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Digitalisierung im Schneckentempo

Die elektronische Gesundheitskarte hat bisher nur einen Teil der Funktionen, die sie nach ursprünglichen Plänen haben sollte, integriert. Kartengrafik: Gematik GmbH

Die elektronische Gesundheitskarte hat bisher nur einen Teil der Funktionen, die sie nach ursprünglichen Plänen haben sollte, integriert. Kartengrafik: Gematik GmbH

Internetzeitalter sickert erst langsam im Gesundheitswesen ein

Annaberg-Buchholz, 17. April 2016. Während das Internet den Buchhandel, den Musikvertrieb und viele andere Lebenssphären inzwischen extrem verändert hat, schleicht die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran wie eine müde Schnecke. „Wir führen in Deutschland immer nur schwächenorientierte Diskussionen über die Digitalisierung, während in anderen Ländern damit längst Leben gerettet werden“, kritisierte der Telemedizin-Experte Arno Elmer auf dem Sächsischen Apothekertag in Annaberg Buchholz.

Arno Elmer. Foto: Katrin Tominski

Arno Elmer. Foto: Katrin Tominski

Ex-Gematik-Chef Elmer: Restriktiver Datenschutz ist mitschuld

Arno Elmer hatte mehrere Jahre die Gematik GmbH geleitet, die bereits seit 2005 im Auftrag der Krankenkassen, Ärzte- und Apothekerverbände versucht, eine leistungsstarke elektronische Gesundheitskarte in Deutschland einzuführen. Bisher hat die Gesundheitskarte jedoch nur Rudimente des ursprünglich geplanten Funktionsumfangs integriert. Elmer leitet inzwischen die Forschungsgruppe „Digitale Gesundheit“ an der Hochschule für Oekonomie & Management Berlin (FOM). Er hat bisher mehrere Dutzend Gründe gefunden, warum das deutsche Gesundheitswesen bislang nur so langsam mit der Digitalisierung vorankommt. Dazu gehören laut dem Experten der restriktive Datenschutz in der Bundesrepublik, die Vielzahl unterschiedlicher Interessengruppen im deutschen Gesundheitssystem, offene Finanzierungsfragen, eine generell geringe Akzeptanz für Datensammlungen in diesem Sektor, ein föderal orientiertes Gesundheitssystem, fehlende Standards und mangelnder „Handlungs- und Leidensdruck“ der verantwortlichen Akteure.

Schneller zur Diagnose durch „Virtuelle Doktoren“

Dem stehen laut Elmer aber handfeste Vorteile digitalisierter medizinischer und pharmazeutischer Abläufe gegenüber. Internetgestützte Expertensysteme („Virtuelle Doktoren“) mit Fallsammlungen könnten zum Beispiel helfen, rascher zu Diagnosen und Therapien zu kommen. Auch sei es sinnvoll, wenn Patienten Fitness- und Gesundheitsdaten durch digitale Uhren wie die Apple Watch oder durch sensorgespickte Sportkleidung (Intelligent Wearables“) sammeln und dann auf Wunsch von Ärzten, Forschern oder Apotheker auswerten lassen. Und wenn diese Datenmengen eine kritische Masse überschreiten („Big Data“), seien ganz neue Forschungsansätze möglich.

Autor: Heiko Weckbrodt

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