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Sachsens Mittelstand agiert konservativ

Andreas Aumüller von Creditreform Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Andreas Aumüller von Creditreform Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Creditreform-Analyse: Eigene Unternehmenskultur im Freistaat entstanden: Rechnungen zahlt man, bloß niucht am Bankentropf hängen

Dresden, 20. Oktober 2016. Die Wirtschaft im Freistaat hat seit der Wende eine ganze eigene Unternehmenskultur entwickelt: Der sächsische Mittelständler ist konservativer und bodenständiger als der durchschnittliche deutsche Unternehmer, und er hält an klassischen Tugenden fest wie: „Rechnungen werden bezahlt und zwar pünktlich.“ Das geht aus der Herbstanalyse von „Creditreform“ hervor, für die der Wirtschaftsauskunftsdienst rund 1200 Mittelständler bundesweit befragt hatte. „Die Zahlungsmoral und Liquidität der sächsischen Unternehmer ist weit überdurchschnittlich“, schätzte Thomas Schulz von Creditform Dresden gestern ein.

Wenig Zahlungsausfälle in Sachsen

So müssen die Betriebe im Freistaat auch weit weniger unbezahlte Rechnungen abschreiben als ihre Kollegen anderswo in Deutschland: 39,1 Prozent der von Credit-Reform befragten Mittelständler in Sachsen hatten in diesem Jahr gar keine Zahlungsausfälle. Bundesweit können dies hingegen nur 26 Prozent der Betriebe von sich sagen.

Unternehmer setzen auf hohe Eigenkapitalquote

Auch neigen die sächsischen Unternehmer dazu, möglichst keine Schulden zu machen: Über 39 Prozent haben hier eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Sie finanzieren also zum Beispiel Investitionen zu einem großen Teil aus angespartem Kapital statt aus Krediten. Bundesweit gilt dies nur für 33,5 Prozent der Unternehmen. Eine Eigenkapitalquote über 30 Prozent gilt laut Creditreform als komfortabel, eine Quote unter zehn Prozent als flau. „Die Unternehmer hier sind da konservativ“, meint Creditreform-Experte Schulz. „Sie wollen sich möglichst wenig von Banken oder anderen Geldgebern abhängig machen.“

Polster und Bremse für die Konjunktur

Allerdings kann diese besondere Unternehmenskultur als Polster wie auch als Bremse wirken. Denn laut Creditreform-Herbstanalyse ist die Wirtschaftslage des deutschen Mittelstandes insgesamt „hervorragend“, wie Wirtschaftsforschungs-Leiter Michael Bretz betonte. „Unser Geschäftsklima-Index steht auf einem Zehn-Jahres-Hoch“. Vor allem die starke Binnennachfrage und der Bauboom sind derzeit Konjunktur-Treiber für den deutschen Mittelstand, mittelbar auch die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank und der robuste deutsche Außenhandel.

„Stimmung trübt sich ein“

In Sachsen indes sieht es etwas anders aus. „Die Stimmung trübt sich ein“, berichtet Andreas Aumüller von Creditreform Dresden. Zwar könne man durchaus weiter von einer robusten Konjunktur im Freistaat sprechen. Doch gegen den Bundestrend ist der Geschäftsklima-Index in Sachsen gesunken. Ein Grund dürfte die zurückhaltende, konservative Wachstumsstrategie vieler Unternehmer hierzulande sein, aber auch der Fachkräfte-Mangel, der der kleinteiligen sächsischen Wirtschaft besonders zu schaffen macht.

Generationswechsel verzögert sich

Und: „Wir sehen in Sachsen einen Rückstau bei der Betriebsübergabe an die nächste Generation“, schätzte Aumüller ein. Denn viele Unternehmer, die nach dem Zusammenbruch der DDR eine Firma gegründet und aufgepäppelt haben, sind jetzt im Seniorenalter und würden gerne den Chefsessel gegen den Garten eintauschen. Doch oft genug findet sich kein Nachfolger in der Familie. Und der Verkauf an externe Investoren scheitere oft an überzogenen Preisvorstellungen der Ur-Gründer. „Das ist auch kein Wunder“, sinniert Aumüller. „Das Unternehmen ist ,ihr Baby’ und dessen Wert schätzen sie natürlich sehr hoch ein.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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