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Flüchtlinge haben erst in 10 Jahren Chance auf richtige Jobs

Für viele Flüchtlinge ist die deutsche Bürokratie schwer durchschaubar, In Dresden führten Stadt , Arbeitsagentur und Jobcenter deshalb für die Asylbewerber einen Ordner ein, in dem sie alle Formulare aus dem papierkrieg sammeln sollen. Foto. hw

Für viele Flüchtlinge ist die deutsche Bürokratie schwer durchschaubar, In Dresden führten Stadt , Arbeitsagentur und Jobcenter deshalb für die Asylbewerber einen Ordner ein, in dem sie alle Formulare aus dem papierkrieg sammeln sollen. Foto: hw

Dresdner Arbeitsagentur-Chef: Integration braucht langen Atem

Dresden, 22. Juni 2016. Hatten einige Wirtschaftspolitiker und -Weise noch im vergangenen Jahr zeitweise gemutmaßt, der Flüchtlingszustrom nach Deutschland könnte rech rasch auf dem Arbeitsmarkt wirksam werden und auch den Fachkräftemangel mindern, so hat sich dies als Irrtum herausgestellt – zumindest im Raum Dresden. „Wir brauchen dafür einen langen Atem“, zog der Dresdner Arbeitsagentur-Chef Thomas Wünsche am Dienstag ein erstes Zwischenfazit der Integrationsbemühungen am Rande eines Fachtags in Dresden.

2014 ist die ARbeitslosigkeit in Dresden insgesamt gesunken, betont der Dresdner Arbeitsagentur-Direktor Thomas Wünsche. Foto: Heiko Weckbrodt

Der Dresdner Arbeitsagentur-Direktor Thomas Wünsche. Foto: Heiko Weckbrodt

Bisher erst wenige Job-Vermittlungen

Fünf bis zehn Jahre werde es wahrscheinlich dauern, also etwa bis 2025, bis die meisten anerkannten Flüchtlinge soweit seien, dass sie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. „Natürlich gibt es auch jetzt schon einige Vermittlungserfolge“, sagte Thomas Wünsche. Dies seien aber größtenteils schon vor einiger Zeit Zugezogene Ausländer, die hier schon gut vernetzt seien. Aber sehe an einmal von den Syrern ab, seien leider nur ganz wenige Asylbewerber so gut qualifiziert und sprachkundig, dass sie ohne weiteres in Deutschland an ihre früheren Berufe anknüpfen können.

Jan Pratzka. Foto: hw

Jan Pratzka. Foto: hw

Vor allem Sprachbarriere ist ein Problem für viele

„Nur der kleinere Teil jener Menschen, die seit dem vergangenen Jahr als Flüchtlinge hier eingetroffen sind, sprechen überhaupt Deutsch,“ schätzte der Agenturchef ein. Und auch von den anerkannten Asylbewerbern haben 70 Prozent keinerlei Deutsch-Kenntnisse, ergänzte Jobcenter-Chef Jan Pratzka. Wer sich aber mit einem potenziellen Arbeitgeber nicht verständigen könne, habe auch kaum Chancen, eine halbwegs gut dotierte Tätigkeit zu finden.

Integration fokussiert sich zunächst auf Deutschkurse

Deshalb wollen Arbeitsagentur, Job-Center und die Stadt Dresden ihre Integrationsbemühungen erst mal darauf konzentrieren, den Flüchtlingen Deutschkurse zu vermitteln, Allgemeinbildungs-Lücken zu schließen und Fachabschlüsse nach deutschen Standards zu ermöglichen. Agentur wie Jobcenter haben inzwischen die ersten arabischsprechenden Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt wurden und werden 33 befristete und unbefristete Beschäftigte zusätzlich eingestellt. Noch ist allerdings unklar, wie Allgemeinbildungs-Lücken (nach deutschen Maßstäben) bei den erwerbsfähigen Flüchtlingen geschlossen werden sollen – dafür habe die Agentur keine wirklich geeigneten Angebote, sieht Wünsche da ein Problem nahen.

Viele könnten als Helfer arbeiten – doch Helferjobs gibt’s immer weniger

Insgesamt leben derzeit in Dresden 4049 Flüchtlinge, die das Jobcenter oder die Arbeitsagentur offiziell als „erwerbsfähig“ eingestuft haben. Die meisten von ihnen sind Syrer (1692 Erwerbesfähige“), gefolgt von Russen (470), Ukrainern (378), Irakern (338) und Afghanen (307). tatsächlich einen vollwertigen Job bekommen haben bisher 328 Flüchtlinge. Davon wurden 112 als Helfer, 93 als Fachkraft und 123 als Experte beziehungsweise Akademiker eingestuft. „Helfertätigkeiten haben wir aber nicht in Größenordnungen zu bieten“, betonte Jobcenter-Chef Pratzka. Daher seien sprachliche und berufliche Weiterbildung für Flüchtlinge der wohl einzige erfolgversprechende Integrations-Ansatz.

Typisch deutsch? Bier und Papier!

Dabei kümmert sich die Agentur um Asylbewerber, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, und das Jobcenter um die bereits anerkannten Flüchtlinge – die eben auch erst mal lernen müssen, im deutschen Bürokratie-Dschungel klar zu kommen, beispielsweise Stütze-Anträge auszufüllen. Was dies für jeden Einzelnen für Formularkriege in einer fremden Sprache bedeutet, hat sich unter den Ankömmlingen anscheinend bereits herumgesprochen. Auf die Frage von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) an Flüchtlinge in einem Sprachkurs, was denn „typisch deutsch“ sei, habe ein Syrer eine klare Antwort gehabt, erzählt Pratzka: „Bier und Papier“.

Autor: Heiko Weckbrodt

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