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Das Schloss kommt aus dem 3D-Drucker

Das Rottwerndorfer Schloss: Das Modell entstand durch Laser-Cut, die Turmhaube wurde mittels 3D- Druck gefertigt, die Giebelteile hat Matthias Jordan als Vakuum-Gusssteile von einem Partnerunternehmen hinzugefügt. Foto: Peter Weckbrodt

Das Rottwerndorfer Schloss: Das Modell entstand durch Laser-Cut, die Turmhaube hat Matthias Jordan mittels 3D-Druck gefertigt, die Giebelteile hat er Vakuum-Gusssteile von einem Partnerunternehmen hinzugefügt. Foto: Peter Weckbrodt

Ex-Banker Matthias Jordan hat sich mit Laser, 3D-Drucker & Co. eine Prototypen-„Fabrik“ in Dresden-Niedersedlitz aufgebaut

Heidenau/Dresden, 24. Februar 2016. Der 53-jährige Matthias Jordan aus Dresden-Niedersedlitz hat es gepackt: Einst richtete er Dreh- und Schleifmaschinen im DDR-Maschinenbau bis zum Aus durch die Wende ein, arbeitete danach 20 Jahre lang als Bank-Kaufmann bei einer Sparkasse. Als Existenzgründer und Einzelkämpfer setzt er nun erfolgreich 3D-Drucker, Laserschneider, 3D-Modelling, CNC-Fräsen und andere moderne Fertigungstechnologien des Digitalzeitalters ein, um ganz außerordentliche Modelle herzustellen.

Vor allem Private und Vereine bestellen beim Hightech-Modelldesigner

Was für Flugzeugteile beim Airbus und bei den Armaturenbretter der Porsche-Luxus- Automobile schon in Großserie geschieht, macht der gelernte Elektromaschinenbauer in seiner Heidenauer Firma „JORMA modelldesign“ einige Nummern kleiner für Privatkunden, Vereine und Firmen. In seinem Heidenauer Ein-Mann-Betrieb entwickelt er erstaunliche Lösungen. Wird das Modell einer historischen Dresdner Straßenbahn oder des wunderschönen Rottwerndorfer Schlosses gewünscht, für den Heidenauer Kleinproduzenten ist das kein großes Problem. Wünscht eine Hochzeitsgesellschaft auf einer ganzen Batterie von Sektflaschen die besten Wünsche fürs Brautpaar auf der Rotkäppchen-Sektflasche eingraviert, auch das besorgt der gelernte Elektromaschinenbauer.

Von der digitalen 3D-Zeichnung zum mittels Laser-Cut gefertigten HO-Modell eines Dresdner Straßenbahnzuges aus dem Jahre 1930. Foto: Peter Weckbrodt

Von der digitalen 3D-Zeichnung zum mittels Laser-Cut gefertigten HO-Modell eines Dresdner Straßenbahnzuges aus dem Jahre 1930. Foto: Peter Weckbrodt

Für Großserien spannt er Partner mit ein

„Ich hatte als Existenzgründer seinerzeit eine Marktnische für mich entdeckt. Mit den ganz Großen im Fertigungssegment, die Teile für den Airbus oder Porsche herstellen, wollte ich mich nicht auseinandersetzen, die agieren in einem ganz anderen Kosten- und damit auch Preissegment. Mein Cutter und der Drucker lagen in der Anschaffung aber immerhin schon bei 30.000 bis 40.000 Euro“, sagt der technisch außerordentlich versierte Jordan. „Ich fertige Prototypen und Kleinserien an. Geht es um größere Stückzahlen, nehme ich Leistungen anderer Firmen in Anspruch. Mit meinem auf Vakuumguss spezialisierten Geschäftspartner habe ich sogar Sichtkontakt“, betont er.

Feinste Details sind gefragt

Speziell die Vereine schätzen die unbedingt modellgetreuen Replikationen des von ihnen ausgewählten Vorbildes, gleich ob es um Fahrzeuge, Schiffe, Gebäude oder Brücken geht. Stolz zeigt Jordan das Modell des Bahnhofes Freital-Birkigt und das Trafohäuschen der DREWAG auf dem Dresdner Schillerplatz – maßstabsgetreu gefertigt für die Modellbahn-Größe H0. Auch kleinste Feinheiten wie Ziselierungen, Holz- oder Betonstrukturen, sogar Nietenreihen in Stahlkonstruktionen schafft Jordans mit seiner Gravier-Technik.

„3D-Zeichnen hab ich mit selbst beigebracht“

In der Regel sichtet Jordan zuerst die durch den Kunden übergebenen Skizzen, technischen Zeichnungen und Beschreibungen. Fotos sind stets sehr hilfreich. Dann beginne die sehr zeitaufwendige Arbeit des digitalen Zeichnens, um ein 3D-Modell zu schaffen. Das sei anfangs sehr schwierig gewesen, sagt er, das 3D-Zeichnen habe er sich selbst beigebracht. Hier habe auch erst Übung aus ihm einen Meister gemacht. Als er das erst einmal „gefressen“ habe, sei dies für ihn ein großes befriedigendes Erlebnis gewesen.

Für transparente Teile speziell im medizintechnischen Bereich setzt Jordan zum Beispiel Plaste und Harze ein. Daraus entstehen dann beispielsweise Zahnprothesen und Hörgeräteteile. Als typisches Material für den 3D-Druck verwendet er Polymer-Gips. Dieses Material sei ein US-amerikanisches Erzeugnis, „dessen Zusammensetzung trotz intensiver Bemühungen bisher niemand knacken konnte“.

Autor: Peter Weckbrodt

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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