist, dass die entscheidenden Chips für das autonome Fahren aus den USA kommen. Danz offenkundig wird das durch die jetzt verkündete, sich aber schon seit Jahren abzeichnende Kooperation von Audi mit der Chipschmiede Nvidia. Demnach wollen beide Partner bis 2020 das erste vollautonom fahrende Auto herausbringen. Das Herzstück, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Rechner, kommt von Nvidia.

Auch die Automobilzulieferer Bosch und ZF – einst das Rückgrat der deutschen Automobilindustrie für die Lieferung systemkritischer Komponenten – wollen bzw. müssen mit Nvidia zusammenarbeiten, um den Markt für autonomes Fahren nicht zu verlieren. Das US-Unternehmen Nvidia hatte sich in den vergangenen Jahren eben nicht nur auf neue Chips für Grafikkarten konzentriert, sondern diese Spezialprozessoren auch für den Bau von relativ kompakten Supercomputern weiterentwickelt.

Trumps Protektionismus könnte Problem für Europa verschärfen

Da die europäische Mikroelektronik-Industrie und die politisch Verantwortlichen in Europa und Deutschland es aufgegeben haben, im High-End-Segment dieser Industrie mitzumischen, gibt es auch kurzfristig keinen Weg, dieser Abhängigkeit zu entkommen. Es dürfte interessant werden, wie Präsident Donald Trump (Republikaner) diese neue entstandene Abhängigkeit nutzen wird, um die amerikanische Automobil-Industrie „great again“ zu machen. Ordentlich Ausfuhrgebühren für diese Komponenten könnten diese systemkritischen Teile so teuer machen, dass GM & Co, die auf ihrem Heimmarkt einen ungehinderten Zugriff darauf haben, einen erheblichen Wettbewerbsvorteil genießen können.

Autor: Bernd Junghans

1 Kommentare

  1. Nun es gibt Schlimmeres, als eine Abhängigkeit von den USA, finde ich. Aber über Jahre hat man in Deutschland die Energiewende als wichtigste industrielle Transformation vorangestellt. Nun stellt man aber fest, dass Energie ein frei handelbares Gut ist, hochtechnologische Mikroelektronik dagegen nicht. Die muss man schon selbst beherrschen, wenn man konkurrenzfähige Industriegüter herstellen will. Ob Deutschland noch die Kurve bekommt bei der Mikroelektronik? Wenn man nur einen Bruchteil der 550 Milliarden her nähme, die laut „Welt“ bis 2025 in die Energiewende bis 2015 investiert werden sollen, und in die Mikroelektronik stecken würde, dann könnte es schon gelingen.

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