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Ein Schloss im Müglitztal steht Kopf

Im Schlossgarten läßt sich zu jeder Jahreszeit gut flanieren. Foto: Peter Weckbrodt

Im Schlossgarten läßt sich zu jeder Jahreszeit gut flanieren.
Foto: Peter Weckbrodt

Wochenendtipp: Weesenstein bietet tolle Aussichten und Attraktionen

Müglitztal, 4. November 2016. Schloss Weesenstein ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. In den zahllosen Schlossräumen finden wir problemlos unser Vergnügen, und auch im neben der Müglitz gelegenen Schlosspark lässt sich auch in Herbst- und Winterszeit passabel flanieren. Dass das Schloss quasi auf dem Kopf steht, muss noch kurz erklärt werden.

Herbstimmung rund um Schloss Weesenstein hoch über der Müglitz. Foto: Peter Weckbrodt

Herbstimmung rund um Schloss Weesenstein hoch über der Müglitz. Foto: Peter Weckbrodt

Von oben nach unten gebaut

Auf einem Felssporn hoch über dem Müglitztal fing nämlich alles an: Eine wehrhafte Burg entstand schon im 10. Jahrhundert. Eine im Staatsarchiv Dresden aufbewahrte Urkunde Kaiser Ottos I. erwähnt die Burg Weesenstein „Weysinberg“ erstmalig. Alle nachfolgenden Herren, die böhmischen Dohnaer bis 1402 wie die sächsischen Markgrafen und die ihnen bis 1917 nachfolgenden Wettiner bauten die Burg, später das Schloss, von oben nach unten schrittweise immer weiter aus. Der älteste Schlossteil ist folglich nicht tief im „Keller“, sondern unter dem Dach.

Das prächtige Eingangsportal weckt hohe Erwartungen. Foto: Peter Weckbrodt

Das prächtige Eingangsportal weckt hohe Erwartungen. Foto: Peter Weckbrodt

Schöne Ausblicke ins Tal

Logische Konsequenz dieser Vorgehensweise ist es für den Besucher, beeindruckende Höhenunterschiede von der Kasse bis zum unbedingt sehenswerten Dachboden überwinden zu müssen. Einen Aufzug entdecken wir nicht! Dafür werden wir mit vielen schönen Ausblicken ins malerische Müglitztal belohnt.

Skelette, Bücher und Versteinerungen

In die Sanierung des Schlosses hat der Eigentümer, der Freistaat Sachsen, fleißig investiert. Die Räume sind in barocker und klassizistischer Manier hervorragend ausgestattet. Hier ließ es sich gut wohnen, das steht fest. Aber auch die Geisteswissenschaften kamen in den herrschaftlichen Räumen nicht zu kurz. Wir erfahren Bemerkenswertes über Johann Jacob von Uckermann (1762-1836). Er war Schlossbesitzer, Geschäftsmann, Gelehrter und Sammler. Er legte den Englischen Landschaftspark an, betrieb Studien zu astrowissenschaftlichen Problemen, führte barometrische Messungen durch, gründete eine umfangreiche Bibliothek mit rund 9000 Bänden. Er legte eine naturwissenschaftliche Sammlung an mit Tierpräparaten, Skeletten, Mineralien und Versteinerungen.

Das Arbeitszimmer des Schlossherrn und Gelehrten Johann Jacob Uckermann. Foto: Peter Weckbrodt

Das Arbeitszimmer des Schlossherrn und Gelehrten Johann Jacob Uckermann. Foto: Peter Weckbrodt

Wo König Johann als Philalethes übersetzte

Wir sehen das eher schmucklose Arbeitszimmer von König Johann von Sachsen 1801-1873). Er betätigte sich unter dem Pseudonym „Philalethes“ als Übersetzer. Seine Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“ findet noch heute Anerkennung. Sie erfolgte in wesentlichen Teilen auf Schloss Weesenstein. Einer Leipziger Ausgabe von 1849 zollen wir unseren Respekt.

