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Dresdner Licht gegen Winter-Melancholie

Designer, Technologie-Guru und Mitgründer von Holy Trinity: Matthias Pinkert neben einer seiner LED-Leuchten. Foto. Heiko Weckbrodt

Designer, Technologie-Guru und Mitgründer von Holy Trinity: Matthias Pinkert neben einer seiner LED-Leuchten. Foto. Heiko Weckbrodt

„Holy Trinity“ will vom Internetschwarm 190.000 Euro für smartphone-gesteuerte Designer-LED-Lampen einsammeln – „Kickstarter“-Kampagne gestartet

Dresden, 16. Februar 2016. Sind Herbst-Depressionen und winterliche Morgen-Melancholien bald nur noch Gespenster der Vergangenheit? Ein intelligentes Lichtkonzept der Dresdner Designerlampen-Schmiede „Holy Trinity“ könnte sie womöglich verjagen: Ihr System „Vara“ ist ein Verbund interaktiver, miteinander kombinierbarer LED-Leuchtleisten, die per WLAN- und Blutooth-Funk mit dem Smartphone gesteuert werden – und gegenüber herkömmlichen Leuchten bis zu 80 % Energie sparen soll. Die „Holy Trinity“-Chefs Matthias Pinkert und Karsten Reichel haben heute eine Kampagne auf der US-amerikanischen Spenderplattform „Kickstarter“ eröffnet, um mindestens 190.000 Euro für eine Serienproduktion vom Internetschwarm einzusammeln.

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Ewiger Sommer nach Daumenwisch

Zwar gibt es auch heute schon Unternehmen wie Philips, die smartphone-steuerbare Leuchten anbieten. Dabei handelt es sich aber meist um LEDs im Format klassischer Glühlampensysteme, die sich aus der Ferne ein- oder ausschalten, vielleicht noch dimmen lassen. Zudem arbeiten viele dieser Systeme mit dem Zigbee-Funk, der spezielle Steuermodule erfordert, die auf kaum einem Smartphone standardmäßig zu finden sind. Die Vara-Leuchten aus Dresden hingegen werden über WLAN- und Blutooth-Funk angesteuert, den jedes Smartphone unterstützt. Vor allem aber ist „Vara“ patentiert, da laut „Holy Trinity“-Einschätzung das erste, das die Designmöglichkeiten der LED-Technologie voll ausnutzt: Per Daumenwisch lassen sich hier in LED-Ketten einzelne Leuchtdioden gezielt zu- und abschalten und dimmen sowie Farbtemperaturen zwischen 2700 und 6500 Kelvin regulieren – je nachdem, ob man eher bei warmem Licht entspannen oder bei kühlem Licht arbeiten will. Auch komplexe Lichtszenarien à la „Ewiger Sommer“, um beispielsweise morgens immer von Juli-Licht geweckt zu werden, sind laut den „Holy Trinity“-Gründer damit programmierbar.

Das rund Arretierstück hält die LED-Leuchtleisten in verschiedenen Positionen. Foto: Holy Trinity

Das rund Arretierstück hält die LED-Leuchtleisten in verschiedenen Positionen. Foto: Holy Trinity

Licht tanzt im Spotify-Takt mit

„Durch die Verbindung mit der digitalen Welt bekommen Leuchten ganz neue Funktionalitäten, die weit über bloßes Licht hinausgehen“, erklärt Designer Matthias Pinkert, der geistige Vater von Vara, und schaut aus dem alten Industrieturm an der Königsbrücker Straße mit visionärer Mine in die Ferne. Sein Kompagnon Karsten Reichel, der im Team eher für das Prosaisch-Kaufmännische zuständig ist, schiebt nach, wie das gemeint ist. „Je nachdem, wieviel Geld wir jetzt über Kickstarter einsammeln, werden wir einiges davon schon bald serienreif zeigen können“, sagt er. So sei es technisch mit der eigens für Vara entwickelten App zum Beispiel möglich, mehrere LED-Leisten an der Wand zu einem leuchtenden Equalizer zu kombinieren. Der visualisiert dann die Musik, die man gerade auf dem Smartphone per Spotify oder andere Apps abspielt. Auch eine Weckerfunktion, bei der sich LED für LED einzeln zuschaltet, und den Raum immer mehr ausleuchtet, steht auf der Agenda.

