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Dresdner Sattlermeister entwickelt 3D-Scanner für Pferd und Reiter

Sattler 2.0: Statt das Pferd in Holz nachzubauen, hat Thomas Büttner einen 3D-Scanner erfunden, den er mit einer Schablonenmaschine koppelt. Foto: Heiko Weckbrodt

Sattler 2.0: Statt das Pferd in Holz nachzubauen, hat Thomas Büttner einen 3D-Scanner erfunden, den er mit einer Schablonenmaschine koppelt. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresden, 15. September 2016. Mit seinem Pferde-Scanner hat der Dresdner Sattlermeister Thomas Büttner etwas erfunden, das in der Zunft großen Anklang findet: Reiter, Paralympics-Sportler und Sattler nutzen weltweit seine Technologie, um schnell bequemere Sättel zu kreieren.

Computermodell kann über Kontinente hinweg zu Sattlereien versandt werden

Das Prinzip ist so einfach, dass die ersten Schritte auch Angelernte schaffen: Sie befestigen Farbpunkte auf dem Pferderücken, damit der Computer die Muskeln erkennen kann – eine Technik aus der Filmindustrie. Der Nutzer hält darüber Büttners Sensorgerät, das ein 3D-Computermodell des Pferderückens generiert. Diese Daten können dann über Kontinente hinweg in Sattlereien übertragen werden. Dort bildet eine digital steuerbare Schablonen-Maschine mit beweglichen Stahlstäben den Rücken nach und die Sattler können loslegen. Die Formnahme verkürzt sich so von 26 Minuten auf 30 Sekunden und ist selbst aus der Ferne möglich. Das heißt, die Sattler müssen nicht mehr wie früher teils über Hunderte Kilometer anreisen, um die Maße des Pferdes abzunehmen.

Sattlermeister und Metallbauer Thomas Büttner (Mitte) erklärt handwerkskammer-Präsident Jörg Dietrich (rechts) und Amtsleiter Robert Franke von der städtischen Wirtschaftsförderung, wie das Computermodell des Pferderückens auf seine Schablonenmaschine übertragen wird, damit seine Leute einen passgenauen Sattel herstellen können. Foto: heiko Weckbrodt

Sattlermeister und Metallbauer Thomas Büttner (Mitte) erklärt handwerkskammer-Präsident Jörg Dietrich (rechts) und Amtsleiter Robert Franke von der städtischen Wirtschaftsförderung, wie das Computermodell des Pferderückens auf seine Schablonenmaschine übertragen wird, damit seine Leute einen passgenauen Sattel herstellen können. Foto: heiko Weckbrodt

Büttner will Sättel künftig mit Drucksensoren spicken

Der Erfinder arbeitet nun mit der TU Dresdenund dem Moritzburger Gestüt an Weiterentwicklungen: An Sätteln mit integrierten Drucksensoren, die den Reiter warnen, wenn sich der Sattel zu sehr verformt hat, und an Hochgeschwindigkeits-Aufnahmen von Pferden im vollen rennen. Dank dieser Bewegungs-Daten sollen die Sättel passgenauer werden. „85 Prozent der Reiter haben verklemmte Sättel“, schätzt Thomas Büttner. Das Marktpotenzial ist also groß.

Nicht nur Digitalisierung, sondern auch ganz bodenständiges Handwerk wird in der Attlerei Büttner hochgehalten: Sattlerin Katharina Otte baut hier gerade einen Sattel zusammen. Foto: Heiko Weckbrodt

Nicht nur Digitalisierung, sondern auch ganz bodenständiges Handwerk wird in der Sattlerei Büttner hochgehalten: Katharina Otte baut hier gerade einen Sattel zusammen. Foto: Heiko Weckbrodt

Wie aus „Game of Thrones“: Gelähmte Sportlerin reitet mit Büttner-Sattel

Bei den Paralympics in Rio zum Beispiel verwendet eine gelähmte Reitsportlerin aus Prag einen Sattel, der mit der Dresdner Technologie an ihre Bedürfnisse angepasst wurde. Die 18-Jährige habe einen besonders geformten Sattel bekommen, der ihren Körper stabilisiert, so dass sie sich ohne Überlastung auf dem Pferd halten kann, erzählt Büttner von einem Beispiel, das faszinierend an eine ähnliche Episode aus der Serie „Game of Thrones“ erinnert: Dort hatte der Zwerg Tyrion dem gelähmten Bran Stark geraten, sich eben solch einen Körperform-Sattel zuzulegen, um wieder reiten zu können…

Autor: Heiko Weckbrodt

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