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1 Bundes-Milliarde für deutsche Mikroelektronik

Montage: Alexander Eylert

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Ex-Minister Jurk: Großteil wird nach Sachsen fließen

Berlin/Dresden, 11. September 2016. Eine Milliarde Euro für Investitionen in die Mikroelektronik sind im Etat des Bundeswirtschaftsministeriums für die Jahre 2017 bis 2020 vorgesehen. Darauf hat mit Blick auf die entsprechenden Beratungen des Bundestages der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk hingewiesen, der dies auch als Verdienst seiner Fraktion wertet. „Ein großer Teil dieser Fördermittel wird voraussichtlich nach Sachsen fließen und damit einen wichtigen Beitrag für die künftige Entwicklung des Mikroelektronikclusters Dresden leisten“, betonte der frühere sächsische Wirtschaftsminister. Die Haushaltsberatungen des Bundestags sind aber noch nicht abgeschlossen.

Thomas Jurk. Foto: PR

Thomas Jurk. Foto: PR

IPCEI-Etikett soll besondere Mikroelektronik-Förderung ermöglichen

„Das Programm soll 2017 gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedsstaaten als ,Wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse’ (IPCEI) starten und in den folgenden Jahren Investitionen in Deutschland in Höhe von mindestens 3,3 Milliarden Euro auslösen“, hatte das Bundeswirtschaftsministerium im Vorfeld erklärt. Indem sie solche Projekte zu Vorhaben besonderer Wichtigkeit aufwerten, versuchen EU und Mitgliedsländer auf diese Art inzwischen, die eigenen Regeln für Subventions-Obergrenzen etwas aufzuweichen. Denn die haben sich immer mehr als selbstangelegte Fußfesseln erwiesen – vor allem angesichts der teils erheblichen staatlichen Beihilfen für die Mikroelektronik, die in den USA, in China, Taiwan und Südkorea direkt und indirekt fließen, wenn dort Halbleiterunternehmen investieren.

Schlüsseltechnologie für Industrie 4.0

Jurk verwies auf die Schlüsselrolle der Halbleiterindustrie als Schlüsseltechnologie-Träger für die gesamte Wirtschaft: „Die Mikroelektronik ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung der Wirtschaft und von Industrie 4.0. Viele Innovationen in Schlüsselbranchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Elektroindustrie, Automobilbau oder erneuerbare Energien sind nur durch weitere Neuentwicklungen in der Mikroelektronik möglich.“ Autor: Heiko Weckbrodt

 

Kommentar: Die Milliarde hätte damals auch Qimonda gut brauchen können

Man muss aber wohl auch daran erinnern, dass es 2008/2009 die von Jurk als Minister mitgestützte Schwarz-Rot-Koalition im Freistaat Sachsen war, die sich dagegen entschieden hatte, den defizitären Halbleiter-Konzern Qimonda aus der Chipkrise zu retten. Damals gingen durch die Qimonda-Pleite Tausende Arbeitsplätze in und um Dresden verloren. Seitdem agiert nur noch Globalfoundries am Standort in der Spitzenliga der modernsten Chiptechnologien mit.

Autor: Heiko Weckbrodt

3 Kommentare

  1. Bernd Junghans sagt

    Schwarz-Grün hätte das Desaster auch nicht verhindert. Zu groß war und ist der Flurschaden, den die FDP mit ihrer neoliberalen Ideologie in den Köpfen unserer Politiker angerichtet hat. – bin weit in die SPD und Grünen hinein.

  2. Bernd Junghans sagt

    Zu zaghaft
    Jeder, der erkannt hat, wie fundamental die Mikroelektronikindustrie für das Gelingen der digitalen Revolution und damit der Sicherung des Lebensstandards in Europa ist, wird sich über jede politische Unterstützung dieser Schlüsseltechnologie freuen. Der aktuelle Ansatz sieht aber wieder sehr zaghaft aus. Für die Sicherung des Anschlusses der europäischen Mikroelektronik-Industrie an den Welt-Spitzenstand kommt das Geld zu spät (im Falle einer solchen Unterstützung von Qimonda durch Herrn Jurk wäre das Geld noch rechtzeitig und ausreichend gewesen). Es steht zu befürchten, dass diese Milliarde lediglich für den notwendigsten Reparaturbetrieb eingesetzt wird, um das völlige Abgleiten der europäischen Mikroelektronik in die Bedeutungslosigkeit zu bremsen. Wie Herr Jurk erst kürzlich mitteilte, sollen 250 Million€ aus dieser Förderung dafür ausgegeben, um GlobalFoundries in Dresden zu helfen, den Rückstand von 3 Technologiegenerationen zur Weltspitze auf 2 Generationen zu verkürzen. Einen Vorschlag von Experten aus Wissenschaft und Praxis , ausgearbeitet unter Leitung des Leibniz-Institutes für interdisziplinäre Studien vor reichlich einem Jahr, der einen Weg für den Anschluss Europas an die Weltspitze aufzeigt, hat der SPD-Wirtschaftsminister von Sachsen mit dem Hinweis ablehnen lassen, dass der Vorschlag „ordnungspolitisch bedenklich“ sei, als nicht den Beifall der FDP finden würde.

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