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Tenor im Netz wird ernster, Facebook dominierender

Immer mehr Menschen teilen Online-Nachrichten über Facebook, dagegen hat Twitter fast ganz an Bedeutung verloren, haben Professor Thorsten Strufe von der TU Dresden und seine Dormunder Kollegen ermittelt. Foto: Heiko Weckbrodt

Immer mehr Menschen teilen Online-Nachrichten über Facebook, dagegen hat Twitter fast ganz an Bedeutung verloren, haben Professor Thorsten Strufe von der TU Dresden und seine Dormunder Kollegen ermittelt. Foto: Heiko Weckbrodt

Langzeitstudie: der TU Dresden und TU Darmstadt: Facebook baut Marktdominanz bei Weiterverbreitung von Nachrichten aus

Dresden/Darmstadt, 17. Februar 2016. Um aktuelle Nachrichten im Internet weiter zu verbreiten, hat Twitter fast jede Bedeutung verloren, Facebook ist hier zum Platzhirsch geworden. Das geht aus einer gemeinsamen Studienreihe der Technischen Universität Dresden (TUD) und der TU Darmstadt hervor. „Während früher zum Beispiel viele Techniknachrichten über Twitter verbreitet wurden, ist dieses Netzwerk auf dem deutschen Markt heute nahezu irrelevant““, schätzte Studien-Mitautor Prof. Thorsten Strufe von der TUD auf Oiger-Anfrage ein. „Facebook beansprucht da immer erfolgreicher den ganzen Nachrichtenmarkt für sich.“

Flüchtlingskrise verdrängt Klatsch-Nachrichten

Eine weitere Beobachtung der Forscher aus Dresden und Darmstadt: Der Tenor in den Sozialen Medien ist ernster geworden. Hatten die Nutzer der Online-Plattformen von Spiegel Online, Bild, Heise, Fokus & Co. in früheren Jahren besonders „bunte“ Berichte, also vor allem Klatsch- und Tratsch-Nachrichten in den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ geteilt, dominierten im Jahr 2015 Weiterleitungen und „Likes“ über die Flüchtlingskrise, Terroranschläge und andere „harte“ Nachrichten.

Besonders Nachrichten über Gewalt und "bunte" Themen werden sehr häufig über Kontaktnetzwerke wie Facebook weiterverbreitet. Montage: hw

Besonders Nachrichten über Gewalt und „bunte“ Themen werden sehr häufig über Kontaktnetzwerke wie Facebook weiterverbreitet. Montage: hw

Die beliebeste Nachrichtenquelle, soweit von den Studienautoren erfasst, war wie im Vorjahr bild.de. Fokus Online verdrängte derweil Spiegel Online von Platz 2.

Gesamtergebnis (Top10) für 2015

(in Klammern die Platzierung im Gesamtjahr 2014, Quelle: TU Dresden, TU Darmstadt)

 

RangWebseiteWie oft geteilt?
1 (1)Bild.de24.458.218
2 (4)Focus Online22.128.132
3 (2)Spiegel Online20.130.998
4 (5)Welt.de14.389.119
5 (8)n-tv.de9.798.487
6 (3)Zeit.de9.580.278
7 (7)Faz.net7.371.610
8 (9)Sueddeutsche.de6.257.745
9 (10)Sport1.de3.751.061
10 (-)Handelsblatt.com2.183.274

 

Gemeinsame Langzeituntersuchung seit 2012

Die Informatiker der TU Dresden und die Wirtschaftswissenschaftler der TU Darmstadt arbeiten bereits seit vier Jahren gemeinsam an der Langzeitstudie „Development of the Social Network Usage in Germany since 2012“. Die überwachen dafür die 15 beliebtesten Nachrichtenportale in Deutschland und erfassen dabei, welche Artikel wie oft von dort aus auf von den Lesern Facebook, Twitter und Google + geteilt werden. Hauptquelle sind die entsprechenden Info-Anzeigen unter den Artikeln auf den Originalportalen. Twitter hat diese öffentlich einsehbare Statistik allerdings inzwischen deaktiviert, so dass dieser Kanal ab diesem Jahr nicht mehr ausgewertet werden kann.

„Für das Jahr 2015 gingen mehr als 487.000 Artikel in die Untersuchungen ein“, informierte die TU Dresden. Die Leser gaben diese Artikel mehr als 123 Millionen Mal weiter – das waren 48 Prozent mehr Weiterempfehlungen als im Vorjahr. Das waren: 116,7 Millionen Mal über Likes auf Facebook, 4,3 Millionen Mal über Tweets auf Twitter und 2,8 Millionen Mal über One ups auf Google+. Der Marktanteil von Facebook kletterte damit von 90,8 Prozent (2014) auf 94 Prozent (2015).

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