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Malta auf den zweiten Blick

Die Reize des Parkes und des Präsidentenpalastes in Attard sind den Touristen weitgehend unbekannt. Foto: Ingrid Weckbrodt

Die Reize des Parkes und des Präsidentenpalastes in Attard sind den Touristen weitgehend unbekannt. Foto: Ingrid Weckbrodt

Jenseits von Valletta gibt es uralte Tempel und Ritter-Herbergen auf der Mittelmeer-Insel zu entdecken

Ob Sizilien, Kreta, Mallorca oder Rhodos, für jede dieser Mittelmeerinseln halten die Reiseveranstalter ein Pflichtprogramm bereit, das der nach Sehenswürdigkeiten süchtige Tourist brav abarbeitet. Das gilt für Malta ebenso uneingeschränkt. Doch die Insel bietet auch für einen zweiten Besuch noch viele Attraktionen jenseits der ganz bekannten Touristen-Wege.

Der geradezu übermächtigen Versuchung, noch einmal die Landeshauptstadt zu besuchen und von ihren befestigten Höhen des Forts St. Elmo den Blick über die alten Kanonen hinweg auf den Grand Harbour zu werfen, können nur wenige ernsthaft widerstehen. Diese Bucht sucht weltweit Ihresgleichen, weil eben einzigartig. Wenn dann noch, rein zufällig natürlich, ein Flugzeugträger dort unten ankert oder ein Kreuzfahrtschiff eben gerade einläuft, dann kommt schon begeistertes Staunen auf.

Für 1,50 Euro quer durch Malta

Doch von den uneinnehmbar erscheinenden Höhen Valettas gleitet der Blick auch hinüber zum ähnlich wehrhaft ausgestatten Paola und zu den besuchenswerten Städten Tarxien und Vittoriosa. Wir benutzen einen der zahllosen Linienbusse, die von Valletta aus große Teile Maltas flächendeckend erreichbar machen. Der Fahrpreis ist konkurrenzlos günstig: 1,50 Euro, egal wie weit wir mitfahren.

Tempel bei Tarxien sind fast 6000 Jahre alt

Das Städtchen Tarxien (rund 7 000 Einwohner) mit durchaus moderner Bebauung überrascht mit den Überresten der größten maltesischen Tempelanlage. Sie besteht aus sechs Einzeltempeln, die zwischen 3 800 und 2 500 v. u. Z. entstanden sind. Zum Zeitvergleich: die Cheopspyramide wurde etwa 2 500 v. u. Z. gebaut, die Himmelsscheibe von Nebra um 1 600 v. u. Z. geschaffen. Also, die Malteser sind uns, geschichtlich gesehen, mehr als nur eine Nasenlänge voraus!

Drei der Tempelanlagen sind gut erhalten, von den anderen drei Tempeln gibt es nur Spuren. Wir erkennen Reste von Altären, von Opfersteinen und Opfergefäßen. Wir sehen größere Löcher, in denen offenbar Opfertiere festgebunden wurden. Ein großes Steingefäß nahm das Blut der geopferten Tiere auf.

Malerisches Birgu

Praktisch in direkter Nachbarschaft zu Taxien liegt Vittoriosa, maltesisch Birgu. Birgu hieß schon die Gründung durch die Ordensritter. Dieser Stadt, also nicht Valletta, galt 1565 die türkische Belagerung.

Sehr schön ist die weit zurückgehende, gut erhaltene schmucke Bebauung Vittoriosas. Ein Bummel durch die malerischen Gassen lohnt. Vieles mutet uns süditalienisch an. Aber auch hier stoßen wir recht schnell auf die intakten Spuren mächtiger Befestigungen.

