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Eine Ode ans Computerspiel

Gared versucht ein WIldlings-Mädchen zu überzeugen, ihn zu einer geheimen Gruft des Nordens zu führen. Abb.: BSF

Spiel und Film wachsen immer mehr zusammen – hier ein Ausschnitt aus der Adventure-Serie „Game of Thrones“, die eine eigene Linie zur gleichnamigen TV- und Buchreihe erzählt. Abb.: BSF

Roman Mandelc findet in seinem Buch „111 Gründe, Computerspiele zu lieben“

Obwohl die „Killerspiel“-Debatte inzwischen weitgehend versandet ist, haftet Computerspielen in den Nasen vieler Menschen immer noch der Geruch des gesellschaftsunfähigen Paria an. Dabei sind diese Spiele längst keine Nerd- und Jungen-Domäne mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Heute zockt der Geschäftsführer heimlich Ego-Shooter, der Rentner versucht sich unterwegs an App-Spielen und glaubt man der TV-Serie „House of Cards“, dann daddelt selbst der US-Präsident heimlich an der Playstation. Denn es gibt gute Argumente zu spielen: Die Chance auf Entspannung, Erfolgserlebnisse, auf (vielleicht anders als im „echten Leben“) gewinnbare Wettbewerbe… Insgesamt „111 Gründe, Computerspiele zu lieben“ hat Autor Roman Mandelc aus Österreich gefunden und nun in einem gleichnamigen Buch zusammengetragen.

Top-Spiele werden mit Aufwand eines Hollywood-Films produziert

„Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo im Spannungsfeld zwischen einem Ausflug in virtuelle Welten, um den harten Anforderungen des Alltags zu entgehen, und der simplen Lust am Spielen und dem Vergnügen, das dabei empfunden wird“, meint Mandelc über die Faszination von Spielen. Zudem haben seiner Meinung nach die Games „eine gesellschaftliche Akzeptanz erreicht, die noch vor nicht allzu langer Zeit außer Reichweite schien“. Dies hänge einerseits wohl damit zusammen, dass inzwischen ganze Generationen mit Videospielen als ganz selbstverständlichem Begleiter aufgewachsen sind. Andererseits aber wohl auch mit dem enormen Produktionsaufwand, der für Top-Titel betrieben werde – und der inzwischen gut und gerne an eine Hollywood-Produktion herankomme. Dies bedeutet dann eben auch: Optisch haben solche Spiele cineastische Qualität und auch die Story-Qualität hat inzwischen ein vergleichbares Niveau erreicht – wenngleich die Erzählmuster meist den ganz eigenen Genre-Gesetzen folgen.

Roman Mandelc. Foto: Schwarzkopf-Verlag

Roman Mandelc. Foto: Schwarzkopf-Verlag

Argumentation in vielen kleinen Häppchen

Allerdings darf man sich Roman Mandelcs Buch nicht als lange theoretische Ausarbeitung vorstellen, sondern eher als Argumentation in 111 Häppchen. Da sind viele Episoden aus eigener Spielerfahrung darunter, viele Schwärmereien über dieses oder jenes Spiel, aber auch Exkurse in die Geschichte der Videospiele und Kurzporträts prägender Spiele-Macher. Manchmal wird der Autor für meinen Geschmack etwa zu häppchenhaft, die Videospielkrise der 1980er Jahre zum Beispiel erschien mir etwas flüchtig dargestellt. Schade auch: Mandelc konzentriert sich sehr auf Konsolen-Spiele und Illustrationen enthält sein Buch nur ganz wenige – obwohl da das eine oder andere Spiele-Bildschirmfoto sicher argumentativ sinnvoll gewesen wäre.

Fazit: Kurzweilig

Allzu kritisch setzt sich Mandelc mit Videospielen und der dahinter stehenden Industrie nicht unbedingt auseinander. Seine Kurzkapitel sind sichtlich fachlich fundiert, aber formen eher eine lobende Ode, die der Leser in kleinen Häppchen konsumieren kann und soll – ähnlich wie die meisten Videospiele. Insofern sind seine „111 Gründe…“ eine kurzweilige Lektüre, die sich aber mit all ihren nostalgischen Rückgriffen weniger an Einsteiger und Außenstehende, sondern vielmehr an Gamer wendet, die man ohnehin nicht von Sinn und Nutzen der Videospiele überzeugen muss. Autor: Heiko Weckbrodt

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Roman Mandelc: „111 Gründe, Computerspiele zu lieben“, Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag, Berlin 2015, 280 Seiten, ISBN 978-3-86265-523-6, zehn Euro

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