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Vermeintliche Kopie entpuppt sich als antiker Perseus

Andere zeiten, andere Umgangs-Sitten: Perseus zeigt den Kopf der Medusa, den er der Dame abgschlagen hatte, weil sie so hässlich war. Foto: Swen Reichhold

Andere Zeiten, andere Umgangs-Sitten: Perseus zeigt den Kopf der Medusa, den er der Dame abgeschlagen hatte, weil sie so hässlich war. Foto: Swen Reichhold

Über 2300 Jahre alt: Leipziger freuen sich über etruskischen Kopf-Abhacker aus Bronze

Leipzig, 9. Dezember 2015. Eine kleine Statue, die jahrelang als vermeintliche Kopie aus dem 19. Jahrhundert ein wenig beachtetes Dasein im Leipziger Museum der bildenden Künste fristete, hat sich bei näherer Untersuchung durch Leipziger Uni-Experten als über 2300 Jahre altes etruskisches Originalwerk entpuppt. Die 23,5 Zentimeter hohe Bronze-Statuette zeigt den griechischen Sagenhelden Perseus. Der nackte Heroe reißt den frisch abgehackten Kopf der Medusa triumphierend in die Höhe.

Museum übergibt den Helden der Uni

Zum Dank für die Expertise hat Museum der bildenden Künste die Statue nun dem Antiken-Museum der Uni Leipzig als Dauerleihgabe überlassen. Antikmuseums-Direktor Prof. Hans-Ulrich Cain freute sich darüber sehr: „Wir dürfen uns glücklich schätzen, bei dieser Statuette nicht nur zur Aufklärung beigetragen zu haben, sondern dieses wissenschaftlich bedeutende Objekt ab sofort auch bei uns zeigen zu können.“

Dr. Hans-Werner Schmidt vom Museum der bildenden Künste (links) übergibt den "Leipziger Perseus" an Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain vom Antikenmuseum der Universität Leipzig. Foto: Swen Reichhold

Dr. Hans-Werner Schmidt vom Museum der bildenden Künste (links) übergibt den „Leipziger Perseus“ an Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain vom Antikenmuseum der Universität Leipzig. Foto: Swen Reichhold

Hässliche Geheimwaffe gegen Meerungeheuer

Die Statuette entstand mutmaßlich in der Mitte der 4. Jahrhunderts v. u. Z. durch etruskische Künstler im Gebiet des heutigen Mittelitaliens. Die Etrusker ließen sich dabei von der Perseus-Sage inspirieren, die ihnen womöglich die griechischen Kolonisten in ihrer Nachbarschaft erzählt hatten. Zur Erinnerung: Die Gorgonenschwester Medusa war laut Sage so hässlich, dass jeder bei ihrem Anblick versteinerte. Perseus hackte ihr den Kopf ab und setzte ihn später als Geheimwaffe ein, um die schöne Prinzessin Andromeda vor dem bösen Meeresmonster zu retten.

Wanderroute von Italien nach Leipzig nicht ganz klar

Wem die Statue in der Antike und im Mittelalter gehörte, ist nicht ganz klar. 1714 kam sie aber auf Initiative des Ratsbibliothekars Gottfried Christian Götze „beim Ankauf eines Konvoluts von Zeichnungen und Kleinbronzen für das Kunstkabinett der Ratsbibliothek“ nach Leipzig. Bis zu der näheren Untersuchung im Jahr 2014 galt die Statuette irrigerweise als moderne Neuschöpfung des 19. Jahrhunderts.

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