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Sachsens Wirtschaft fürchtet 2. Aderlass durch Brexit

Das BMW-Werk in Leipzig baut ab Juli 2016 diese "Protonic Red Edition" des Hybrid-Sportwagens i8. Foto: BMW

Hybrid-Sportwagen i8 aus dem BMW-Werk Leipzig. Gerade die sächsische Automobilindustrie hat wenig Interesse an einem Brexit, da sie viele Autos gen UK exportiert. Foto: BMW

IHK: Großbritannien ist drittwichtigstes Exportland für Freistaat

Dresden, 20. Juni 2016. Ein Ausstieg der Briten aus der EU („Brexit“) liegt überhaupt nicht im Interesse der ostsächsischen Wirtschaft und könnte zu einem Export-Einbruch führen. Das hat Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden mit Blick auf die „Brexit“-Volksabstimmung am Donnerstag in Großbritannien eingeschätzt. „Was vielen gar nicht so klar ist: Großbritannien ist für Sachsen das drittwichtigste Exportland nach China und den USA“, sagte der IHK-Sprecher.

Vor allem Autos aus Sachsen auf der Insel gefragt

Lars Fiehler. Foto: IHK Dresden

Lars Fiehler. Foto: IHK Dresden

„Wir haben im Kammerbezirk über 350 Unternehmen, die aktiv nach Großbritannien exportieren“, betonte Lars Fiehler. Darunter seien vor allem viele Firmen aus dem Automobilsektor wie VW, Porsche und BMW sowie deren Zulieferer. Gerade im Großraum Dresden gebe es aber auch viele Elektromaschinen-, Elektro- und Pharmahersteller, für die das Vereinigte Königreich ein wichtiges Zielland sei. Dazu gehören – mit unterschiedlichen Exportanteilen – beispielsweise das VEM Sachsenwerk, der Werkzeugmaschinen-Anbieter Mikromat, das Pharma-Unternehmen Apogepha, das Edelstahlwerk Freital oder auch die Edeltischler der Hellerauer Werkstätten.

Pfund-Abwertung nach Brexit würde für Briten Importe verteuern

Die Hauptsorge: Falls die Briten für einen EU-Ausstieg votieren und die Devisenmärkte mit einer starken Abwertung des britischen Pfunds reagieren sollten, würde dies die sächsischen Ausfuhren auf die Insel deutlich verteuern. Dies könnte wiederum im nächsten Schritt die Exportchancen der Sachsen dorthin sehr verschlechtern.

IHK: Sachsen hat durch Russland-Sanktionen schon genug geblutet

Auch sei noch nicht absehbar, ob und in welchem Maße nach einem Brexit aus politischen Gründen Handelsschranken hochgezogen werden, sagte der IHK-Sprecher. „Und nachdem die sächsische Wirtschaft bereits im Russlandgeschäft Einbußen verkraften musste und schon bluten musste, wäre ein weiterer Aderlass beim Handelspartner Großbritannien ganz besonders schlecht.“

Starke Exportzuwächse seit Jahren

Zum Hintergrund: Sachsen exportierte im Jahr 2015 Waren und Dienstleistungen im Wert von etwa 2,17 Milliarden Euro ins Vereinigte Königreich. Damit entfielen zirka 5,6 % aller sächsischen Ausfuhren auf Großbritannien, das nach China und den USA auf Rang 3 der Zielländer stand. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die sächsischen Exporte ins Königreich damit fast verdoppelt. IHK-Sprecher Fiehler sieht hier auch noch „viel Potenzial“ für weitere Exportzuwächse, wenn es nicht zum Brexit kommt.

Importseitig spielt die Insel hingegen eine geringere Rolle für den Freistaat. Unter den wichtigsten Einfuhrländern rangiert sie nur auf Platz 13. Autor: Heiko Weckbrodt

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