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Trauer um Praktica-Konstrukteur Böhm

Praktica-Konstrukteur Siegfried Böhm (Mitte) mit Laborleiter Werner Kühnel (links) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Gerhard Jehmlich erproben eine Praktina, etwa im Jahr 1953. Foto: Privatarchiv, aus: Gerhard Jehmlich: Der VEB Pentacon Dresden

Praktica-Konstrukteur Siegfried Böhm (Mitte) mit Laborleiter Werner
Kühnel (links) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Gerhard Jehmlich
erproben eine Praktina, etwa im Jahr 1953. Foto: Privatarchiv, aus:
Gerhard Jehmlich: Der VEB Pentacon Dresden

Ingenieur starb kurz nach seinem 95. Geburtstag in Dresden

Dresden, 25. August 2016. Siegfried Böhm (1921-2016), der Konstrukteur der legendären Spiegelreflexkamera „Praktica“ ist tot: Er starb am 23. Juli 2016, kurz nach seinem 95. Geburtstag, in Dresden. Das haben die Technischen Sammlungen Dresden (TSD) mitgeteilt. Für den Freitag ist eine Trauerfeier geplant.

„Integrationsfigur der Kamera – und Kinoindustrie der DDR“

Mit Böhms Kameras arbeiteten zu DDR-Zeiten Hunderttausende Hobby- und Profi-Fotografen. Er sei eine „Integrationsfigur der Kamera – und Kinoindustrie der DDR“ gewesen, schätzten TSD-Kustos Dr. Andreas Krase und der Dresdner Fototechnik-Historiker Dr. Gerhard Jehmlich ein. „Mit Böhm ist der letzte namhafte Zeitzeuge und Vertreter der Tradition der Dresdner Fotoindustrie verstorben, der noch über die 1930er und 1940er Jahre berichten konnte – und persönlich für diese Tradition stand“, betonte Andreas Krase.

Praktica, Modell von ca. 1965, Foto aus: Gerhard Jehmlich: Der VEB Pentacon Dresden

Praktica, Modell von ca. 1965, Foto aus:
Gerhard Jehmlich: Der VEB Pentacon Dresden

Techniker per Abendstudium

Siegfried Böhm wurde am 18. Juli 1921 in Witschdorf im Erzgebirge geboren, besuchte dort auch die Volksschule. Er arbeitete ab 1939 als Konstrukteur im Dresdner Fototechnik-Unternehmen Zeiss Ikon AG und schloss ein Abendstudium an der Technischen Lehranstalt Dresden als Techniker ab. Nach dem Krieg war er zunächst in den Kamerawerkstätten Niedersedlitz tätig. Dort entwickelte er aus Vorgängermodellen die wegweisende Spiegelreflexkamera „Practica“.

Das "Cool Silicon"-Wissenschaftszentrum zieht 2013 in die ehemaligen Ernemann-Werke ein, die heute die Technischen Sammlungen Dresden beherbergen. Abb.: hw

In einem Teil der früheren Pentacon-Werke sitzen heute die Technischen Sammlungen in Dresden-Striesen. Foto.: hw

Ab den 1960er Jahren legte die DDR-Wirtschaftsführung immer mehr Fototechnik-Betriebe im Raum Dresden zum VEB Kamera- und Kinowerke Dresden (KKWD) zusammen, ab 1963 entstand der VEB Pentacon. Dort war Böhm bis 1981 Technikdirektor. Ab 1982 arbeitete Siegfried Böhm bis Ende 1988 als Sonderbeauftragter des Generaldirektors Dr. Ulrich Schönemann unter anderem für das Produktionsprogramm des VEB Kamerafabrik Freital.

Siegfried Böhm im Jahr 2003 mit einer Praktiflex. Foto: Gerd Jehmlich

Siegfried Böhm im Jahr 2003 mit einer Praktiflex. Foto: Gerd Jehmlich

Mehrfach ausgezeichnet

„Für seine Verdienste zur Entwicklung der Foto – und Kinoindustrie der DDR erhielt Siegfried Böhm bereits 1962 den Titel eines Oberingenieurs, wurde 1971 als ,Verdienter Techniker des Volkes’ ausgezeichnet und erhielt 1973 für seinen Beitrag zur Entwicklung und Produktion des Mikrofilmsystems ,Pentakta’ den Nationalpreis für Wissenschaft und Technik II. Klasse der DDR im Kollektiv“, heißt es in einer Würdigung von Jehmlich und Krase. „Auch nach dem Übergang in den beruflichen Ruhestand blieb Siegfried Böhm als Zeitzeuge und Ratgeber aktiv.“

Zum Weiterlesen:

Dr. Gerhard Jehmlich: „Der VEB Pentacon Dresden. Geschichte der Dresdner Kamera- und Kinoindustrie nach 1945“, Dresden 2009

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