Das Szenario für die Musik-Visualisierung: Die LED-Streifen an der Wand lassen sich per Smartphone als Equalizer für Musik-Apps programmieren. Foto: Holy Trinity

Das Szenario für die Musik-Visualisierung: Die LED-Streifen an der Wand lassen sich per Smartphone als Equalizer für Musik-Apps programmieren. Foto: Holy Trinity

Ausblick: Sehende Leuchten schlagen Alarm, wenn Opa stürzt

„Und das ist erst der Anfang“, meint Karsten Reichel. „Denken Sie an die ganzen Möglichkeiten für mehr Lebensqualität und Komfort, wenn erst einmal alle Leuchten in der Wohnung oder im Büro per Smartphone steuerbar sind.“ Großstadtbewohner könnten zum Beispiel vor dem Urlaubsantritt ihr typisch werktägliches Licht-An-und-Ausschalt-Verhalten für die Zeit ihrer Abwesenheit einprogrammieren – um potenzielles Einbrecher abzuschrecken. Auch wollen die Dresdner später in die Vara-Leuchten Bewegungssensoren einbauen: beispielsweise um Strom zu sparen, wenn keiner im Zimmer ist, oder um Alarm zu schlagen, wenn das System „sieht“, dass Opa in einem Zimmer gestürzt ist.

Die Striche in der App stehen für die einzeln zuschaltbaren LEDs der Designerleuchte. Foto: Holy Trinity

Die Striche in der App stehen für die einzeln zuschaltbaren LEDs der Designerleuchte. Foto: Holy Trinity

Künftige LiFi-Lampen schaufeln Daten gigabitweise durch die Wohnung

Ein weiteres „ganz heißes Thema“, so Reichel: Sind ganze Wohnungen mit programmierbaren LED-Leuchten und Sensoren ausgestattet, lässt sich dies für lichtschnelle Datenübertragungen im Hause nutzen. „LiFi“ (Light Fidelity) nennt sich dieses Konzept, das Licht im für das menschliche Auge unsichtbaren Wellenlängen-Bereich verwendet und Transferraten im Gigabit-Bereich erlauben soll. „Aber das liegt noch ein ganzes Stück in der Zukunft“, räumt Reichel ein.

Welche LEDs wie stark leuchten, gibt der Vara-Besitzer per Fingerwisch in der App ein. Foto: Heiko Weckbrodt

Welche LEDs wie stark leuchten, gibt der Vara-Besitzer per Fingerwisch in der App ein. Foto: Heiko Weckbrodt

Auftragsproduktion im Erzgebirge geplant

Jetzt allerdings hat die Designerschmiede aus dem Dresdner Norden erst mal damit zu tun, Geld für eine Serienproduktion bei einem Auftragsfertiger im sächsischen Lauenstein aufzutreiben. Dabei hoffen sie auch auf Geld aus Übersee: Nicht ganz zufällig haben sie sich für ihre Crowdfunding-Kampagne mit „Kickstarter“ ausgerechnet eine US-Plattform gewählt und rollen ihre Kampagne auch gleich international aus. „In den USA gibt es eine ganz andere Spendenkultur als bei uns“, meint Reichel. „Wenn die eine Idee cool finden, spenden sie auch für ein kommerzielles Projekt.“ Wie bei Crowdfunding-Kampagnen üblich, bekommen Spender besondere Gratifikationen. Hier sind es deutliche Preisnachlässe auf die künftigen Vara-Designerlampen, die später mit regulären Preisen zwischen 200 und 800 Euro nicht ganz billig sein werden.

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„Wir wollen gern in Deutschland bleiben“

Bis Mitte März hat „Holy Trinity“ Zeit, um das Mindestspenden-Ziel von 190.000 Euro zu erreichen. Sollte dies scheitern, gebe es auch andere Optionen – die aber wohl zur Folge hätten, dass eine Dresdner Idee nicht in Deutschland, sondern in den USA oder in Asien produziert werde. „Wir sprechen parallel auch mit Investoren, auch ausländischen“, sagt Reichel. „Aber wir wollen schon sehr gern in Deutschland bleiben.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Die Firmenchefs Karsten Reichel und Matthias Pinkert (r.). Foto: Holy Trinity

Die Gründer Karsten Reichel und Matthias Pinkert (r.). Foto: Holy Trinity

Gegründet von Dresdner Studenten

Das heutige „Holy Trinity“ ist in seinen Ursprüngen eine Dresdner Studenten-Gründung: Das Unternehmen geht letztlich auf eine LED-Designerleuchte zurück, die Matthias Pinkert als Student an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden entwarf. Nach seinem Abschluss als Diplom-Designer tat er sich mit dem Dresdner TU-Absolvent Karsten Reichel zusammen, beide gründeten 2011 die Firma „Dreipuls“. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Designer-Leuchten in LED-Technologie, die durch Gesten und andere intuitive Bedienkonzepte gesteuert werden. Als die internationale Nachfrage für die Dresdner Designerstücke anzog, firmierten die beiden Gründer ihr Unternehmen 2014 in „Holy Trinity“ um.

 

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