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Vodafone zieht Glasfasernetz durch Striesen

Bauleiter Thomas Weniger kontrolliert an einem Vodafone-Verteilerkasten an der Eisenacher Straße in Dresden-Striesen, ob die gelbummantelten Glasfaser-Kabel auch richtig sitzen. Foto: Heiko Weckbrodt

Bauleiter Thomas Weniger kontrolliert an einem Vodafone-Verteilerkasten an der Eisenacher Straße in Dresden-Striesen, ob die gelbummantelten Glasfaser-Kabel auch richtig sitzen. Foto: Heiko Weckbrodt

Unternehmen investiert acht Millionen Euro und will bis zu 400 Megabit je Sekunde möglich machen

Striesen, 14. Oktober 2016. Vodafone investiert in Dresden acht Millionen Euro in ein eigenes Glasfaser-Netz. Damit will das Unternehmen in Striesen und weiteren Stadtteilen mehr Anwohnern besonders schnelle Internetanschlüsse anbieten. So sollen für rund 27.000 Haushalte zunächst Netzzugänge mit bis zu 200 Megabit je Sekunde (Mbs) möglich werden, ab 2017 auch bis zu 400 Mbs. Vodafone unterstütze damit Dresdens Weg in die Gigabit-Gesellschaft, erklärte Manager Jörg Süptitz bei einer Baustellen-Inspektion am Freitagvormittag an der Eisenacher Straße in Striesen.

In fast jedem Haushalte tummeln sich mehrere internethungrige Geräte

„Die Nachfrage nach hoher Bandbreite steigt“, sagte er. „In den Haushalten greifen heute immer mehr Geräte gleichzeitig aufs Internet zu: Tablets, Notebooks, Smartphones, Fernseher, teilweise sogar Küchengeräte.“ Da deutet sich bereits der Megatrend hin zum „Internet der Dinge“ an. Zudem fressen hochauflösende Video-Übertragungen per Internet immer mehr Bandbreite.

Jörg Süptitz ist bei Vodafone für Großkunden und die Wohnungswirtschaft zuständig.. Foto: Heiko Weckbrodt

Jörg Süptitz ist bei Vodafone für Großkunden und die Wohnungswirtschaft zuständig.. Foto: Heiko Weckbrodt

Schnelles Internet wird zum Umzugs-Kriterium

Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnisgrüne) zeigte sich beim Vor-Ort-Termin erfreut: „Diese Investition stärkt die Landeshauptstadt als Wirtschaftsstandort“, betonte er. Schnelle Datenleitungen seien heute für viele Menschen entscheidend für die Frage, wohin sie ziehen.

Telekom zieht Glasfasern bis in die Wohnung

Weil Striesen ein Zuzugsgebiet ist, hatte auch die Deutsche Telekom in jüngster Vergangenheit zweistellige Millionenbeträge investiert, um hier modernste Glasfaser-Technik zu installieren. Bei der Telekom-Lösung „Fiber to the Home“ (FTTH) verlegen die Installateure die Glasfasern sogar bis in die Wohnungen hinein, um hohes Surftempo zu sichern.

Glasfaser-Verteiler-Kasten von Vodafone an der Eisenacher Straße in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Glasfaser-Verteiler-Kasten von Vodafone an der Eisenacher Straße in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Vodafone setzt auf Hybrid-Netze

Vodafone dagegen setzt die Hybrid-Lösung mit Glasfasern bis zu den Verteilerkästen an den Straßenrändern, während die letzten Meter bis in die Wohnung durch Koax- beziehungsweise klassische Kupferleitungen überbrückt werden. testweise habe man bereits den Nachweis geschafft, dass sich über solche Hybrid-Netze Datenraten bis zu 20 Gigabit je Sekunde (Gbs) erzielen lassen, sagte Vodafone-Manager Jörg Süptitz. „Und ich persönlich glaube: Da ist noch mehr drin.“

