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Aus dem Physiklabor ins Nerd-Modestudio

Mit Wissenschaftsmotiven auf farbenfrohen Bio-Textlien wollen die Dresdner Modemacher Nerds, Studenten und Professoren einkleiden. Foto: Unipolar

Mit Wissenschaftsmotiven auf farbenfrohen Bio-Textlien wollen die Dresdner Modemacher Nerds, Studenten und Professoren einkleiden. Foto: Unipolar

Der Halbleiterdoktor Steve Kupke von der TU Dresden entwirft lieber Nerd-Klamotten statt Computerchips

Dresden, 19. Oktober 2015. „E = mc2“ aufs T-Shirts gedruckt, um auch dem letzten Deppen klarzumachen, dass man Einstein-Fan ist und Physik studiert? Nicht mit Steve Kupke. „Viel zu plakativ“, findet der angehende Doktor der Physik solche offensichtlichen Formeln und Sprüche auf der Brust. Deshalb hat er im Mai in Dresden das Modestudio „Unipolar“ gegründet. Dort designt er seitdem wissenschaftlich ambitionierte Klamotten der nächsten Generation – moderner und stilvoller als die meisten Nerd*-Klassiker. Nun sammelt er beim Internetschwarm Geld für die erste größere Produktionsserie.

„Meine T-Shirts schreien nicht“

„Die Nerd-T-Shirts, die ich während meines Studiums an der TU Dresden bei Kommilitonen gesehen habe, fand ich oft arg demonstrativ und farblich einfallslos – meist waren sie nämlich schwarz“, sagt Steve Kupke. „Meine T-Shirts dagegen schreien nicht heraus, was der Träger studiert.“ Auch seine Klamotten-Designs greifen Themen aus Wissenschaft und Technik auf. Aber die Motive laden dazu ein, mehr als nur einen Blick darauf zu werfen, um sie zu ganz entschlüsseln. Und: Sie sind farbenfroher als die üblichen Nerd-Klassiker.

Statt mit Transistoren will sich Unipolar-Gründer Steve Kupke fortan mit Nerd-Mode beschäftigen. Dabei steht ihm Daniela Praß zur Seite - sie hat eigentlich Biologie studiert, dann aber lieber ein Pilates-Studio aufgemacht. Foto: Unipolar

Statt mit Transistoren will sich Unipolar-Gründer Steve Kupke fortan mit Nerd-Mode beschäftigen. Dabei steht ihm Daniela Praß zur Seite – sie hat eigentlich Biologie studiert, dann aber lieber ein Pilates-Studio aufgemacht. Foto: Unipolar

Dampfmaschinen und Schlabberhunde

„Ich denke…“, hat da beispielsweise Evolutions-Vordenker Charles Darwin auf das T-Shirt einer bekennenden Biologin gekritzelt. Die erste Dampfmaschine aus der Feder von Thomas Newcomen schmückt den Pullover des modebewussten Maschinenbauers in spe. Und auf dem knallgelben Kapuzenpulli der Psychologie-Studentin schlabbert der Pawlowsche Konditions-Hund. Zitate, Formeln und Skizzen eben, deren Hintersinn der Betrachter oft erst bei näherer Betrachtung erkennt.

Keine Lust mehr auf Transistoren

Die Motive dafür hat er sich ausgedacht, während er noch über seiner Promotion hockte – einer Arbeit über die Zuverlässigkeit von Transistoren in Computerchips. Inzwischen hat seinen Beitrag für die Dresdner Halbleiterindustrie abgeschlossen und nun viel Zeit, um den Wechsel vom physikalischen Labor in die Modebranche richtig anzukurbeln. Hilfe bekommt er dabei von seiner Freundin, der Biologin Daniela Praß, die bereits Erfahrungen mit unternehmerischer Tätigkeit hat.

Geldsammeln beim Internetschwarm

Die ersten Prototypen seiner nerdigen Klamotten hat Kupke inzwischen schon auf Lager. Auf der Dresdner Crowdfunding-Plattform „Startnext“ sammelt er nun Geld für eine richtige Produktionsserie. 6000 Euro möchte er so bis zum 26. Oktober 2015 vom Internetschwarm einsammeln, bisher haben 113 Unterstützer bereits über 5100 Euro für sein Projekt zugesagt.

Werbevideo von Unipolar:
 

Der moderne Nerd trägt Eukalyptus

Seine T-Shirts, Pullis und anderen Textilien mit wissenschaftlichen Motiven will er dann in Kooperation mit einer belgischen Firma in Portugal, Türkei und Bangladesch produzieren lassen. „Wenn man Bangladesch hört, denkt man natürlich immer gleich an ausgebeutete Billigarbeiter“, räumt der Doktor in spe ein. „Aber unsere Sachen werden dort zu fairen Arbeitsbedingungen, ordentlichen Löhnen, aus Naturbaumwolle und nachhaltig gefertigt“; versichert er. Die Resonanz der Tester auf die ersten Muster sei enthusiastisch gewesen: „Bioqualität fühlt man eben“, meint der Physiker. „Textilien aus Eukalyptusfasern zum Beispiel haben eine ganz eigene Haptik.“

Unipolar-Klamotten sollen auch bei Mode-Nerds im Ausland ankommen

Die Kollektionen will er dann per Internet und in Präsenzläden verkaufen. Und wenn der Stil ankommt, hofft er auch Großabnehmer dafür zu gewinnen. Universitäten und Forschungsinstitute zum Beispiel, die T-Shirts in ihrem eigenen Design wünschen. Die ersten Kontakte zu Hochschulen und Akademien in Sachsen und Thüringen knüpfe er gerade, verrät Kupke und gibt auch schon einen Ausblick auf künftige Projekte: „Ich seh da durchaus auch Chancen außerhalb von Deutschland.“ Autor: Heiko Weckbrodt

* Nerd: bekennender Technik- oder Wissenschafts-Fan

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