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Stiftung finanziert mit Otto Horns Nachlass ein schöneres Meißen

Die historische Uhr mit einem raffinierten Wecker-Uhrwerk aus der Sammlung von Otto Horn. Foto: Peter Weckbrodt

Eine historische Kutscher-Uhr mit einem raffinierten Wecker-Uhrwerk aus der Sammlung von Otto Horn. Foto: Peter Weckbrodt

Meißen. Der Weinhändler und Kunstsammler Otto Horn hat viel für Meißen getan und seine Wohltaten wirken bis heute in der Stadt nach. Im Mai 1945 wählte er den Freitod. Sein umfangreiches Vermögen vermachte er zu großen Teilen einer Stiftung, die sich auch heute noch dem Wohl von Horns Heimatstadt Meißen widmet.

Goldstücke bis heute verschollen

Wie von Otto Horn testamentarisch verfügt, gründete das Land Sachsen im Oktober 1951 die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung. Wegen angeblicher Steuerschulden geriet diese jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Rat des Kreises Meißen löste die Stiftung daraufhin am 3. Februar 1954 auf und verstaatlichte deren Vermögenswerte. Von besonderem Interesse ist der Verbleib seiner einzigartigen Münzsammlung. Alle einst in der Sammlung vorhandenen Goldstücke gingen zum Kriegsende verloren, von ihnen fehlt jegliche Spur.

Zu den Spuren Otto Horns zählt diese Eingangsstufe in unmittelbarer Nähe des Meißner Marktplatzes. Foto: Peter Weckbrodt

Zu den Spuren Otto Horns zählt diese Eingangsstufe in unmittelbarer Nähe des Meißner Marktplatzes. Foto: Peter Weckbrodt

Münzen gelangten erst nach Berlin und dann nach Dresden

Bereits 1948 hatte ein Richard Gaettens von der Universität Heidelberg den Wert der in sieben Kisten verpackten Münzsammlung Horn auf 189.050,50 Reichsmark geschätzt. Nicht geschätzt wurde von Gaettens beispielsweise die umfangreiche Sammlung antiker Münzen. Deren vorgesehene spätere Bewertung kam nicht mehr zu Stande. Die Stadt Meißen sah sich außerstande, die Münzsammlung sicher unterzubringen und auch öffentlich zu zeigen. Sie schloss 1954 einen Dauerleihvertrag mit dem Berliner Münzkabinett. Dadurch gelangten 44.430 Objekte nach Berlin. Ende der 1960er Jahre wurde die Sammlung von den Behörden der DDR dem Münzkabinett Dresden übergeben.

Stiftung nach der Wende wieder hergestellt

Nachdem am 23. Oktober 1997 das Regierungspräsidium Dresden den Fortbestand der Otto-und-Emma-Horn-Stiftung festgestellt hatte, erhob die Stiftung Anspruch auf die Münzsammlung, ebenso auch die Stadt Meißen. Letztlich einigten sich der Freistaat Sachsen und die Stiftung auf einen Vergleich, in deren Zuge das Land große Teile der Münzsammlung ankaufte.

Aus der Sammlung Horn ins Meißner Stadtarchiv kam diese bei Matthes Stöckel in Dresdengedruckte älteste meißner Stadtchronik. Foto: Peter Weckbrodt

Aus der Sammlung Horn ins Meißner Stadtarchiv kam diese bei Matthes Stöckel in Dresdengedruckte älteste meißner Stadtchronik. Foto: Peter Weckbrodt

Auktionshaus versteigert restliche Sammelstücke

Den bei ihr verbliebenen Teil der Münzsammlung Horn verkaufte die Stiftung an das Osnabrücker Auktionshaus Künker für sehr bescheidene 500.000 Euro. Künker verpflichtete sich im Gegenzug, alle Erträge aus den Versteigerungen, die den gezahlten Kaufpreis übersteigen, abzüglich seiner Selbstkosten, der Stiftung zukommen zu lassen. Aufsehen erregte in und um Dresden ein bei Künker zur Versteigerung gelangter sächsischer Doppeltaler, der anlässlich der Grundsteinlegung für die Moritzburger Schlosskapelle am 1. November 1661 mit 49 weiteren Stücken geprägt worden war. Bekannt war, dass sich drei dieser edlen Stücke in Blechkapseln unter dem Grundstein der Kapelle befinden (Wir berichteten).Wie ein so zeitgeschichtlich hochinteressantes, außerordentlich seltenes Talergepräge in die Sammlung Horn gelangen konnte, bleibt ein Geheimnis.

Stiftung engagiert sich vor allem für soziale Zwecke

2014 flossen der Stiftung aus den erwähnten Auktionen 1,3 Millionen Euro zu. Für 2015 dürfte es einen ähnlich hohen Mittelzufluss geben. Getreu dem Hornschen Testament fördert die Stiftung mit den Erlösen die Denkmalpflege und den Denkmalschutz, die Bildung und Erziehung der Jugend, kulturelle vorhaben sowie die Altenhilfe.

Die aus Mitteln der Stiftung sanierte Meißner Postmeilensäule. Foto: Peter Weckbrodt

Die aus Mitteln der Stiftung sanierte Meißner Postmeilensäule. Foto: Peter Weckbrodt

Auch Stadtmuseum profitiert von Stiftung

Beispielsweise fällt bei der Fahrt in die Meißner Altstadt auf der rechten Elbbrückenrampe die schöne Postmeilensäule auf. Sie wurde mit Mitteln der Stiftung restauriert. Das Stadtmuseum zeigt ihren Besuchern zahlreiche Gemälde und Plastiken aus dem Nachlass Horn, aber auch dessen Schreibtisch. Sie unterstützt das Vorhaben eines Vereins zur Revitalisierung von Sachsens kleinster Burg in Burkhardswalde.

In dem großen Gebäudekomplex Baderbergstraße 2, der einstigen Likörfabrik Horns, befinden sich jetzt Wohn- und Gewerberäume. Foto: Peter Weckbrodt

In dem großen Gebäudekomplex Baderbergstraße 2, der einstigen Likörfabrik Horns, befinden sich jetzt Wohn- und Gewerberäume. Foto: Peter Weckbrodt

In der Stadt Meißen saniert die Stiftung die ihr gehörenden oder von ihr gekauften meist Immobilien und schafft Wohn- und Gewerberäume und bewahrt sie vor dem sonst unabwendbaren Abbruch. So erwarb sie das Haus Schlossberg 7 und baut es jetzt als Parkhaus für die in Hornschen Stiftungshäusern wohnende Mieter aus. Das vom Verfall akut bedrohte denkmalgeschützte Gut Meisna, welches einst die Mönche des Klosters St. Afra versorgte, kaufte die Stiftung auf und saniert es seit 2015 sehr aufwendig. Hier entsteht ebenfalls Wohnraum.

Die historische Uhr mit einem raffinierten Wecker-Uhrwerk aus der Sammlung von Otto Horn. Foto: Peter Weckbrodt

Die historische Uhr mit einem raffinierten Wecker-Uhrwerk aus der Sammlung von Otto Horn. Foto: Peter Weckbrodt

Historische Kutscheruhr unterm Hammer

Ein besonderes Prachtstück aus der Hornschen Sammlung versteigert das Auktionshaus Günther im Dezember: eine um 1720 in Dresden gefertigte große silberne Kutscheruhr. Und auch im Auktionshaus Künker harren weitere Hornsche Münzen ihrer Versteigerung. Weitere Überraschungen sind nicht auszuschließen.

Autor: Peter Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Otto Horn – eine Kurzbiografie

Kategorie: Geschichte, zAufi

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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