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ECSEL: 60 Millionen Euro für sächsische Mikroelektronik

Montage: Alexander Eylert

60 Millionen Euro fließen beim ECSEL-Programm 2015 in Mikroelektronik-Projekte mit sächsischer Beteiligung. Montage: Alexander Eylert

EU fördert 3 Forschungsprojekte und 3 Pilotlinien

Dresden/Brüssel, 23. November 2015. Die EU fördert über ihr Mikroelektronik-Programm „ECSEL“ in diesem Jahr drei Forschungsvorhaben und drei Pilotlinien mit sächsischer Beteiligung. Das hat das sächsische Wirtschaftsministerium in Dresden heute mitgeteilt. Diese Projekte haben demnach ein Gesamtvolumen von über 60 Millionen Euro. Davon steuert die EU aus dem ECSEL-Topf zwölf Millionen Euro bei, der Bund und das Land Sachsen machen jeweils sechs Millionen Euro locker. Den Rest müssen die Projektpartner aus Industrie und Forschung selbst bezahlen.

Dulig sieht hohe Erfolgsquote

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

„Dank unserer Unterstützung hat sich die Erfolgsquote der sächsischen Mikroelektronik-Szene bei ECSEL auf hohem Niveau etabliert“, schätzte der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ein. „Die ausgewählten Projekte tragen zur Profilschärfung und Weiterentwicklung des Mikroelektronikstandorts Sachsen bei und stärken die europäische Zusammenarbeit.“

PRIME senkt Stromhunger von FD-SOI-Chips bei Globalfoundries

Zu den geförderten Projekten mit Sachsen-Anteil gehört „PRIME“, in dessen Zuge die „22 Nanometer-FD-SOI-Technologie“ von Globalfoundries weiterentwickelt werden soll. „Fünf sächsische Konsortialmitglieder um Globalfoundries erforschen und entwickeln in Zusammenarbeit unter anderem mit dem belgischen Forschungszentrum für Nano- und Mikroelektronik IMEC eine Ultra Low Power Technologiepattform für das ,Internet der Dinge’“, kündigte das Ministerium an.

Sensorlinie bei Infineon geplant

Ein weiteres ECSEL-Projekt mit sächsischem Anteil ist „IoSense“. Dabei koordiniert Infineon Dresden die „Forschung, Entwicklung und den Aufbau einer Pilotlinie für die Herstellung von Sensoren und Sensorsystemen, die ebenfalls Bausteine für das ,Internet der Dinge’ sein werden“, berichtete das Wirtschaftsministerium. Die Sensor-Linie werde auf drei Standorte verteilt sein, wobei sich die sächsische Förderung nur auf die 200-mm-Linie von Infineon in Dresden erstrecke, erklärte das Ministerium auf Oiger-Anfrage.

Weitere Projekte mit sächsischer Beteiligung sind die Pilotlinien SemI40 (Industrie 4.0 in der Halbleiterherstellung und deren Absicherung gegen Cyber-Angriffe) und EnSO (Mikroenergiequellen für Geräte im Internet der Dinge) sowie die Forschungsvorhaben REFERENCE (neue Chip-Materialien für Silicon-On-Insulator-Substrate) und (wahrscheinlich) HYB-Man.

Insgesamt hatte die EU im Zuge ihres ECSEL-Programms in diesem Jahr Förderzusagen für für 13 Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 650 Millionen Euro verteilt. Davon fließt rund ein Drittel (185 Millionen Euro) an Projektpartner aus Deutschland (an 9 von 13 Projekten beteiligt), teilte das Bundesforschungsministerium derweil mit.

Wanka kündigt neues Mikroelektronik-Förderprogramm an

Ministerin  Johanna Wanka (CDU) kündigte heute an, sie werde demnächst „ein neues Rahmenprogramm der Bundesregierung zur Förderung von Forschung und Innovation in der Mikroelektronik vorlegen, um weltweite Innovationen in Deutschland entwickeln und neue Impulse geben zu können“.

Sächsischer Sonderweg beim ECSEL-Programm

Sven Morlok. Abb.: sachsen.de

Sven Morlok. Abb.: sachsen.de

Hintergrund: Auf Betreiben von Duligs Vorgänger Sven Morlok (FDP) hatte der Freistaat Sachsen einen Extratopf mit rund 200 Millionen Euro für die nächsten Jahre gefüllt, damit sächsische Mikroelektroniker beim ECSEL-Programm (das eine nationale Ko-Finanzierung zur Bedingung macht) mitmachen können. Außerdem hatten die Sachsen die Bundesregierung überredet, weitere 200 Millionen Euro aus dem Bundes-Etat dafür zu reservieren. Rein rechnerisch könnten dadurch Halbleiter-Unternehmen und -Institute aus Sachsen ein Gesamtvolumen von bis zu 1,6 Milliarden Euro (inklusive Industrieanteile) für Pilotanlagen und Forschungsprojekte in der Mikro- und Nanoelektronik aktivieren.

Im vergangenen Jahr hatte Sachsen aber auch nur ein Projektvolumen von insgesamt 60 Millionen Euro bewilligt bekommen. Solche Beträge sind keine Petitessen, aber doch eher wenig im Vergleich zu den Milliardenbeträgen, die in die wichtigen Halbleiter-Standorte zum Beispiel in Taiwan, Korea und den USA fließen.

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