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Exoten studieren und Sonne tanken

Welch neugieriges Vöglein: die Paradiesvogelblume im Palmenhauses Pillnitz. Foto: Peter Weckbrodt

Welch neugieriges Vöglein: die Paradiesvogelblume im Palmenhaus Pillnitz. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp für den Start ins Jahr 2016: Ausflug in den Schlosspark Pillnitz

Dresden, 31. Dezember 2015. Mit den wenig winterlichen Temperaturen ist unsere weihnachtliche Stimmung dahin geschmolzen wie die letzten Schneereste in den Gipfellagen unserer Mittelgebirge. Aus allen Ecken grüßen als erste Vorfrühlingsboten schon die gelben Blüten der Winterlinge. Auch uns treibt es mit aller Macht ins Grüne: Im Pillnitzer Schlosspark schließen wir uns der Schar Sonnenhungriger an, die sich dort um die im Windschatten besonders günstig stehenden Bänke fast streiten.

Afrikas und Australiens Flora mitten im Elbtal

Bevor wir die begehrten Sonnenstrahlen tanken, lenken wir unsere Schritte zunächst zum Gläsernen Paradies, zum Pillnitzer Palmenhaus. Der für die Pflanzensammlung der Wettiner erbaute Glashauskomplex beherbergte einst in seiner Mittelhalle ganzjährig ausgepflanzte Bestände, in erster Linie Palmen. Die anderen Bereiche dienten der Anzucht und Überwinterung von botanischen Raritäten, die vor allem aus Afrika und Australien stammen.

Wintersonne am Bergpalais des Pillnitzer Schlosses. Foto: Peter Weckbrodt

Wintersonne am Bergpalais des Pillnitzer Schlosses. Foto: Peter Weckbrodt

In Anlehnung an die historische Nutzung wurden 2009 wieder Pflanzen aus dem südlichen Afrika und Australien im Palmenhaus gepflanzt. Den klimatischen Ansprüchen und den baulichen Voraussetzungen gemäß gliedert sich der schmucke Glashaukomplex in kalte und temperierte Bereiche. Die afrikanische Flora erstreckt sich vom Eingang bis zur Mittelhalle, die australische Flora begleitet uns dann folgend bis zum Ausgang.

Königlicher Zuckerbusch

Wir betreten das Haus durch den südwestlichen Eingang und gelangen in das „Afrikanische Kalthaus“ mit typischen Pflanzen der Buschvegetation. Als besonders attraktiv fallen uns die Protteen auf, die auch Zuckerbusch oder Silberbaum genannt werden. Die Königsprotea wird in Blumenläden auch als Schnittblume verkauft.

Floraler Paradiesvogel im Warmen

Im folgenden Warmbereich fällt uns die Paradiesvogelblume auf. Auch sie gibt es übrigens zu kaufen. Wir sollten aber auch einen Blick für die aus Südafrika stammenden Wildarten der Pelargonien und Gerberas erübrigen.

Die Kinder haben ihre Freude an den Goldfischen im ovalen Becken. Darin die Bronze-Skulptur "Stille Wasser" von Malgorzaia Chadakowska. Foto: Peter Weckbrodt

Die Kinder haben ihre Freude an den Goldfischen im ovalen Becken. Darin die Bronze-Skulptur „Stille Wasser“ von Malgorzaia Chadakowska. Foto: Peter Weckbrodt

Bronze-Tänzerinnen unter der Stahl-Glas-Kuppel

Über Stufen gelangen wir in den wärmeren Mittelbau. Hier wird das südliche Afrika durch große Strelizien, durch die Gattungen Asparagus und Clivien, vertreten. Über uns öffnet sich die Kuppel des Oktogons mit ihrer imposanten Stahlguss-Glas-Konstruktion. Hier sind Bronze-Skulpturen aufgestellt. Sie sind eine optische und atmosphärische Bereicherung. Wir nehmen die hier vorhandenen Sitzgruppen dankbar für eine Phase des Verweilens und Entspannens an.

Der Glaspavillon mit dem Oktogon. Foto: Peter Weckbrodt

Der Glaspavillon mit dem Oktogon. Foto: Peter Weckbrodt

Palmenhaus einzigartig in Europa

Das im Pillnitzer Schlosspark unter König Johann von Sachsen zwischen 1859 und 1861 entstandene Palmenhaus gehört zu den ältesten erhalten gebliebenen Stahlguss-Glas-Bauten in Europa. Es gilt als einzigartig in Deutschland. Es ist 93,70 Meter lang und umfasst eine Fläche von 659 Quadratmetern. Der Mittelbau ist zwölf Meter hoch und besitzt einen Durchmesser von 15 Metern. Durch die Eisenträgerkonstruktion konnte fast vollständig auf Mauerwerk verzichtet werden, großflächige Glasflächen bestimmen die Konstruktion. Wir sollten diese bemerkenswerten konstruktiven Lösungen bei unserer Besichtigung unbedingt im Auge behalten.

Der 12 Meter hohe und 15 Meter breite oktogonale Mittelbau ist auch optisch das Zentrum des Palmenhauses. Foto: Peter Weckbrodt

Der 12 Meter hohe und 15 Meter breite oktogonale Mittelbau ist auch optisch das Zentrum des Palmenhauses. Foto: Peter Weckbrodt

Komplex verfiel zu DDR-Zeiten

In den 1960/70er Jahren verfiel der Gebäudekomplex. Die Baupolizei sperrte damals das stark von Korrosion gezeichnete Palmenhaus. Der verbliebene Pflanzenbestand kam in der Pillnitzer Orangerie und im Botanischen Garten Dresden unter. Der mehrfach drohende Abriss konnte verhindert werden. Der Freistaat Sachsen ließ den Komplex jedoch zwischen 1991 und 1994 umfangreich sanieren. Schließlich begannen 2007 der Innenausbau, die technische Ausrüstung und die Gestaltung der umgebenden Gartenanlagen. Autor: Peter Weckbrodt

Besucher-Informationen:

-> Schloss & Park Pillnitz, August-Böckstiegel-Straße 2, 01326 Dresden; Tel.: 0351- 2613 260; www.schloesser-dresden.de

Das Palmenhaus ist im Winter von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Mit der Blüte der Kamelie ab Mitte Februar wird die Öffnungszeit auf 17 Uhr verlängert. Der Eintritt beträgt zwei Euro, ermäßigt einen Euro.

Das Schlossmuseum ist im Winter geschlossen. Bis April werden aber jeweils 11, 12, 13 und 14 Uhr beginnende Führungen angeboten. Sie dauern etwa 75 Minuten, Treffpunkt ist das Besucherzentrum „Alte Wache“.

Anfahrtskarte (Google Maps):

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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