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15 % der Jobs in Deutschland durch Digitalisierung bedroht

Wieviel Mensch wird übrig bleiben in den hochautomatisierten Roboterfabriken der "Industrie 4.0"? Abb.: Heiko Weckbrodt

Wieviel Mensch wird übrig bleiben in den hochautomatisierten Roboterfabriken der „Industrie 4.0“? Abb.: Heiko Weckbrodt

IAB-Studie: Nur ganz wenige Berufe völlig durch Computer ausfüllbar

Nürnberg, 14. Dezember 2015. Das Szenario wirkt so futuristisch wie bedrohlich: In wenigen Jahren schon werden sich in den meisten Fabriken in Deutschland nur noch Roboter und hochautomatisierte Bearbeitungszentren drehen, unken manche Technikpropheten. Wo früher vielleicht 3000 oder 5000 Menschen gearbeitet haben, werden in diesen „Industrie 4.0„-Werken nur noch ein paar menschliche Reparateure und Springer gebraucht, die dorthin kriechen, wo Maschinen eben doch noch nicht ganz so gut hinkommen. Doch ist die damit verbundene Sorge vor einem massiven Arbeitsplatz-Verlust in Deutschland berechtigt? Wohl kaum: Die wachsende Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft wird nämlich per Saldo kaum zu einem nennenswerten Job-Abbau in Deutschland führen, sondern wahrscheinlich sogar eher zu mehr Arbeitsplätzen durch neue Tätigkeits-Profile. Das geht zumindest aus der Studie „Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt“ hervor, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Nürnberg heute veröffentlicht hat.

0,4 % völlig durch Roboter und Rechner ersetzbar

Demnach arbeiten hierzulande „nur 0,4 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen, die durch Computertechnologie und Automatisierung komplett verschwinden könnten“, heißt es dort. Fasse man die Risikorechnung etwas weiter, so seien 15 % der Jobs in der Bundesrepublik gefährdet – gemeint sind hier Berufe, in denen in naher Zukunft mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten durch Computer oder computergesteuerte Maschinen übernommen werden könnten.

Industrie 4.0 wird Arbeitswelt ändern – aber nicht so wie in USA prognostiziert

„In der letzten Zeit sind zahlreiche öffentliche Debatten von Begriffen wie „Industrie 4.0“ oder „Arbeitswelt 4.0“ geprägt“, räumen die Studienautorinnen Katharina Dengler und Britta Matthes ein. „Dabei wird deutlich, dass die fortschreitende Digitalisierung weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitswelt haben wird.“ Wenn allerdings in diesen Debatten oft die Rede davon sei, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren zwischen 40 und 60 Prozent der bisherigen Jobs zu großen Teilen von Robotern beziehungsweise Computern erledigt werden könnten, dann handele es sich meist um Zitate bzw. Adaptionen aus US-amerikanischen Studien. Der deutsche Arbeitsmarkt sei jedoch anders gestrickt und von anderen Qualifikations-Profilen geprägt, heißt es in der Studie. Von daher sei man auch zu ganz anderen Ergebnissen gekommen.

So seien in der Industrie in naher Zukunft weit mehr Tätigkeiten durch Roboter und Rechentechnik ersetzbar als beispielsweise in Kultur- oder sozialen Dienstleistungs-Berufen. „Die Studie zeigt auch, dass Bildung und Qualifikation erst ab einem bestimmten Punkt dem Risiko entgegenwirken, dass berufliche Tätigkeiten von Computern übernommen werden könnten“, betont das IAB. „So weisen Helferberufe, für die typischerweise keine berufliche Ausbildung erforderlich ist, mit 45 Prozent ein etwa gleich hohes Substituierbarkeitspotenzial* auf wie Fachkraftberufe, für die eine mindestens zweijährige Ausbildung absolviert werden muss. Dagegen ist bei Berufen, für die man eine Meister- oder Technikerqualifikation braucht, das Substituierbarkeitspotenzial mit rund 30 Prozent deutlich geringer. Bei Berufen, für die mindestens ein vierjähriges Hochschulstudium erforderlich ist, liegt das Substituierbarkeitspotenzial bei weniger als 20 Prozent.“

* Substituierbarkeitspotenzial bezeichnet die Einzeltätigkeiten eines Berufsbildes, die durch Computer und Automatisierungstechnik prinzipiell ersetzt werden könnten.

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