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Bagger, Schlamm und Schwellen

Auf dem Endbahnhof in Kipsdorf sind die Bahnsteigkanten verlegt, die Montage der Gleise kann beginnen. Foto: Peter Weckbrodt

Auf dem Endbahnhof in Kipsdorf sind die Bahnsteigkanten verlegt, die Montage der Gleise kann beginnen. Foto: Peter Weckbrodt

Wochendtipp: Ab auf die Baustelle der Weißeritztalbahn

Kipsdorf, 21. Oktober 2016. Ja, sie haben richtig gelesen, diesmal es geht auf eine Baustelle. Auf eine richtig lange noch dazu, sie misst stolze 11,3 Kilometer lang und erstreckt sich von Dippoldiswalde über Schmiedeberg bis nach Kipsdorf. Wir wollen uns augenscheinlich ein Bild davon machen, ob es mit dem lange schon versprochenen, aber immer wieder verzögerten Wiederaufbau der durch die Hochwasserfluten 2002 arg beschädigten Strecke der Weißeritztalbahn endlich etwas wird. Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: wir werden angenehm überrascht sein.

Feste Schuhe ratsam

Wer eine Baustellestelle um diese Jahreszeit besucht, kleidet sich nicht modisch sondern zweckmäßig. Gummistiefel müssen nicht sein, feste Schuhe tun es auch. Wir beachten konsequent alle Sicherungen an den Baustellen einschließlich der ausgeschilderten Verbote zu deren Betreten, lassen es an der notwendigen Vorsicht nicht fehlen. Auch unter strikter Beachtung dieser Regeln können wir (fast) alles einsehen, weil die schmalspurige Eisenbahnstrecke über große Abschnitte parallel zur Bundesstraße 170 verläuft.

Auf dem Bahnhof Schmiedeberg wird der Bahnsteig gerade fertig gestellt. Foto: Peter Weckbrodt

Auf dem Bahnhof Schmiedeberg wird der Bahnsteig gerade fertig gestellt. Foto: Peter Weckbrodt

Auf den Spuren der Bimmelbahn

Noch endet die in Freital-Hainsberg beginnende Bimmelbahnfahrt auf dem Bahnhof Dippoldiswalde. Wo jahrelang die Prellböcke die Weiterfahrt der Züge verhinderten, können wir die komplett neu gebaute Ausfahrt in Richtung Kipsdorf besichtigen. Sind wir erst mal auf der B 170, begleitet uns der fix und fertig gebaute Gleisstrang über mehrere Kilometer hinweg bis fast nach Schmiedeberg. Uns fällt ein neuer Bahnübergang in Ulberndorf auf. Er ersetzt den bis zur Flutkatastrophe am Ortsausgang Dipps befindlichen, der dem Hochwasserschutz weichen musste.

In Obercarsdorf gefällt uns das sanierte, farbenfroh gestaltete Stationshäuschen auf. Obercarsdorf hat einen richtigen Bahnhof, hier können sich Züge kreuzen. Der Bahnsteig wird gerade fertig gestellt.

Schmucke Kirche in Schmiedeberg

Wollen wir auch dem Bahnhof Schmiedeberg einen Besuch abstatten, müssen wir oberhalb der schmucken Kirche in eine als nicht durchgehend beschilderte Straße rechts abbiegen. Den Bahnhof Schmiedeberg kennen wir schon von den beliebten Kleinbahn-Adventsfahrten bis vor zwei Jahren. Hier stehen die Baumaßnahmen ebenfalls vor ihrem Abschluss. Das Gleis verschwindet irgendwo in der Ferne im Busch. Tatsächlich heißt der nächste Haltepunkt Buschmühle. Von einer Mühle keine Spur mehr, das ist Geschichte. Wo links die Falkenhain Straße abbiegt, verlassen wir die B 170 nach rechts und halten sofort. Es sind nur ein paar Schritte bis zum kleinen Stationsgebäude, an dem die Handwerker noch werkeln.

Dann folgen die langen Geraden an der Bundesstraße, die Bahn macht sie zur Rechten in Parallellage mit. Das Gleis ist fertig montiert, muss aber noch eingeschottert werden. Im November komm ein leistungsstarker Gleisbauzug hierher, er stopft das Gleis mit Schotter und gibt ihm die perfekte Höhen- und Seitenlage. Das geht in einem unwahrscheinlichen Tempo vor sich. Er ersetzt die früher übliche schwere körperliche Arbeit der Gleisbauarbeiter bei jedem Wetter.