Diese einzigartigen Ledertapeten wurden aus Ziegenhäuten gefertigt. Foto: Peter Weckbrodt

Diese einzigartigen Ledertapeten wurden aus Ziegenhäuten gefertigt. Foto: Peter Weckbrodt

Ledertapete aus Ziegenhaut

Absolut sehenswert ist der festlich gestaltete Ledertapetensaal. 116 Ziegenhäute wurden verarbeitet, geprägt, bemalt, von Hand zusammengenäht, mit Holzleisten auf dem Putz befestigt. Daraus entstand um 1720 die „Mechelner Goldledertapete“. Interessant sind auch die beiden Prinzenzimmer. Sie dienten im 19. Jahrhundert für den sächsischen Hof als Wohn- und Schlafzimmer für die „erlauchtesten Kinder“. 1959 tauschte man die verblichene grau gemusterte Tapete gegen die Panoramatapete „Kämpfe der Griechen“ ein. Diese wertvolle, mit Holzmodeln gedruckte Bildtapete stammt aus dem uns wenig geläufigen Schloss Niederuppersdorf in der Oberlausitz.

Drachen und Mönche

Wir steigen hoch unter das Dach, passieren den Rittersaal, den Gerichtssaal und das Gefängnis und erreichen das Haupttreppenhaus. Bis in diese höhe reichte einst der Felssporn, auf dem die Burg errichtet wurde. Die Wände des Mönchsboden, einst der Getreidespeicher, zieren sieben lebensgroße Figuren. Sie entstanden vermutlich um 1549 in der Reformationszeit. Beeindruckend für uns ist auch die Ausmalung des Knappensaales: Wir erkennen Drachen, Schlangen, Mischwesen und exotische Blüten. Sie stammen aus der Spätgotik und der Renaissance. Die Ausmalung erfolgte in Seccotechnik in mehreren Phasen. In Sachsen gibt es nichts Vergleichbares.

Bier kommt aus der Schlossbrauerei

Wir werfen noch einen Blick auf die um 1750 gebaute Turmuhr, dann steigen wir schier endlose Treppen hinab in den uns von Hunger und Durst befreienden Schlosskeller mit seinem urigen Ambiente. Das Bier kommt aus der Schlossbrauerei.

Und was haben die lieben Kleinen von diesem Schlossbesichtigungsmarathon? Sie können sich zwischendurch als Ritter oder Burgfräulein anscheuseln. Ein Ratespiel gibt es auch: Wer aufmerksam die Texte liest, weiß die vielen Fragen richtig zu beantworten und nimmt am Jahresende an einer Auslosung toller Preise teil. So eine Burg steckt eben doch voller leerer Versprechungen, oder?!

Autor: Peter Weckbrodt

Übersichtsplan der Schloss- und Parkanlage. Grafik: Staatl. Schlösser und Gärten, Repro: Peter Weckbrodt

Übersichtsplan der Schloss- und Parkanlage. Grafik: Staatl. Schlösser und Gärten, Repro: Peter Weckbrodt

Besucherinformationen

Wo?

Schloss Weesenstein, Am Schlossberg 1, 01809 Müglitztal, Tel.: 035027- 626-0

Öffnungszeiten:

November bis März: Di bis So. 10 bis 16 Uhr

Eintrittspreise:

Erw. 6 Euro, Erm. 3 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei, 2Erw. + 4 Kinder 14 Euro, 1Erw. + 2 Kinder 8 Euro;

Sonderveranstaltungen:

– Sonderausstellung „Früher war mehr Lametta! Feste und Bräuche in Sachsen und Böhmen“ vom 29. Oktober 2016 bis 19. März 2017;

  • 26./27. November, 14-19 Uhr: Weesensteiner Schlossweihnacht;
  • 10. Dezember, 16 Uhr: „Böhmische Hirtenmesse“ Projektchor und Projektorchester mit böhmischer Musik im 18. Jahrhundert;
  • 17. Dezember, 16 Uhr: Familiennachmittag mit Josephine Hoppe.

Mehr Infos gibt es hier im Netz

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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