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Phosphor-Pils aus der Uni-Brauerei

Stephen Schulz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Jan Weigand. Hier stoßen beide mit einem Alt an, das sie in ihrer Uni-Brauerei zubereitet haben. Foto: Heiko Weckbrodt

Stephen Schulz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Jan Weigand. Hier stoßen beide mit einem Alt an, das sie in ihrer Uni-Brauerei an der TU Dresden zubereitet haben. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner TU-Chemiker entwickeln in Forschungs-Brauerei ein Nerd-Bier – das Ballhaus Watzke will es nun nachbrauen

Dresden, 22. April 2016. An aufregenden Fächern mangelt es der TU Dresden eigentlich nicht: Studenten können hier Raketen bauen, Karbon-Rennwagen konstruieren und Gehirncomputer basteln. Wer es aber richtig anregend haben will, studiert bei Professor Jan J. Wiegand am Lehrstuhl für Anorganische Molekülchemie. Das klingt trocken, ist aber genau das Gegenteil. Denn Jan Weigand betreibt gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Thomas Henle von der Lebensmittelchemie eine eigene kleine Bier-Brauerei auf dem Uni-Campus an der Mommsenstraße. Natürlich nur „zu Forschungszwecken“, wie beide Professoren beteuern.

„Resonanz unter Studenten immens“

Installiert haben sie die Brauerei im vergangenen Herbst und „die Resonanz unter den Studenten ist immens“, sagt Professor Jan Weigand. Denn an den Anlagen wollen die Chemiker nicht nur lehren und forschen, sondern auch tatsächlich hinterher auch etwas trinken. 50 bis 100 Liter Bier pro Woche gibt die universitäre Brauerei her. „Das deckt den Eigenbedarf“, verrät der Professor am Vorabend zum „Tag des deutschen Bieres“ und sagt auch sehr bestimmt: „Wäre ja schade darum, das wegzuschütten.“ Die gesamte Produktion werde ordnungsgemäß versteuert, versichern Weigand und Henle. Und feuchtfröhliche nächtliche Orgien werde es im Chemiekomplex an der Mommsenstraße schon gar nicht geben: Nur wenige haben Zugang zum Brau-Labor und das werde streng kontrolliert.

Master-Student Robin Schoemaker kennt sich in der Chemiker-Brauerei bestens aus. Hier zapft er gerade ein selbst gebrautes Pils. Foto: Heiko Weckbrodt

Master-Student Robin Schoemaker kennt sich in der Chemiker-Brauerei bestens aus. Hier zapft er gerade ein selbst gebrautes Pils. Foto: Heiko Weckbrodt

Verstehen, was molekular im Bier-Sud geschieht

Denn die Anlage haben die aus dem Süddeutschen stammenden Professoren für die Lehre und die Forschung angeschafft: Bis zu 80 angehende Molekular-Chemiker und Lebensmittel-Chemiker können hier jedes Semester lernen, wie man Bier in der Praxis braut. Was beim Malzschroten, Maische-Mischen und Brauen eigentlich auf molekularere Ebene passiert. Und wie sich der Geschmack und die Farbe von Bier durch kleine Rezeptur-Änderungen gravierend ändern kann.

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Im Sudkessel vermischen die Chemiker heißes Wasser und Malzschrot bei 61 bis 70 Grad zur Bier-Maische. Foto: Heiko Weckbrodt

Im Sudkessel vermischen die Chemiker heißes Wasser und Malzschrot bei 61 bis 70 Grad zur Bier-Maische. Foto: Heiko Weckbrodt

Auch wollen die TU-Experten an der Lagerstabilität der Biere, an schnelleren Prozessen, neuen Geschmacksnoten, Schaumstabilität und oxidations-vermeidendem Brauen unter Schutzatmosphäre tüfteln. Dabei arbeiten die Forscher einerseits mit der Brauerei im Dresdner Ballhaus Watzke zusammen, kooperieren andererseits mit Uni München. Die hat einen eigenen Brauerei-Lehrstuhl und ist gemeinsam mit Berlin die „biertechnologisch“ führendende Universität in der Bundesrepublik.

Prof. Thomas Henle. Foto: TU Dresden

Prof. Thomas Henle. Foto: TU Dresden

31er Pils in einem Semester entwickelt

Und schon nach einem Semester können die beiden Professoren die ersten trinkbaren Erfolge vorweisen: Mit dem „TU Dresden 31Pils“ (kurz: „31P“) haben sie eine eigene Bier-Rezeptur entwickelt. Der Name könnte von Geeks (englisch für Labor-Heinis) für Nerds (Technik-Fans) geformt sein: Das „P“ steht für Phosphor im Periodensystem, die „31“ für dessen gerundete Atommasse. Das Phosphor-Bier mundete den Watzke-Betreibern so gut, dass sie das universitäre Rezept nun nachbrauen wollen. Zum 20. Betriebsjubiläum im September 2016 wird das Dresdner Ballhaus die neue Sorte erstmals in großem Stil brauen und ausschenken. Wie das Phosphor-Bier schmecke? „Wir finden unser Pils super“, sagt Professor Henle und lächelt stolz.

Autor: Heiko Weckbrodt

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