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Das Unikat in der Ära der Massen-Ära

Kunstschmied beim Formen. Foto: Handwerkskammer Dresden

Kunstschmied beim Formen. Foto: Handwerkskammer Dresden

Kunsthandwerker öffnen im Frühjahr ihre Ateliers, um Nachwuchs zu gewinnen

Dresden, 28. Dezember 2016. Was haben Teddy-Kreateure, Perlenschmuck-Macher, Graveure und Silberschmiede gemein? Sie gehören zu jenen Handwerkern in und um Dresden, die sich selbst als Kunsthandwerker verstehen: Handarbeiter, die in der Ära der Massenproduktion und Globalisierung noch Unikate oder Kleinstserien mit künstlerischem Anspruch fertigen.

Kunsthandwerks-Aktionen europaweit in 19 Ländern

Vom 31. März bis zum 2. April 2017 wollen Dutzende von ihnen im Kammerbezirk Dresden ihre Ateliers und Werkstätten zu den „4. Europäischen Tagen des Kunsthandwerks“ öffnen, wie die Handwerkskammer (HWK) Dresden gestern angekündigt hat. Europaweit beteiligen sich Kunsthandwerkern aus 19 Ländern an diesen Veranstaltung.

Kunsthandwerker sind oft Einzelkämpfer

„Das Kunsthandwerk ist uns sehr wichtig“, betonte HWK-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski auf DNN-Anfrage. „Es ist ein sehr kleinteiliges Handwerk mit zahlreichen unterschiedlichen Ausformungen. Häufig sind kunsthandwerkliche Unternehmer und Meister auf sich allein gestellt.“ Daher sei es der Kammer „ein besonderes Anliegen, den Fokus der Öffentlichkeit auf das Kunsthandwerk zu richten.“ Auch wolle man den Kunsthandwerker helfen, eigene Netzwerke untereinander zu knüpfen. Und vor allem jungen Besuchern bietet sich bei den Kunsthandwerkstagen die Chance, Meistern über die Schulter zu schauen und sich über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.

Glasbläser bei der Arbeit. Foto: Handwerkskammer Dresden

Glasbläser bei der Arbeit. Foto: Handwerkskammer Dresden

68 Gold- und Silberschmiede im Kammerbezirk

Wieviele der rund 22.500 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Dresden nun tatsächlich Knsthandwerker sind, hat – mangels exakter Abgrenzungs-Definition – keine Statistik erfasst. Laut HWK gibt es hier aber wenigstens 16 Graveure, 57 Drechsler und Holzspielzeugmacher, 34 Holzbildhauer, 273 Maßschneider, 6 Modisten (Hutmacher), 27 Textilgestalter, 90 Uhrmacher, 26 Drucker, 68 Gold- und Silberschmiede, die klar zu den Kunsthandwerkern gezählt werden können.

Scharfe Abgrenzungs-Definition fehlt

Gemeinhin versteht man unter Kunsthandwerkern aber Meister, die traditionelle Handwerkstechniken pflegen und nur Einzelstücke oder sehr kleine Serien von künstlerisch anspruchsvollen Produkten herstellen. Dagegen setzen viele andere Handwerker wie etwa viele Bäcker, Fleischer oder Dachdecker in hohem Maße auch industrienahe Massenproduktionstechniken ein. Entstanden war diese – bis heute wenig scharfe – Abgrenzung im Zuge der industriellen Revolution, als – oftmals aus Manufakturen udn Handwerksbetrieben heraus – Fabriken entstanden und die dominierende Rolle in der Produktion übernahmen.

Industrie 4.0 sorgt für Rückbesinnung auf Unikat-Gedanken

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Rückbesinnung auf die „Losgröße 1“, die im Zuge des neuen „Industrie 4.0“ nun wieder in Mode kommt: Digitalisierung und flexible Vernetzung sollen dafür sorgen, dass künftig auch wieder Industriefabriken kostendeckend Einzelstücke produzieren können. Ob dies auch gelingen wird, bleibt indes noch abzuwarten.

Initiative kam aus Frankreich

Die Initiative zu den „Europäischen Tagen des Kunsthandwerks“ ging im Jahr 2002 vom Französischen Ministerium für Handwerk aus. „Die französischen „Journées des Métiers d’Arts“ werden alljährlich von einem wachsenden Publikum besucht“, betonte die HWK Dresden. Mittlerweile öffnen auch Kunsthandwerker in Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweiz Ungarn und dem Vereinigten Königreich ihre Ateliers.

Autor: Heiko Weckbrodt

-> Anmeldungen von Kunsthandwerkern nehmen die Kammern Berlin und Dresden per Internet über kunsthandwerkstage.de entgegen. Anmeldung und Teilnahme sind für Handwerker kostenfrei.

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