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Hoffnung auf späte Rückkehrer im Stadtmuseum Dresden

Im Landhaus ist das Stadtmuseum seit 1966 untergebracht. Foto: Franz Zadnicek, Museen der Stadt Dresden, DML-Lizenz

Im Landhaus an der Wilsdruffer Straße ist das Stadtmuseum Dresden seit 1966 untergebracht. Foto: Franz Zadnicek, Museen der Stadt Dresden, DML-Lizenz

Seit dem Kriegsende gelten viele Exponate als verschollen – im Jubiläumsjahr setzen die Musealen auf Reue-Anfälle

Dresden, 30. Januar 2016. Am 3. Juni 2016 eröffnet Erika Eschebach, die Leiterin des Stadtmuseums Dresden, die Sonderschau „Wir erinnern uns. 125 Jahre Stadtmuseum“ – und verknüpft mit dem Jubiläum besondere Hoffnungen. Denn ein Großteil der ursprünglichen Bestände des Stadtmuseums gelten seit dem Ende des II. Weltkriegs verschollen. Ein Teil der im Rathauskeller eingelagerten Exponate könnte nach Russland verschleppt, ein anderer Teil wohl wirklich im Krieg zerstört worden sein. „Aber wir denken, dass nicht alles verloren ist“, sagte Erika Eschebach. Was sie nicht so deutlich ausspricht, aber doch andeutet: Womöglich könnte das Jubiläum den einen oder anderen Sachsen bewegen, noch einmal tief in sich und in die Keller zu gehen, um „versehentlich“ aufbewahrte Museumsexponate schließlich doch noch zurückzugeben.

Teil der Fischer-Pokale tauchte erst nach 57 Jahren wieder auf

Als Beispiel für das Fundament ihrer Hoffnungen auf eine späte Rückkehr lange verschollener Stücke nannte Erika Eschebach eine Kollektion von 35 Pokalen und Krügen der Dresdner Fischer-Innung, die einst dem Stadtmuseum gehörte. Im Krieg im Rathauskeller deponiert, galt die Sammlung danach als verschollen. Doch 2002 tauchte einer dieser Pokale in Süddeutschland wieder auf, acht Jahre später ein weiterer bei einem Antiquitätenhändler – beide Gefäße kaufte das Stadtmuseum dann kurzerhand zurück.

Auch andere Stücke tauchten auf verschlungenen Wegen teils erst Jahrzehnte nach Kriegsende wieder auf: So hatte sich beispielsweise eine Rathaus-Putzfrau eine hübsche Urkunde des Stadtmuseums einst nach Hause mitgenommen und erst viel später zurückgegeben.

Gisbert Porstmann (Direktor der Städtischen Museen Dresden, rechts), Erika Eschebach, (Stadtmuseum Dresden) und Roland Schwarz, (Direktor der Technischen Sammlungen Dresden, links) fürchten ernste Konsequenzen, wenn die städtischen Geldzusagen für iher Häuser nicht bald geklärt werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Gisbert Porstmann (Direktor der Städtischen Museen Dresden, rechts), Erika Eschebach, (Stadtmuseum Dresden) und Roland Schwarz, (Direktor der Technischen Sammlungen Dresden, links). Foto: Heiko Weckbrodt

Galerie-Gemälde hing jahrzehntelang über einem Wohnzimmer-Sofa

In einem anderen Fall hing ein zerstört geglaubtes Gemälde der Stadtgalerie jahrzehntelang über einem Wohnzimmer-Sofa in einem alten Gutshaus nahe Bischofswerda. Den „Besitzer“ habe im fortgeschrittenen Alter wohl die Reue gepackt, der Senior habe das Gemälde schließlich der Stadtgalerie Dresden zurückgegeben, erzählt Gisbert Porstmann, der die Städtischen Museen Dresden leitet und in Personalunion auch deren Städtische Galerie. Vielleicht, so hoffen nun Eschebach und Porstmann, packen solche Reue-Anfälle demnächst auch andere Sachsen, wenn sie von der Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Dresden hören. Gisbert Porstmann: „Um es deutlicher zu sagen: Ich denke, dass von den vermeintlichen Verlusten im sächsischen Raum einiges zu finden ist.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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