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Schüler schauen im Dresdner Labor der Natur unter die Haube

Annika Jung und Alexander Börner (beide 17) aus Freiberg präparieren im Gläsernen Labor im Hygienemuseum Dresden Objektträger. Sie will später mal "in Richtung Biochemie" gehen, er möchte Medizin studieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Annika Jung und Alexander Börner (beide 17) aus Freiberg präparieren im Gläsernen Labor im Hygienemuseum Dresden Objektträger. Sie will später mal „in Richtung Biochemie“ gehen, er möchte Medizin studieren. Das Labor fdinden sie interessant, die studentische Betreuung dort besonders gut. Foto: Heiko Weckbrodt

Gläsernes Schülerlabor im Hygienemuseum Dresden kann dank BASF-Zusage weitermachen

Dresden, 5. Februar 2016. Die 17-jährige Annika mustert das Probenglas kritisch: Mädchen oder Junge? Der äußere Anschein mag bei Annika Jung und Alexander Börner noch so offensichtlich sein, doch die gute Wissenschaftlerin weiß: Was zählt, ist der experimentell-empirische Beweis. Zum Beispiel sind Barr-Körperchen in der Spucke ein klares Indiz für einen weiblichen Chromosomen-Satz. Und im Gläsernen Schülerlabor im Hygiene-Museum in Dresden hat sie wenigstens die Ausrüstung, um das zu überprüfen. Also hat sie Speichelproben von sich und Alex genommen, die Spucke lila gefärbt und die Flüssigkeit auf den Objektträger pipettiert, während Alex das Mikroskop für die Suche nach den verräterischen Barr-Körperchen vorbereitet hat…

BASF Schwarzheide sagt Finanzierung für weiter 3 Jahre zu

Karl Heinz Tebel, Vorsitzenden der Geschäftsführung der BASF Schwarzeide GmbH. Foto: hw

Karl Heinz Tebel, Vorsitzenden der Geschäftsführung der BASF Schwarzeide GmbH. Foto: hw

Nur wenige Schritte nebenan haben gerade ein Chemiechef und Vertreter des Schülerlabors eine wichtige Weiche gestellt, damit die Gymnasiasten weiter praxisnah forschen und lernen können: Karl Heinz Tebel von BASF Schwarzheide hat gerade schriftlich zugesagt, das 1999 gegründete Schülerlabor für weitere drei Jahre finanziell zu unterstützen. Auch, weil er als Leiter eines Chemie-Standorts, der auf ingenieurtechnisch-wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen ist, schon immer ein wenig neidisch von Brandenburg aus gen Sachsen und Dresden geschaut hat: Im Freistaat nämlich konzentrieren sich die Gymnasien viel stärker auf die sogenannten MINT-Fächer, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In Sachsen können die Gymnasiasten Bio, Physik oder Chemie nicht einfach abwählen, mindestens drei MINT-Fächer bleiben bis zum Schluss Pflicht. Daran, so lässt Karl Heinz Tebel kaum verbrämt durchblicken, könnten sich andere Bundesländer eine Scheibe abschneiden.

Kampf um die Köpfe hat längst begonnen

Und weil viele Betriebe inzwischen verinnerlicht haben, dass es die „Schüler von heute sind, die die Technologien von morgen entwickeln“, hat angesichts sinkender Absolventenzahlen in Ostdeutschland „der Kampf um die Köpfe“ längst begonnen, sagt Referatsleiter Rainer Heinrich vom sächsischen Kultusministerium. In Sachsen schlägt sich das in der starken MINT-Orientierung in den Schulen nieder. Und speziell in Dresden haben Forschungs-Institute, Unternehmen und Politiker zusätzlich noch ein ganzes Netz aus Schülerlaboren gespannt, das es in dieser Dichte weit und breit nirgends woanders gibt (siehe Liste „Schülerlabore in Sachsen“). Und die Resonanz ist groß: Allein das Gläsere Schülerlabor im Hygienemuseum hatte im vergangenen Jahr fast 3600 Besucher – etwa 55 % mehr als vor zwei Jahren. Und bis heute haben sich schon wieder über 2000 Schüler für 2016 angemeldet.

Allerdings warnt inzwischen selbst Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), der dieses Netz aus Schülerlaboren mitgespannt hat, die MINT-Orientierung der Jugend nicht zu weit zu treiben: Mit Blick auf die Pegida-Umtriebe sieht er inzwischen klare Defizite in der gesellschaftlichen und multikulturellen Bildung in Dresden.

Vorstandsmitglied Hans-Werner Stumpf von der Stiftung Deutsches Hygiene.Museum schaut den Gymnasiastinnen im Schülerlabor bei der ARbeit zu. Foto: Heiko Weckbrodt

Vorstandsmitglied Hans-Werner Stumpf von der Stiftung Deutsches Hygiene.Museum schaut den Gymnasiastinnen im Schülerlabor bei der ARbeit zu. Foto: Heiko Weckbrodt

Noten-Upgrade in Biotech-Unterricht lockt

Solche Grundsatzdebatten kümmern die weißbekittelten 17-Jährigen im Gläsernen Schülerlabor wenige Meter weiter in diesem Moment indes wenig. Heute sind Gymnasiasten aus Freiberg sind nach Dresden gekommen, um mal im Labor das zu tun, was sie bisher nur in der Theorie kennen: Wie sie unterm Mikroskop Männlein von Weiblein unterscheiden oder einen Vaterschaftstest anstellen – da weiß man ja nie, wozu man das später noch braucht.

„All das kennen wir zwar als Thema aus dem Unterricht. Das aber mal in der Praxis zu probieren, ist interessant“, meint beispielsweise Alexander Börner vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Freiberg, der gerade im weißen Kittel am Mikroskop steht und später mal Medizin studieren will. Seine Ko-Wissenschaftlerin und Mitschülerin Annika Jung, die später mal in die Biochemie einsteigen will, sieht das ganz ähnlich. Die 17-Jährige vergisst indes nicht, einen wichtigen Bonus zu erwähnen. „Am Ende können wir durch unsere Arbeit hier im Labor eine gute Note für den Biotechnologie-Unterricht bekommen“, erzählt sie. „Und da ist es ein großer Vorteil, dass wir hier von Medizinstudenten betreut werden, die sich auskennen, und die man mal fragen kann, wenn wir unsere Zensur etwas aufhübschen wollen.“ Es geht doch nichts über Glasnost…

Autor: Heiko Weckbrodt

 

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