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Will die Grille Sex, löst sie Panik aus

Gefangen! Biologe Dr. Stefan Schöneich von der Uni Leipzig hat die betrügerische Grille im Glas. Foto: Swen Reichhold/ Universität Leipzig

Gefangen! Biologe Dr. Stefan Schöneich von der Uni Leipzig hat die betrügerische Grille im Glas. Foto: Swen Reichhold, Universität Leipzig

Insekten-Weibchen fallen darauf inzwischen aber nur noch zum Schein herein

Leipzig, 15. Dezember 2015. Auf ein evolutionär recht ungewöhnliche Flirt-Strategie von männlichen Grillen ist der Insektenforscher Dr. Stefan Schöneich von der Uni Leipzig gemeinsam mit Kollegen aus den USA, aus Frankreich und Großbritannien gestoßen: Die insektoiden Machos erschrecken nämlich zielgerichtet die Weibchen mit vermeintlichen Fledermaus-Angriffen, um sie rasch zu orten und so ihre Sex-Chancen zu verbessern. Die Grillen-Damen haben den Betrug allerdings inzwischen durchschaut…

Grillen-Konzerte sind eine große Flirterei

Das typische Paarungsverhalten von Grillen hat wohl schon jeden von uns mal genervt: Es sind nämlich sexhungrige männliche Insekten, die für die legendären nächtlichen Sommerkonzerte der Grillen sorgen. Sie senden dabei tiefe Zirp-Geräusche aus, um die Weibchen anzulocken. „Hochfrequente Töne ab 10 Kilohertz lösen jedoch einen Schreckreflex bei den Tieren aus, da dies bedeutet, dass die Grille möglicherweise von der Ultraschall-Echoortung einer hungrigen Fledermaus erfasst wurde“, erklärt der Biologe Schöneich.

Dieses Grillenweibchen macht das Männchen durch Vibrationssignale auf sich aufmerksam. Foto: Dr. Stefan Schöneich, Institut für Biologie, Uni Leipzig

Dieses Grillenweibchen macht das Männchen durch Vibrationssignale auf sich aufmerksam.
Foto: Dr. Stefan Schöneich, Institut für Biologie, Uni Leipzig

Grillen-Unterfamilie schlägt evolutionären Sonderweg ein

Die Grillen-Unterfamilie Eneopterinae habe jedoch vor einigen Millionen Jahren begonnen, genau mit diesem Reflex herumzutricksen: Wollen die Grillen-Männchen balzen, senden sie absichtlich Pseudo-Fledermauswarnungen aus, damit die Weibchen erschrecken, dabei vibrieren und so ihren Aufenthaltsort verraten. Im Laufe der weiteren Evolution haben diese Insekten daraus dann wieder eine echte Kommunikation entwickelt, von der beide Geschlechter profitieren: Die Weibchen haben die ursprüngliche Schreckreaktion verloren und antworten jetzt – gezielt an das Männchen ihrer Wahl adressiert – mit einer Vibration, um ihre Position mitzuteilen. „Das ist evolutionär sehr ungewöhnlich, dass ein ursprünglich aversives Signal nun zur Partnerfindung genutzt wird“, schätzt der Leipziger Biologe ein.

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