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Uniklinik Dresden: Viele Flüchtlinge sind psychisch traumatisiert

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Weil Dolmetscher fehlen, sollen Tablets bei Diagnosen helfen

Dresden, 5. November 2015. Viele Flüchtlinge, die aus Syrien oder anderen Bürgerkriegs-Ländern nach Deutschland gekommen sind, leiden unter Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder anderen psychischen und emotionalen Traumata. Das haben Dr. Enrico Ullmann und andere Wissenschaftler des Universitätsklinikums Dresden eingeschätzt. Besonders beunruhigend sei die ungenügende psychiatrische Versorgung minderjähriger Flüchtlinge, betonen sie in einem Kommentar im Fach-Journal „Molecular Psychiatry“.

„SaxMedApp“ soll Anamnese unterstützen

Ein ernstes Problem für Diagnosen und Behandlung seien Verständigungshürden, räumen die Dresdner Ärzte ein. Es gibt zu wenig Dolmetscher, während viele Flüchtlinge weder Deutsch noch die gängigen europäischen Verkehrssprachen beherrschen. Die Dresdner Mediziner wiederum können kein Arabisch, Persisch oder die zahlreichen Dialekte, die von Afghanen gesprochen werden. Deshalb haben die Ärzte nun beim Freistaat Sachsen um Unterstützung für ein Pilotprojekt gebeten: Ein Programm „SaxMedApp“ soll entwickelt und auf Tablett-Rechner aufgespielt werden. Damit soll es möglich werden, jenseits aller Sprachbarrieren bereits vor dem Arztbesuch erste audivisuelle Angaben für die spätere Diagnose zu erfassen.

Für ihre Untersuchung stützen sich die Forscher allerdings auf eine nicht repräsentative Stichprobe von 23 Flüchtlingen, die selbst die ehrenamtliche psychiatrisch-psychosomatischen Sprechstunde der Uniklinik-Ärzte besucht hatten. Insgesamt sind laut Angaben der Stadtverwaltung Dresden in diesem Jahr bis Ende Oktober über 2600 Asylbewerber nach Dresden gelangt. Sie kamen vor allem aus Syrien (683 Flüchtlinge), Afghanistan (276), Kosovo (226), Irak (222) und Pakistan (227).

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