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Maschinenpistole im Geigenkasten

Von wegen, das gibts nur im Agentenfilm: Eine Maschinenpistole im Geigenkasten. Foto: Heiko Weckbrodt

Von wegen, das gibts nur im Agentenfilm: Eine Maschinenpistole im Geigenkasten. Foto: Heiko Weckbrodt

Sonderausstellung über Spionage in Ost und West im Militärhistorischen Museum Dresden

Dresden,. 23. Oktober 2016. Maschinenpistolen im Geigenkasten, giftschießende Regenschirme oder Lippenstifte, die sich in tödliche Krallen verwandeln… Wer dachte, dies seien lediglich Hirngespinste phantasievoller Agentenfilm-Regisseure, der irrt: Tatsächlich gehörten solche bizarren Ausrüstungen zum Repertoire des Kalten Krieges, wurden teils auch von Spionen eingesetzt. Allerlei pittoreske Zeugnisse des (meist) unsichtbaren Geheimdienstkrieges zwischen Ost und West zeigt bis zum 29. November 2016 das Militärhistorische Museum Dresden in der Sonderausstellung „Achtung Spione!“.

Auch eine Wasserstoffbombe ist in der Spionage-Ausstellung zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Auch eine Wasserstoffbombe ist in der Spionage-Ausstellung zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Über 600 Exponate vom Blei-Handschuh bis zur Wasserstoff-Bombe

Kurator Dr. Magnus Pahl und seine Helfer haben rund 600 Exponate und Dokumente aus der Spionagegeschichte des 20. Jahrhunderts zusammengetragen, darunter auch einige bisher nie gezeigte Stücke. Dazu gehören eine Wasserstoffbombe „Mk/B53“, die goldene Kalaschnikow von Stasi-Minister Erich Mielke, eine originale Enigma-Verschlüsselungsmaschine und ein Blei-Handschuh, mit der enttarnte Spione tödliche Ohrfeigen austeilen konnten. So steuerten das CIA-Museum und der Bundesnachrichtendienst (BND) diverse Ausstellungsstücke bei.

Verschlüsselungs-Maschine Enigma. Foto: Heiko Weckbrodt

Verschlüsselungs-Maschine Enigma. Foto: Heiko Weckbrodt

Anderes stammt aus dem Fundus des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Wieder anderes kam aus den privaten Nachlässen von HVA-Chef Micha Wolf und von seinem Pendant Reinhard Gehlen, der erst für die Wehrmacht die Aufklärungs-Abteilung „Fremde Heere“ in der Sowjetunion aufbaute und dann in der BRD die „Organisation Gehlen“ leitete, den Vorgänger des BND.

DDR-Stasi-Minister Erich Mielke besaß ein vergoldetes Sturmgewehr Kalaschnikow. Foto: Heiko Weckbrodt

DDR-Stasi-Minister Erich Mielke besaß ein vergoldetes Sturmgewehr Kalaschnikow. Foto: Heiko Weckbrodt

Ausstellung spannt Bogen von der NS-Zeit bis ans Ende des Kalten Krieges

Neben den spektakulären Exponaten lohnt sich für den Besucher aber auch ein längerer Blick auf die Original-Dokumente und Erklärtafeln. Denn sie erzählen die Geschichte hinter diesem Kuriositätenkabinett: Wie sehr sich vor allem die westdeutschen Geheimdienste anfangs aus Spionen den „Dritten Reichs“ rekrutierten. Dass es zeitweise in Westdeutschland auch private Geheimdienste gab. Wie lange auch die Amerikaner noch Aufklärungsmaterial aus dem deutschen Eroberungsfeldzug in der Sowjetunion nutzten. Und an welch kurzer Leine die Russen die Staatssicherheit und die Amerikaner den BND hielten: Die waren eben doch nur Bauern im globalen Schachspiel zwischen der Sowjetunion und den USA.

Autor: Heiko Weckbrodt

Das Militärhistorische Museum Dresden. Der Libeskind-Keil wurde nachträglich eingefügt - auch, um den Unterschied zum früheren DDR-Armeemuseum zu unterstreichen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das Militärhistorische Museum Dresden. Der Libeskind-Keil wurde nachträglich eingefügt – auch, um den Unterschied zum früheren DDR-Armeemuseum zu unterstreichen. Foto: Heiko Weckbrodt

Besucherinformationen

Was?

Sonderausstellung „Vorsicht Spione!“

Wo?

Im Erdgeschoss und in Halle 28 (Großexponate) des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, Olbrichtplatz 2

Öffnungszeiten:

Täglich außer Mittwoch (Ruhetag) jeweils 10 bis 18 Uhr, montags bis 21 Uhr

Eintrittspreise:

Sonderausstellung: 5 Euro (Kombi-Ticket mit Dauerausstellung: 7 Euro, Achtung: montags ist der Eintritt von 18 bis 21 Uhr frei

Die Mini-Kamera Minox war bei Geheimdiensten sehr beliebt. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Mini-Kamera Minox war bei Geheimdiensten sehr beliebt. Foto: Heiko Weckbrodt

Den Tod aus dem Ärmel schütteln: Armprothese mit eingebauter Schusswaffe. Foto: Heiko Weckbrodt

Den Tod aus dem Ärmel schütteln: Armprothese mit eingebauter Schusswaffe. Foto: Heiko Weckbrodt

Wenn die Agentin die Krallen ausfährt, wird's gefährlich: Lippenstift mit scharfer Spitze. Foto: Heiko Weckbrodt

Wenn die Agentin die Krallen ausfährt, wird’s gefährlich: Lippenstift mit scharfer Spitze. Foto: Heiko Weckbrodt

In diesem Schreibtisch-Set mit Globus war ein Mikrophon versteckt. Allerdings mussten die Abhörer wegen der geringen Reichweite des Senders in der Nähe des abgehörten bleiben und einmal täglich die Batterien wechseln. Foto: Heiko Weckbrodt

In diesem Schreibtisch-Set mit Globus war ein Mikrophon versteckt. Allerdings mussten die Überwacher wegen der geringen Reichweite des Senders in der Nähe des Abgehörten bleiben und einmal täglich die Batterien wechseln. Foto: Heiko Weckbrodt

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