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Ifo Dresden fordert aktivere Wirtschaftspolitik in Ostdeutschland

Susann Hirschberg und Marcel Kowallik bei der Entkontrolle am 5.000.000sten Volkswagen aus Sachsen im Werk Zwickau. Foto: Volkswagen

Susann Hirschberg und Marcel Kowallik bei der Entkontrolle am 5.000.000sten Volkswagen aus Sachsen im Werk Zwickau. Foto: Volkswagen

Forscher: Sonst schafft Osten niemals den Anschluss

Dresden, 24. August 2016. Für eine aktivere Wirtschafts- und Technologietransfer-Förderung in Ostdeutschland hat der Wirtschaftsforscher Prof. Joachim Ragnitz vom „ifo“-Institut in Dresden plädiert. Andernfalls werde in überschaubarer Zukunft wohl nur Sachsen und Brandenburg der Anschluss an das gesamtdeutsche Wirtschaftsniveau gelingen.

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Joachim Ragnitz ist Stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Derzeit haben nur Sachsen und Brandenburg Chancen

Das jahresdurchschnittliche Wachstum im Zeitraum 2015 bis 2030 werde voraussichtlich nur in Sachsen und Brandenburg in etwa den gesamtdeutschen Durchschnitt erreichen“, schätzte Ragnitz ein. „Die übrigen Länder müssen hingegen mit teilweise äußerst niedrigen Wachstumsraten rechnen.“

Mehr „Investitionen in die Köpfe“

Als wirtschaftspolitische Instrumente empfiehlt der Professor „Investitionen in die Köpfe“, vor allem in kleineren und mittleren ostdeutschen Unternehmen. So sollte die öffentliche Hand beispielsweise Beratungen für Unternehmen, neue Exportlinien, Firmen-Kooperationen sowie der Technologietransfer von Hochschulen in die Wirtschaft besser und vor allem auch professioneller fördern.

Aufholprozess erstarrt

Das ifo Dresden hatte in jüngster Zeit mehrfach davor gewarnt, dass der wirtschaftliche Aufholprozess des Ostens nahezu auf der Stelle trete. Wachse die ostdeutsche Wirtschaft weiter so schwach, werde Ostdeutschland nie oder erst nach Jahrzehnten die Produktivität, Wirtschaftskraft und damit letztlich auch die Steuereinnahmen und finanziellen Spielräume der westdeutschen Länder erreichen. hw

1 Kommentare

  1. Bernd Junghans sagt

    Wirtschaftsministerium im Tiefschlaf
    Die Überschrift zu diesem Beitrag suggeriert, dass es eine Wirtschaftspolitik in Ostdeuschland gibt. Das Geheimnis insbesondere der sächsischen Wirtschaftspoitik ist aber, dass es sie gar nicht gibt. Was es nicht gibt, kann man auch nicht zu Aktivitäten herauslocken. Wobei eine intensivere Beratung kleiner Unternehmen nicht wirklich eine revolutionär aktive Wirtschaftspolitik ist.
    Aktive, visionäre Wirtschaftspolitik wurde in Sachsen nach der Wende durch den damaligen Ministerpräsidenten Biedenkopf und seinen agilen Wirtschaftsminister Schommer betrieben. Ein markantes Beispiel: Aus den Resten der einstigen Mikroelektronikhochburg Dresden formte die Regierung unmittelbar nach der Gründung des Freistaates durch eine aktive Wirtschaftspolitik ein weltweit beachtetes Zentrum der Mikroelektronikforschung UND -produktion. Heute verwaltet das Wirtschaftministerium recht und schlecht den schleichenden Verfall dieses einstigen wissenschaftlich-industriellen Leuchtturms von europäischer Bedeutung. Konzeptionen, wie durch kluge politische Führung Dresden wieder den Anschluss an die internationale Spitze ohne große Staatsinvestitionen schaffen kann, liegen vor, werden aber aus neoliberalen Ängsten als „ordnungspolitisch bedenklich“ vom Wirtschaftsminister abgelehnt. Was soll man da aktivieren?

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