Die Dingliklippen mit ihren malerischen Buchten und dem in eindrucksvollen Blautönen gefärbtem Wasser. Foto: Ingrid Weckbrodt

Die Dingliklippen mit ihren malerischen Buchten und dem in eindrucksvollen Blautönen gefärbtem Wasser. Foto: Ingrid Weckbrodt

Zwischen der Wohnbebauung entdecken wir, da kommen Erinnerungen an Rom und an Rhodos hoch, die nach ihren jeweiligen Nationen benannten Häuser der Kreuz- bzw. Ordensritter aus Frankreich, Spanien und weitern Ländern. Wir erkennen die Auberge (also Herberge) de France, die Auberge de Portugal, die Auberge de Castille u. a.

Sehr eindrucksvoll, aber nicht zugänglich, ist das Ordenshospital. Es entstand bereits 1532, nach 1652 war es Benediktinerinnenkloster.

Karger Inquisitorenpalast

Das auch historisch bedeutendste Bauwerk aber ist der Inquisitorenpalast. Alle Räume wirken relativ schlicht, Luxus war offenbar weniger angesagt als die Wirksamkeit der zur Herbeiführung der Geständnisse ganz selbstverständlich eingesetzten mörderischen Mittel. Das können wir uns als Film in aller Ruhe ansehen.

Mediterranes Flora in den Dingli-Klippen. Foto: Ingrid Weckbrodt

Mediterranes Flora in den Dingli-Klippen. Foto: Ingrid Weckbrodt

Streichelzoo für Kinder

Ebenfalls noch in Busreichweite zu Valletta liegt das immerhin 3 000 Einwohner zählende Dorf Attard. Hierher verliert sich kaum ein Tourist. Zu Unrecht, wie wir bei unserem Besuch bald feststellen. Der San Anton Garden ist ein beliebtes Ausflugsziel für maltesische Familien. Für Kinder ist es ein kleines Paradies. Hier gibt es die so unendlich süßen kleinen Zieglein und Lämmchen in einem Minizoo, aber auch jede Menge Spielmöglichkeiten. Die Gastronomie ist ebenfalls familiengerecht, die Preise sind durchaus moderat. Wir finden unseren Gefallen an den gepflegten, üppig blühenden Anlagen, bummeln auf gut beschatteten Wegen, lümmeln auf den reichlich vorhandenen Bänken und finden auch den in Randlage zum Park befindlichen Palast. Er ist nicht gerade riesig.

Malta war von seiner wirtschaftlichen Bedeutung nicht Indien oder Ägypten für das britische Weltreich, auf seinem Weg nach Indien aber strategisch hochbedeutsam. Der Gouverneur hatte in Attard sein Domizil. Jetzt residiert hier, zwar klein aber recht fein, der Staatspräsident Maltas.

Klippenwanderung ab Dingli

Etwas stressiger, die Konstitution etwas stärker Forderndes, ist eine Klippenwanderung. Ihr wollen wir uns abschließend noch unterziehen. Zur Anfahrt bis zum Dorf Dingli nehmen wir ein Taxi. Es kostet etwa 25 Euro. Es bringt uns dafür aber auch bis unmittelbar an die Klippen heran. Wir können oben am Grat entlanggehen, aber auch einen der mäßig steilen Abstiege folgen. Letzteres bringt die besseren Aussichten aufs Meer, die sehr malerisch gelegenen, in die Bergsenkrechten eingeschnittenen Buchten, und auf das in allen Blaunuancen uns begeisterndes Wasser. Wenn dann noch ein Segelboot in die Bucht gleitet, ist die Szenerie perfekt. Recht interessant sind aber auch die Magerboden-Vegetationszonen an den Hängen. Da blüht es malerisch, und die Duftwolken der hier natürlich wildwachsenden mediterranen Kräuter hüllen uns ein. Den Rücktransport sollten wir mit dem Taxifahrer rechtzeitig vereinbaren. Sonst sind wir plötzlich allein auf dieser zwar sehenswerten, aber eben auch ziemlich menschenleeren Welt. Eine Reisegruppe verirrt sich hierher nie!

Autor: Peter Weckbrodt

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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