Wir passieren den Ortseingang von Kipsdorf und suchen uns etwa 200 m weiter rechts eine Stelle zum Parken. die findet sich auch. problemlos.

Am Lokschuppen in Kurort Kipsdorf machen die maler bei trockenem Wetter noch letzte Pinselstriche. Foto: Peter Weckbrodt

Am Lokschuppen in Kurort Kipsdorf machen die maler bei trockenem Wetter noch letzte Pinselstriche.
Foto: Peter Weckbrodt

Lokschuppen nimmt Form an

Hier entdecken wir, leicht von den hohen Bäumen verdeckt, den sanierten Lokschuppen. Er sieht richtig gut aus. Mit etwas Glück finden wir auch den gar nicht abgesperrten, aber stark verschmutzten Weg zum Lokschuppen. Die Giebelseite ist komplett neu erstellt, statt der verbrauchten schweren Holztore geht das Öffnen und Schließen mittels der bereits montierten Rolltore künftig wie geschmiert. Im Schuppen können mehrere Lokomotiven abgestellt werden, sind nicht mehr den Witterungsunbilden ausgesetzt.

Das alte mechanische Stellwerk und die lange Stützmauer zur B 170 sind zu alter Schönheit zurückgekehrt. Foto: Peter Weckbrodt

Das alte mechanische Stellwerk und die lange Stützmauer zur B 170 sind zu alter Schönheit zurückgekehrt. Foto: Peter Weckbrodt

Stellwerk noch ganz mechanisch

Mit dem Auto parken wir 300m weiter auf dem ausgeschilderten großen Parkplatz. Wir bestaunen die vollständig neu errichtete, rund 200 Meter lange Stützmauer am Bahnhof. Sie wurde in Beton gegossen und anschließend mit Natursteinplatten verblendet. Das macht schon etwas her. Das gilt auch für das mechanische Stellwerk, von dem auch künftig ein oder zwei Weichen gestellt werden sollen, eben weil Alles unter Denkmalschutz steht.

Die Gleisanlagen des Bahnhofes liegen noch nicht. Die Bahnsteigkanten sind schon fertig, das große Stationsschild ist als Stahlgitter-Konstruktion ausgeführt und unübersehbar.

 Die Gleisbauer der Dresdner Sersa GmbH bei der Montage des Einfahrgleises zum Bahnhof Kipsdorf. Foto: Peter Weckbrodt

Die Gleisbauer der Dresdner Sersa GmbH bei der Montage des Einfahrgleises zum Bahnhof Kipsdorf. Foto: Peter Weckbrodt

Zukunft für Bimmelbahn noch ungewiss

Unser Fazit lautet: Es ist noch nicht Alles komplett fertig, das hatten wir auch nicht erwartet. Was wir gesehen haben stimmt uns optimistisch. Die planmäßige Fertigstellung der Strecke noch vor Winterbeginn, also bis Anfang oder Mitte Dezember, könnten nur noch extreme Witterungsbedingungen ernsthaft gefährden. Trotzdem steht ein großes Fragezeichen im Raum: Wann fahren die Züge künftig nach Kipsdorf, wir hören nichts von einem Fahrplan, der müsste doch längst fertig sein?. Tatsächlich gibt es noch keinen Fahrplan. Der die Züge bestellende Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und der Betreiber der Weißeritztalbahn, die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) konnten sich in ebenso langen wie zähen Verhandlungen nicht dazu verständigen, wieviel Zügen täglich nach Kipsdorf gefahren werden.

Natürlich geht es dabei ums Geld. Der Freistaat Sachsen stellt schon jetzt Jahr für Jahr glatt 500 000 Euro speziell für die noch gar nicht nach Kipsdorf fahrenden Züge bereit. Am Jahresende ist dieses Geld bei der SDG nicht mehr da. Es wird von den Zügen zwischen Freital-Hainsberg und Dippoldiswalde und durch die Züge des Lößnitzdackels

mit verheizt. Nun soll ein Nachschlag aus dem Staatssäckel her. Ob der aber kommt, dürfte mehr als nur fraglich sein. Lassen wir uns also überraschen. Autor: Peter Weckbrodt

Mehr Infos im Netz:

www.aufbau.weisseritztalbahn.de/

www.ig.weisseritztalbahn.de/

www.weisseritztalbahn.com/

Anfahrt und Tour:

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