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Forschung und ihre gesellschaftliche Dividende

Direktor Burkard Hillebrands vor der Helium-Anlage des IFW Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Direktor Burkard Hillebrands vor der Helium-Anlage des IFW Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Der neue Direktor Prof. Hillebrands will das IFW Dresden zum führenden Materialforschungs-Institut in Deutschland machen

Der Physiker Prof. Burkard Hillebrands ist der neue wissenschaftliche Direktor im Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden. Er löst Interims-Direktor Prof. Manfred Hennecke ab, der in den Ruhestand geht. Hillebrands will das IFW zum deutschlandweit führenden Institut für Materialforschung machen, kündigte der 59-Jährige im Interview an. DNN-Mitarbeiter Heiko Weckbrodt hat ihn kurz vor dem offiziellen Amtswechsel am 4. Okober über seine Motive und Pläne ausgefragt.

Warum haben Sie sich für Dresden entschieden?

Prof. Hillebrands: Dresden ist eine hochinteressante Stadt und zusammen mit Berlin und München einer der drei führenden Wissenschaftsstandorte in Deutschland, an denen Forschung auf höchstem Niveau betrieben wird. Und es gibt hier eine enorm hohe Dichte exzellenter Wissenschaftler.

Apropos: Wie schätzen Sie die wissenschaftliche Position des IFW derzeit ein?

Prof. Hillebrands: Hervorragend. Das Institut arbeitet wissenschaftliche auf allerhöchstem Niveau.

Welche zentrale Aufgaben haben Sie sich in Ihrem neuen Job gestellt?

Prof. Hillebrands: Ich will dem Haus eine Zukunftsvision geben. Das geht aber nicht top-down, das kann nicht von oben verordnet werden. Das Wertvollste, was wir hier haben, sind die Mitarbeiter und die sollen das Haus als das ihrige empfinden. Sie sollen selbst zu einer gemeinsamen Zukunftsvision finden – ich sehe mich da eher als Moderator.

Aber sie werden doch auch eigene Vorstellungen habe, wohin sie das IFW führen wollen…?!

Prof. Hillebrands: Das Haus soll in zehn Jahren das führende Institut für Materialforschung in Deutschland sein. Und es soll seine Verantwortung in der Stadt, im Land und in der Leibniz-Gemeinschaft wahrnehmen.

Was meinen sie damit?

Prof. Hillebrands: Dresden ist ein Wissenschaftsstandort, der in die Welt ausstrahlen will, der großes Ansehen haben will. Die Erfahrung zeigt, dass wissenschaftliche Qualität, Ansehen und auch Fördermittel eng miteinander zusammenhängen. Das IFW ist da ein wichtiger Baustein, auch für die Exzellenzinitiative der TU. Wir wollen unseren Beitrag leisten, den Standort zu stärken.

Die schwebende Supraleit-Modelleisenbahn soll demonstrieren, wozu die Technologie im stande ist: Einmal angestoßen, bewegen sich die Bahnen wie von Geisterhand weiter, bis sie vom Luftwiderstand gebremst werden. Foto: IFW Dresden

Diese schwebende Supraleit-Modelleisenbahn soll demonstrieren, wozu die Technologie imstande ist: Einmal angestoßen, bewegen sich die Bahnen wie von Geisterhand weiter, bis sie vom Luftwiderstand gebremst werden. Foto: IFW Dresden

Wer sich auf der IFW-Internetseite herumstöbert, trifft auf „topologische Isolatoren“, auf Thermoelektrika, „korrelierte Materalien“, Supraleiter und andere Begriffe, die dem Laien wie böhmische Dörfer anmuten mögen. Wozu ist das alles gut?

Prof. Hillebrands: Einiges davon steckt noch ganz in der Theorie oder in der Grundlagenforschung, anderes lässt schon bald eine gesellschaftliche Dividende erwarten. Topologische Isolatoren zum Beispiel können in Zukunft zu neuen Informationstechnologien führen, Supraleiter zu sehr produktiven Spinnmaschinen, anderes zu medizinischen Nanomotoren oder zu Sensoren, die ihren Strombedarf aus Temperaturunterschieden in der Umwelt decken.

Animation: SLAC


Sie gelten als Experte für Magnone. Ich nehme mal an, das hat nichts mit Blumen zu tun. Können Sie einem Laien erklären, was Sie da eigentlich machen?

Prof. Hillebrands: Stellen Sie sich ein Kornfeld vor, über das der Wind streicht. Von oben sehen Sie dann eine Welle, die sich von Ähre zu Ähre fortpflanzt. Ähnliche Wellen gibt es auch in der Welt der Atome. Nur sind die Ähren dort magnetische Momente, sogenannte Spins. Der Wind kann hier zum Beispiel ein Magnetfeld sein, das wir von außen anlegen. Dadurch geraten die magnetischen Momente ins Taumeln, übertragen diese Taumelbewegung auf den nächsten Spin, der wieder an den nächsten und so fort – und so entstehen Spinwellen. Das kleinste Energie-Päckchen solch einer Spin-Welle ist ein Magnon, wie beim Licht, das aus einzelnen Photonen besteht. Und ähnlich wie beim Licht ist es vorstellbar, auch Spinwellen für neuartige Computer einzusetzen, die schneller sind als heutige Rechner und keine Energie mehr als Abwärme vergeuden.

Aha. Und wann kann ich so einen Spinwellen-Computer kaufen?

Prof. Hillebrands: Das kann noch einige Jahre dauern und vielleicht stellt sich die ganze Idee auch als ein Irrweg heraus. So ist das nun mal in der Forschung.

Blick in den neuen Leibniz-Bau. Foto: IFW

Blick in den neuen Leibniz-Bau des IFW Dresden. Foto: IFW

Kurzbiografie Burkard Hillebrands

Burkard Hillebrands, geboren 1957, gilt als Experte für Magnetismus. Er studierte Physik in Köln, forschte u. a. an der University of Arizona (USA) und der RWTH Aachen. Seit 1995 ist er Professor an der Uni Kaiserslautern. Seit dem Sommer 2016 ist er parallel dazu Wissenschaftlicher Direktor des IFW Dresden.

Interview: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Das IFW Dresden im Kurzporträt

 

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