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Andrang zur Industrienacht Dresden

Silvia Kretschmar von Plasticard ZFT zeigt den Industrienacht-Besuchern, aus wie vielen Schichten Chipkarten laminiert werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Silvia Kretschmar von Plasticard ZFT zeigt den Industrienacht-Besuchern, aus wie vielen Schichten Chipkarten laminiert werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Chipkarten, Softwareschmieden, Kolbenringe: Über 1000 angemeldete Besucher besichtigten 23 Unternehmen

Dresden, 23. Juni 2016. Zwei Dutzend Elektronikfabriken, Software-Schmieden und andere Unternehmen in und um Dresden haben am Donnerstag ihre Werktore für die „5. Lange Nacht der Industrie“ geöffnet – und über 1000 Neugierige folgten bei hochsommerlichen Abendtemperaturen jenseits der 30 Grad dieser Einladung. Sie informierten sich über Karriere- und Ausbildungs-Chancen in Dresdner Betrieben und erlebten hautnah, wie Hochtechnologie entsteht.

Große Nachfrage für begrenzte Plätze

„Die Industrie in und um Dresden ist weitaus abwechslungsreicher und spannender, als es sich die meisten Besucher vorstellen konnten“, meinte Personal-Bürgermeister Peter Lames (SPD) zum Auftakt auf dem Theaterplatz. „Die große Nachfrage nach den raren Plätzen zeigt das ungebrochene Interesse, hinter die Kulissen der regionalen Betriebe schauen zu wollen“, ergänzte Präsident Günter Bruntsch von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden, die die Industrienacht bereits zum fünften Mal gemeinsam mit der Stadt Dresden und der Agentur „prima events“ ausrichtet. „Für die Unternehmen gibt es kaum eine bessere Chance, sich den Dresdnern, vielleicht aber auch ihren Azubis und Mitarbeitern von morgen, als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.“

Auftakt zur Industrienacht auf dem Theaterplatz in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Start in die Industrienacht auf dem Theaterplatz in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Industrienacht ist längst nicht mehr nur in Dresden

Gewachsen ist über die Jahre nicht nur die Besucherresonanz auf die Industrienacht, sondern auch der Kreis der Betriebe, die mitmachen. Ein Teil der 13 Touren führte diesmal bis nach Riesa, Radeberg und Schmiedeberg.

Susann Wiesner bei der Qualitätskontrolle von fertigen Kolbenringen bei "Federal Mogul". Foto: Heiko Weckbrodt

Susann Wiesner bei der Qualitätskontrolle von fertigen Kolbenringen bei „Federal Mogul“.
Foto: Heiko Weckbrodt

„Federal-Mogul“: Kolbenringe für ein ganzes Brummi-Leben

Die Fachleute vom Maschinenbau-Unternehmen „Federal-Mogul“ im Dresdner Norden zeigten den wissbegierigen Gästen beispielsweise, wie ultrapräzise Kolbenringe gestanzt, gebohrt und immer wieder poliert werden müssen, damit diese kleinen, aber wichtigen Motorteile ein ganzes Lkw-Leben lang halten – etwa eine Million Fahrkilometer weit also.

Ingenieur Wolfgang Hörnig zeigt den Industrienacht-Gästen in der "federal Mogul"-Fabrik im Dresdner Industriegelände Nord, dass Kolbenringe für Lkw-Motoren heutzutage an die 40 Arbeitsschritte an vielen Maschinen durchlaufen, damit sich eine Million Kilometer lang halten. Foto: Heiko Weckbrodt

Ingenieur Wolfgang Hörnig zeigt den Industrienacht-Gästen in der „Federal Mogul“-Fabrik im Dresdner Industriegelände Nord, dass Kolbenringe für Lkw-Motoren heutzutage an die 40 Arbeitsschritte an vielen Maschinen durchlaufen, damit sich eine Million Fahrzeug-Kilometer lang halten. Foto: Heiko Weckbrodt

Plasticard-ZFT: Die Zukunft der Chipkarten

Beim Chipkarten-Entwickler Plasticard-ZFT in Dresden-Löbtau konnten die Besucher schon mal in die Zukunft schauen und sehen, welche raffinierten Funktionen die digitalen Kundenkarten von Morgen haben sollen – die DNN wird darüber noch ausführlicher berichten.

Eine Plasticard-Mitarbeiterin setzt die hauchdünnen Antennenschichten auf die Chipkarten-Bögen auf. Foto: Heiko Weckbrodt

Eine Plasticard-Mitarbeiterin setzt die hauchdünnen Antennenschichten auf die Chipkarten-Bögen auf. Foto: Heiko Weckbrodt

Besucher-Resonanz:

Und bei den Industrienacht-Flaneuren kam dies gut an: „Sehr interessant“ fand Peter Schobert die Tour zur Kolbenring-Fabrik und zu Plasticard. „Meine Frau und ich, wir sind Mathe- und Physik-Lehrer. Wir wollen vielleicht etwas von dem, was wir heute besichtigen, in den Unterricht einbauen.“ Andere wie Tilman Neubert stießen auf Rat von Freunden dazu. „Einer aus meiner Fußballmannschaft hat erzählt, wie interessant die Industrienächte sind“, sagte er. „Und für mich als Wirtschaftsingenieur-Student lohnt sich das sicher mal anzugucken.“

Persönliche Motive für die industrielle Stippvisite hatten die Blankenhagens: „Wir wollen mal die Firma kennenlernen, in der unser Sohn arbeitet – und sehen ob er überhaupt arbeitet“, sagte mit einem Augenzwinkern Günter Blankenhagen. „Vieles von dem, was er uns erzählt, kann man sich ja theoretisch nur schwer vorstellen“, ergänzte Gattin Roswitha.

Dass an der Industrienacht längst nicht soviele Besucher wie in der Wissenschaftsnacht durch Dresden tingeln, erklärt sich vor allem durch die Anmeldepflicht zu den Touren: Aus Sicherheitsgründen lassen die Betriebe nur Besucher ein, die sich vorher online registriert haben.

Mein Eindruck:

Ja, es war heiß, und das drückte gelegentlich die Konzentration. Doch das ändert nichts am positiven Eindruck, zumindest auf der Tour, die ich besucht habe: Die Mitarbeiter in den Betrieben haben sich viel Mühe gegeben, auch waren die Besuchstouren gut organisiert – und sehr interessant. Ich nutze nun schon seit Jahren die Industrienacht für abendliche Betriebsbesichtigungen und ich kann nur sagen: Das Veranstaltungsformat hat Jahr für Jahr gewonnen.

Autor: Heiko Weckbrodt

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