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Mini-Kraftwerk-Hersteller geht von Dresden in die USA

Das "Kraftwerk" auf Brennstoffzellen-Basis lädt ein Smartphone wieder auf. Foto. eZelleron

Das „Kraftwerk“ auf Brennstoffzellen-Basis lädt ein Smartphone wieder auf. Geld für die Serienproduktion und Weiterentwickelung wollen die Erfinder nun in den USA statt von Dresden aus auftreiben und verlagern den Hauptsitz daher nach Kalifornien. Foto: eZelleron

eZelleron Dresden wird geschlossen

Dresden, 20. April 2016. Die Bemühungen Dresdens, sich zu einer Hochburg der Energiesystemtechnik zu entwickeln, haben einen herben Rückschlag durch einen bisher viel gefeierten Hoffnungsträger erfahren: Das Unternehmen eZelleron GmbH, das ein Mini-Kraftwerk auf Brennstoffzellen-Basis entwickelt hatte und zunächst hier produzieren und vermarkten wollte, wird aufgelöst. Statt dessen haben die Initiatoren Sascha Kühn und Martin Pentenrieder im Januar 2016 eine neue Holding „kraftwerk Inc.“ in den USA gegründet, die im kalifornischen Silicon Valley das Geld einsammeln soll, um das „Mini-Kraftwerk für die Hosentasche“ weiterzuentwickeln und in Großserie produzieren zu können. De facto verlagert sich also der Hauptsitz der Kern-Unternehmung von Deutschland in die USA.

Firma konnte in Europa nicht genug Kapital auftreiben

„Leider ist es immer noch nahezu unmöglich, in Europa Wachstumskapital zu finden”, erklärte der Mitgründer und Geschäftsführer Martin Pentenrieder. „Die Investitionssumme, die für innovative Hochtechnologie-Startups benötigt wird, ist für die meisten europäischen Investoren zu hoch.“

Das ist erst der Anfang: eZelleron-Chef Sascha Kühn zeigt eines der Mini-Kraftwerke auf Brennstoffzellen-Basis, durch das man mit einer Feuerzeuggas-Kartusche ein smartphone 22 Mal aufladen kann. Entwickeln will er nun aber auch 100-Kilowatt-Brennstoffzellen für Autoantriebe. Foto: Heiko Weckbrodt

eZelleron-Chef Sascha Kühn mit einem seiner Mini-Kraftwerke auf Brennstoffzellen-Basis. Foto: Heiko Weckbrodt

Insolvenzantrag stand schon Ende 2015

Im Umkehrschluss lässt sich das auch so formulieren: Das bisher eingesammelte Geld vom Internetschwarm (Crowdfunding) und anderen Kapitalgebern reichte nicht mehr, um das anspruchsvolle Projekt weiterzutreiben. Für finanzielle Probleme des Unternehmens sprechen auch andere Anhaltspunkte: Mitte Dezember setzte das Amtsgericht Dresden einen „vorläufigen Sachwalter“ ein, der prüfen sollte, ob ein Insolvenzverfahren für die eZelleron GmbH in Frage kommt. Zudem soll das Unternehmen auch Rechnungen über längere Zeit nicht bezahlt haben, wie Geschäftsführer Michael Petereit von der „HPS Solution GmbH“ aus Martinsried im Oiger-Gespräch mitteilte.

Nachtrag: Die eZelleron GmbH ist inzwischen pleite, das Amtsgericht Dresden hat das Insolvenzverfahren nun eröffnet.

Martin Pentenrieder, Geschäftsführer und Mitgründer, vor dem neuen Büro in Palo Alto, Silicon Valley. Foto: kraftwerk Inc.

Martin Pentenrieder, Geschäftsführer und Mitgründer, vor dem neuen Büro in Palo Alto, Silicon Valley. Die „kraftwerk Inc.“ tritt als hauptgesellschaft an die Stelle der eZelleron Dresden. Foto: kraftwerk Inc.

eZelleron-Chef Kühn: Produktion soll in Dresden bleiben

eZellleron-Gründer Sascha Kühn hat inzwischen beteuert, er wolle Dresden als Produktionsstandort erhalten. Gemeint ist damit die Fertigung der Brennstoffzellen-Kerne. Die Endgeräte hatten bereits bisher externe Zulieferer und Partner produziert, wie Kühn auf Anfrage betonte.

Die eZelleron gmbH werde aber abgewickelt „und das Dresdner Werk in die neue Holdinggesellschaft kraftwerk Inc.“ integriert, teilte das Unternehmen mit. „Den ehemaligen Investoren und den Gläubigern werden Beteiligungen an der neuen kraftwerk Inc. angeboten.“

Mini-Kraftwerk soll soll Smartphones schnell aufladen

Sascha Kühn hatte die eZelleron GmbH 2008 gegründet, um eine von ihm entwickelte Brennstoffzellen-Technologie wirtschaftlich zu verwerten. Die erzeugt auf kleinstem Raum aus Brennstoffen wie Feuerzeugbenzin Strom. Hergestellt werden mit den kleinen Brennstäbchen Mini-Kraftwerke, die nur rund 200 Gramm wiegen und vor allem dafür gedacht sind, iPhones und andere mobile Elektronikgeräte rasch wieder aufladen zu können. Im Herbst 2015 hatte das Unternehmen 27 Mitarbeiter.

Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Kommentar zum eZelleron-Aus

 

2 Kommentare

  1. Karl-Josef Schuhmann sagt

    Damit lag der in der EU für die Entwicklung von High-Tech-Innovation zur Verfügung stehenden Geldbetrag nur geringfügig über den EU-Subventionen für den Tabakanbau.

    Nun muss man wohl den Tabakanbau weiterhin unterstützen, sonst werden die Lungenkrebsspezialisten arbeitslos?
    Ich halte unser Subventionsprinzig für absolut renovierungsbedürftig.

  2. Bernd Junghans sagt

    Das Fehlen von Risikokapital in Deutschland und Europa ist gewiss einer der wichtigsten Gründe für das ungenügende Innovationstempo in der EU. Nach einer Analyse aus dem Jahre 2012 wurde das für start-ups wie eZelleron verfügbare Risikokapital in folgender Höhe aufgebracht (https://www.freitag.de/autoren/auerbach/deutschland-usa-ein-vergleich):
    – USA: 19,1 Mrd€ (26,5 Mrd$)
    – EU: 3,2 Mrd€
    – Deutschland: 0,36 Mrd€
    Damit lag der in der EU für die Entwicklung von High-Tech-Innovation zur Verfügung stehenden Geldbetrag nur geringfügig über den EU-Subventionen für den Tabakanbau.

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