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C-Cube: Weltweit erstes Carbonbeton-Haus entsteht in Dresden

Dieser Pavillon in Kahla in Thüringen demonstriert, welch interessante und leichte Bauformen durch Dresdner Carbonbeton möglich sind. Foto: Ulrich van Stipriaan, TUD

Dieser Pavillon in Kahla in Thüringen demonstriert, welch interessante und leichte Bauformen durch Dresdner Carbonbeton möglich sind. Foto: Ulrich van Stipriaan, TUD

Stararchitekt Henn entwirft mit

Dresden, 5. Oktober 2016. Bauingenieure der TU Dresden wollen in der sächsischen Landeshauptstadt das weltweit erste Carbonbeton-Haus bauen. Das haben die Bauexperten auf der Immobilienmesse „Expo Real“ in München angekündigt. Damit möchten sie den Beweis antreten, dass ihr kohlenstofffaser-verstärkter Leichtbaustoff praxistauglich ist und neue architektonische Konstruktionsprinzipien möglich macht. Am Entwurf arbeitet auch Stararchitekt Gunther Henn mit, der in Dresden bereits die Gläserne VW-Manufaktur formte.

Kohlenstoff-Haus soll „optischer Blickfang“ für TU-Campus sein

Das „C-Cube“ entsteht voraussichtlich 2019 auf dem Uni-Campus. Mehrere Standorte stehen zur Debatte, aber der Fritz-Förster-Platz – und damit ein besonders prominenter Ort – ist inzwischen in der engeren Wahl. Obwohl „Cube“ genannt, soll das Kohlenstoff-Haus mehr sein als ein bloßer Kubus: „Das wird ein sehr sehenswerter Entwurf, ein optischer Blickfang, der für die Uni wirbt“, versprach Prof. Manfred Curbach von der TU Dresden. Allerdings stehe alle dies noch unter dem Vorbehalt, dass der Bund die erwünschten Fördergelder tatsächlich bewilligt.

Bau kostet reichlich 5 Millionen Euro

Ab 2020 soll die Uni das – voaussichtlich zweigeschossige – Leichtbau-Haus als Bürogebäude und Versuchsstand nutzen können. Das TU-geführte Konsortium “C³ – Carbon Concrete Composite“ kalkuliert mit Kosten von reichlich fünf Millionen Euro. Knapp vier Millionen Euro wollen sie vom Bundesforschungsministerium als Förderung für ihre innovativen Baukonzepte einwerben.

Prof. Manfred Curbach. Foto: TUD

Prof. Manfred Curbach. Foto: TU Dresden

Prof. Curbach: „Musterbeispiel für filigranes Bauen“

„Das C-Cube soll die Eigenschaften von Carbonbeton veranschaulichen und ein Musterbeispiel für filigranes, leichtes und schlankes Bauen sein“, betonte C³-Vorstandvorsitzender Prof. Manfred Curbach, der das Institut für Massivbau an der TU Dresden leitet.

Zum Beweis haben die Forscher große Lasten auf die Kohlenstoff-Hocker gestapelt. Foto: IPF

Kohlenstoff-Hocker können immense Lasten tragen. Foto: IPF

Kohlefasern rosten nicht: Neuer Leichtbaustoff soll Gebäude langlebiger und anmutiger machen

Denn anders als beim Stahlbeton wird Carbonbeton nicht mit rostanfälligem schweren Stahl verstärkt, sondern mit vernetzten Kohlenstoff-Fasern. Das Baumaterial ist dadurch einerseits langlebiger, erlaubt aber auch neue Bauweisen mit dünneren Wänden. Laut Konsortial-Angaben ist die Carbon-Variante viermal leichter und sechsmal tragfähiger als Stahlbeton – und inzwischen auch nicht mehr teurer, wenn man die Materialersparnis einrechnet.

Tausende neue Jobs winken

Setzt sich der Carbonbeton durch, könnten 1000 bis 3000 neue Jobs in der nächsten Dekade entstehen, schätzen die C³-Experten. Diese Arbeitsplätze könnten in der regionalen Bauwirtschaft, aber auch in der Zulieferindustrie wachsen.

Die mit organische Solarfolien verkleidete Ostfassade bei Heliatek Dresden. Foto: Heliatek

Die mit organische Solarfolien verkleidete Ostfassade bei Heliatek Dresden. Foto: Heliatek

Wolkenkratzer werden zu Energiesammlern

Die Zukunft des Bauens dominiert auch andere Exponate, mit denen sich Dresden auf der „Expo Real“ präsentiert. Dazu gehören beispielsweise die dünnen, biegsamen und durchsichtigen Organik-Solarfolien von Heliatek. Mit denen wollen die Sachsen ganze Wolkenkratzer-Fassaden überziehen. Die Vision: Durch diese großflächige Verkleidung sollen Hochhäuser in Zukunft soviel Sonnenergie tanken können, dass sie keine Stromzufuhr von außen mehr brauchen.

Nachfrage für Wohnraum wächst in Dresden

Dresden will auf der Baumesse aber auch Wohnbau-Investoren anlocken: Durch Zuzug und Baby-Boom wachsen die Einwohnerschaft und damit auch der Wohnraumbedarf. “Aktuell liegt der Bedarf bei 2500 Wohnungen pro Jahr“, informierte Bau-Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnisgrüne). Autor: Heiko Weckbrodt

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