Forschung, News, zAufi
Schreibe einen Kommentar

Droht uns Sturz vom Digitalzeitalter zurück in die Steinzeit?

Das Industriemuseum schlägt auch den Bogen zu den hochautomatisierten Roboterfabriken der Gegenwart und Zukunft. Foto: Heiko Weckbrodt

Brauchen die hochautomatischen, autonomen Fabriken der Indutrie 4.0 den Menschen überhaupt noch? Können wir demnächst bei den Maschinen höchstens noch unsere Wünsche vorbringen und das war’s? Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner Technikphilosoph Irrgang warnt vor Risiken der allumfassenden Vernetzung

Dresden, 22. März 2016. Durch die Digitalisierung und Vernetzung aller Lebenssphären befinden „wir uns in einer Phase, die revolutionärer ist als die neolithische Revolution“, meint der Technikphilosoph Professor Bernhard Irrgang von der Technischen Universität Dresden (TUD). Unterschätze die Gesellschaft allerdings die damit verbundenen Technologie-Risiken, befasse sie sich zu wenig mit den Technikfolgen, könne sich ein Pulverfass entzünden, „gefährlicher als die Atombombe“. Vor allem durch die Vernetzung von „allem mit allem“, das sogenannte „Internet der Dinge“, könnten überlebenswichtige Infrastrukturen zu anfällig für Angriffe von Hackern, Kriminellen und Geheimdiensten werden, warnt der Technikphilosoph.

Lebt und arbeitet inmitten seiner Segelschiffe: Professor Bernhard Irrgang von der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Professor Bernhard Irrgang von der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Größere Umwälzung als die Neusteinzeit

Die Menschheit sei im Begriff, sich Technologien zu erschließen, deren gesellschaftliche Auswirkungen über die Erfindungen in der Neusteinzeit (Neolithikum) hinausgehen, meint Prof. Irrgang. Einerseits sehe er eine Synthese klassischer Werkstofftechnik mit der Biologie nahen. „Wir werden in naher Zukunft Materalien haben, die so fest wie Stahl, aber verrottbar sind“, sagt er. „Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Beispiel zum kompostierbaren Auto, das man nicht verschrottet, sondern im Wald abstellt, damit es sich von selbst abbaut.“

Autonome Fabriken brauchen den Menschen nicht

Noch weitgehende seien aber die Umwälzungen, die das derzeit so vielbeschworene Internet der Dinge und die Automatenfabriken der „Industrie 4.0“ mit sich bringen werden: „Wir sprechen hier von völlig neuen Technologien, von Robotern und Computern, die sich autonom steuern und weiterentwickeln.“ In diesem Räderwerk könne der Mensch im besten Falle nur noch seine Wünsche einzubringen – gebraucht werde er in diesem hochautomatischen Produktions- und Entwicklungsprozessen womöglich gar nicht mehr.

Immer mehr deutsche IT-Firmen beschäftigen sich mit der Vernetzung vom Fabriken zur "Industrie 4.0". Foto: BitkomImmer mehr deutsche IT-Firmen beschäftigen sich mit der Vernetzung vom Fabriken zur "Industrie 4.0". Foto: Bitkom

Immer mehr deutsche IT-Firmen beschäftigen sich mit der Vernetzung vom Fabriken zur „Industrie 4.0“. Foto: Bitkom

Technologien dezentralisieren, sonst kann digitaler Angreifer alles lahm legen

Zugleich seien diese automatischen Infrastrukturen, von denen sich der Mensch mehr und mehr abhängig mache, ein lukratives Angriffsziel. „Wir brauchen eine grundsätzliche Änderung des Internets, eine viel stärkere Dezentralisierung und mehr geheime Sicherheitszonen im Internet. Und unsichere Betriebssysteme wie Windows müssen weg“, plädiert Bernhard Irrgang. Wenn dies nicht rechtzeitig gelinge, dann könne die Gesellschaft Ziel einer digitalen Kriegsführung werden, „die wichtige Teile unserer Infrastrukturen lahmlegt und uns zurück in die Steinzeit wirft.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Der Gedankensegler vom Elbhang

 

Kommentar: Was, wenn die meisten Jobs wegfallen?

Die technischen Probleme dieser Entwicklung sind lösbar. Viel gravierender sind die Auswirkungen dieser technologischen Entwicklung (auch „Digitale Revolution“ genannt). auf die Gesellschaft – und dafür gibt es im Gegensatz zur Technik noch gar keine Lösungsansätze. Autoren, die sich mit dem Problem befassen, wie Jeremy Rifkin („Die dritte industrielle Revolution“) oder Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson („The second machine age“) kommen zu dem Ergebnis, dass die Mehrzahl unserer heutigen Jobs in Produktion und im Dienstleistungssektor künftig wegfallen, weil von Robotern oder Computern übernommen. Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der 1% der Bevölkerung alle Produktionsmittel besitzt, 20% eine Beschäftigung hat und der Rest alimentiert wird? Warum äußert sich kein Philosoph zu diesem drängendsten aller Probleme?

Bernd Junghans

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.