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Autos und Roboter müssen schlauer werden

Die in Autos und anderen Maschinen und Geräten eingebetteten Systeme werden immer komplexer. Auch mikroelektromechanische Systeme (MEMS) wie diese Mikrospiegel-Chips vom Fraunhofer-IPMS in Dresden sind in der Industrie für Produktinnovationen gefragt. Foto: Heiko Weckbrodt

Die in Autos und anderen Maschinen und Geräten eingebetteten Systeme werden immer komplexer. Auch mikroelektromechanische Systeme (MEMS) wie diese Mikrospiegel-Chips vom Fraunhofer-IPMS in Dresden sind in der Industrie für Produktinnovationen gefragt und sind auf der DATE zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

DATE in Dresden: 2000 Experten beraten über Datenlawinen und Millisekunden-Funk im Internet der Dinge

Dresden, 16. März 2016. Das Internet der Dinge, der kommende 5G-Mobilfunk und Roboter für die „Industrie 4.0“-Fabriken der Zukunft, aber auch eingebettete Spezialelektronik („Embedded Systems“) für Autos, Flugzeuge und Medizingeräte gehören zu den Fokus-Themen, über die derzeit rund 2000 Experten auf der Technologiekonferenz „DATE“ (14.-18. März 2016) im Kongresszentrum Dresden diskutieren.

Eingebettete Elektronik wird zu „Smart Systems“ aufgemotzt

Eingebettete Elektroniksysteme gewinnen nämlich laut einer Analyse von Jim Tung von der US-Softwareschmiede „MathWorks“ immer mehr an Bedeutung in der Industrie: für die Robotersteuerung zum Beispiel, in neuen mobilen Medizingeräten wie Asthma-Erkennern und vor allem im Automobilsektor. Und gerade dieser Sektor sei der entscheidende Treiber für einen weiteren Trend: Die „Embedded Systems“ müssen nämlich immer anspruchsvollere Aufgaben in Autos und Lastern erledigen und werden daher nun mit zusätzlicher Elektronik zu „Smart Systems“ („schlaue Systeme“) weiterentwickelt. Denn die sollen heutzutage auch die Kamera- und Radarsensor-Daten für Fahrerassistenz-Systeme in Autos und Lastern auswerten, um zum Beispiel automatische Überholmanöver ohne Fahrereingriff zu schaffen.

Unis sollen mehr Datenwissenschaftler ausbilden

Allerdings generieren diese „schlauen Systeme“ an Bord der Autos auch eine wachsende Datenflut. „Und dafür werden wir noch mehr Datenwissenschaftler und -Analysten von den Unis brauchen“, prognostizierte Jim Tung.

5G-Lab in Dresden blickt ganzheitlich auf neuen Datenfunk

Ein weiterer Flaschenhals für den hochautomatisierten Straßenverkehr der Zukunft ist bisher auch noch die reaktionsschnelle Vernetzung der Autos untereinander, um all ihre Sensor- und Positionsdaten rasch abstimmen zu können. Dies wollen die Wissenschaftler und Ingenieure vom „5G-Lab Germany“ der TU Dresden vor allem mit dem Mobilfunk der 5. Generation (5G) lösen. Der soll Daten nicht 1000 Mal so schnell wie heutige Mobilfunk-Systeme übertragen, sondern auch binnen einer Millisekunde auf neue Informationen reagieren können. „Weltweit gibt es kein weiteres Forschungszentrum, das 5G so ganzheitlich angeht wie wir“, ist Doktor-Ingenieur Rico Radeke vom Dresdner 5G-Lab überzeugt.

Beispiel Pisa: Durch Tech-Transfer aus Uni eigene Halbleiterindustrie binnen 23 Jahren entstanden

Diese Mobilfunk-Kompetenzen sowie die Stärken Dresdens in der Mikroelektronik sind es auch, die die DATE-Konferenzorganisatoren nun schon zum vierten Mal in die sächsische Landeshauptstadt gelockt haben. Konferenz-Leiter und Mikroelektronik-Professor Luca Fanucci von der Uni Pisa freute sich jedenfalls, wieder in Dresden zu sein. Allerdings solle sich die Stadt nicht zu sehr vom Auf und Ab der hier konzentrieren Chipproduktion abhängig machen, rät er. „Wenn es Ihnen gelingt, fähige junge Ingenieure hier zu binden und den Technologietransfer von der Universität in die Wirtschaft zu verbessern, wird dies den Standort stärken“, ist Luca Fanucci überzeugt. In Norditalien habe sich dieses industrienahe Konzept bewährt: Seit dem Start 1993 sei aus dem Nichts heraus eine schon recht leistungsstarke kleine Mikroelektronikindustrie um die Uni Pisa herum entstanden, mit sehr kompetenten Chipdesign- und Testzentren.

MathWorks-Experte: Konzentrieren Sie sich in Sachsen auf komplette Systeme!

In ein ähnliches Horn stieß auch Jim Tung von MathWorks. Er riet den Dresdner und sächsischen Unternehmern und Wirtschaftspolitikern, sich zukünftig noch stärker auf komplette mikroelektronische Systeme zu spezialisieren statt nur auf einzelne Komponenten wie eben Chips. „Solche Systemlösungen dürften auch sehr lohnende Entwicklungsaufgaben für die hiesigen Fraunhofer- und Planck-Institute sein“, sagte er und verwies auch auf die wachsende Nachfrage für Querschnittsexperten: „Was wir wirklich brauchen, sind Leute, die sich nicht nur mit Siliziumchips oder nur mit Software auskennen, sondern auch die Schnittstellen dazwischen verstehen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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