Der Opalfluch der Bundespost wirkt bis heute

Von solchen Raten kann das Gros der Nutzer aber erstmal nur träumen. Immer noch haben beispielsweise viele Dresdner keinen schnellen Netzzugang, weil sie in „Opal-Vierteln“ wohnen. Dort hatte die Bundespost nach der Wende eine spezielle Version von Glasfasertechnik verlegt, die sich als technologische Sackgasse erwies. Diese überholten Opal-Netze will die Telekom bis Ende 2016 abschalten. Dies setzt wiederum Vodafone unter Druck. Denn der britische Telekommunikations-Konzern hatte bisher von der Telekom in mehreren Stadtteilen Opalleitungen angemietet, um dort wenigstens Telefondienste anbieten zu können.

Vodafone unter Zugzwang: Telekom schaltet Opal Ende 2016 ab

Daher baut Vodafone seit Ende in Striesen, Briesnitz, Löbtau, Kaditz, Strehlen, Leuben und Übigau ein eigenes Hybrid-Netzwerk aus Glasfasern und Koax-Kabeln auf, das die angemieteten Opalleitungen ablöst. Von daher erklären sich auch die Gräben und Löcher in vielen Fußwegen: Arbeiter heben die Gruben im Abstand von maximal 300 Metern aus. Zwischen diesen Gruben verlegen sie dann mit Spezialbohrern unterirdische Rohre, durch die sie schließlich Glasfaser- und Koaxialkabel ziehen.

Teilweise baggern die Arbeiter schmale Gräben in die Fußwege, um die Glasfasern zu verlegen. Wo es aber geht, verwenden sie das Baum-schonende Bohrspülverfahren. Dabei graben sie nur Löcher und bohren die Rohrunnel dann unterirdisch mit Spezialbohrern. Foto: Heiko Weckbrodt

Teilweise baggern die Arbeiter schmale Gräben in die Fußwege, um die Glasfasern zu verlegen. Wo es aber geht, verwenden sie das Baum-schonende Bohrspülverfahren. Dabei graben sie nur Löcher und bohren die Rohrunnel dann unterirdisch mit Spezialbohrern. Foto: Heiko Weckbrodt

Bohrspülverfahren soll Bäume schonen

Dieses sogenannte „Bohrspülverfahren“ hat es dem grünen Baubürgermeister besonders angetan: Das schone den Baumbestand und auch die Nerven der Anwohner, ist Schmidt-Lamontain überzeugt.

Des Bürgermeisters Optimismus teilt indes nicht jeder Striesener: Angelockt von Baulärm, wichtig aussehenden Schlipsträgern und vom Pressetross pirschten sich am Freitagvormittag rasch die ersten Passanten zu einer improvisierten Bürgersprechstunde heran. Ein betagter Dresdner mit Hund brachte die Sorgen der Senioren wohl auf den Punkt – und die drehen sich weniger um Gigabits und Glasfasern, sondern um ganz pragmatische Dinge: „Hoffentlich machen die hier am Ende auch den Dreck weg und bringen die Fußwege in Ordnung.“

375 Mbs per LTE-Funk erreicht

Insgesamt sind 225.000 Haushalte an Vodafone-Kabelnetze technisch angeschlossen, teilweise auch über das von Vodafone geschluckte TV-Kabel-Unternehmen „Kabel Deutschland“. Wieviele davon tatsächlich auch Vodafone-Kunden sind, wollte das Unternehmen nicht verraten. Auch jenseits der Kabel bietet Vodafone inzwischen auch sehr breitbandige Funklösungen in der sächsischen Landeshauptstadt an: An ausgewählten Mobilfunk-Stationen – darunter Striesen -ist seit kurzem eine „aufgebohrte“ Version des LTE-Datenstandards online, die Downloads mit bis zu 375 Mbs erlaubt.

Autor: Heiko Weckbrodt

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