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Freiberger Schatzsuche

Prächtiges Altarbild von Peter Breuer aus dem Jahre 1521 im Stadt- u. Bergbaumuseum. Foto: Peter Weckbrodt

Prächtiges Altarbild von Peter Breuer aus dem Jahre 1521 im Stadt- u. Bergbaumuseum. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp: Silberbergbau, Sachsenspiegel und Silbermannorgeln

Freiberg, 16. Oktober 2015. Die Bergstadt Freiberg ist immer einen Tagesausflug wert. Zu dieser Erkenntnis gelangt in jedem Falle, wer dem nach neunmonatiger Schließzeit jetzt wieder eröffneten Stadt- und Bergbaumuseum und dem benachbarten Dom einen Besuch abstattet.

Gotik pur im Stadtmuseum

Das 1861 vom Freiberger Altertumsverein gegründete Stadt- und Bergbaumuseum zählt zu den ältesten vom Bürgertum ins Leben gerufene Museen in Sachsen. Das Gebäude war um 1485 als Wohnstätte des Domklerus errichtet worden und gilt als eines der schönsten spätgotischen Profanbauten der Bergstadt.

Die Goldene Pforte des Doms ist ein aus Sandstein gehauenes Kunstwerk. Foto: Peter Weckbrodt

Die Goldene Pforte des Doms ist ein aus Sandstein gehauenes Kunstwerk. Foto: Peter Weckbrodt

Schon im Erdgeschoss des dreigeschossig angelegten Museums erlebt der Besucher mit der spätgotischen Sakralkunst Obersachsens eine für Sachsen einmalige Konzentration herausragender Kunstwerke. Beispielhaft sei hier der nur noch kurze Zeit als Leihgabe gezeigte Altarschrein aus Grünlichtenberg eines Freiberger Meisters um 1510 genannt. Freiberg war in spätgotischer Zeit das Zentrum der Bildschnitzkunst in Sachsen.

5200 Tonnen Silber in 700 Jahren

Eine zentrale Rolle nimmt in der Ausstellung natürlich der Freiberger Bergbau ein. Anhand wichtiger Sachzeugen gewinnt der Besucher tiefere Einblicke in die Leistungen der Berg- und Hüttenleute. Es nötigt höchste Achtung ab, dass im Laufe der Jahrhunderte von den Bergleuten unter Tage 695 Kilometer Strecken angelegt, wobei der Vortrieb mit Schlägeln und Eisen täglich nicht mehr als 3 bis 8 Zentimeter betrug. In 700 Jahren wurden unglaubliche 5200 Tonnen Silber gewonnenen.

Modell des mittelalterlichen freibergs im Stadt- und Bergbaumuseum. Foto: Peter Weckbrodt

Modell des mittelalterlichen freibergs im Stadt- und Bergbaumuseum. Foto: Peter Weckbrodt

Im ersten Obergeschoss stehen gegenständliche Meisterwerke bergbaulicher Kunst im Mittelpunkt. Mit ihnen wird dem Bergbau in mannigfaltigster Weise und aus dem unterschiedlichsten Material ein bleibendes Denkmal gesetzt. Stellvertretend seien an dieser Stelle die von dem berühmten Johann Joachim Kändler entworfenen und mit Arbeitsgeräten ausgestatteten Bergmannsfiguren aus Meißner Porzellan genannt. Unbedingt sehenswert ist aber auch die komplette Aufstellung einer bergmännischen Gebetstube mit einer tragbaren, noch immer bespielbaren tragbaren Orgel, die Anfang des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Meister geschaffen wurde. In dieser Betstube werden sogar Konzerte angeboten.

Der zweiten Blütezeit der Bergstadt ist die Exposition „Freiberg an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit“ gewidmet. Als Sachzeugnis soll hier der geschnitzte Altaraufsatz der ehemaligen Schlosskapelle aus dem Jahre 1578 genannt werden.

Die prächtige Grablege der sächsischen Landesfürsten im Chorraum des Doms. Foto: Peter Weckbrodt

Die prächtige Grablege der sächsischen Landesfürsten im Chorraum des Doms. Foto: Peter Weckbrodt

Bedeutende Erfindungen in der Bergakademie

Im zweiten Obergeschoss informiert die Ausstellung über Freiberg im 19. Jahrhundert. Der Bergbau erlebte seinerzeit nochmals eine große Blüte, bevor er 1913 eingestellt wurde. Bedeutende Entdeckungen und Erfindungen gehen auf die weltbekannte Bergakademie zurück. Zeugnis der kulturellen Leistungen ist ein großes, außerordentlich beeindruckendes Bleiglasfenster von 1909/1910 mit einer Bergbaudarstellung.

Bemerkenswert ist auch die 450 Jahre alte aus zwei ehemaligen Freiberger Klöstern hervorgegangene Bibliothek mit 6400 Titeln aus den Händen von Agricola, Hutten, Kopernikus, Luther, Erasmus von Rotterdam u. a. Persönlichkeiten ihrer Zeit. Eine Augenweide ist „der Sachsenspiegel“ des Eike von Repgow, eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert und bedeutendes Rechtsbuch des Hochmittelalters.

Schulbank-Drücken wie zu Ur-Opis Zeiten

Aufschlussreich sind die Sachzeugnisse zum Schulwesen in der Bergstadt in der Zeit vor der Reichsgründung 1871. Die kleinen Museumsbesucher können auf den alten Schulbänken Platz nehmen und – wie ihre Urgroßväter – sich im Gebrauch von Griffel und Schiefertafel üben. Es kann aber auch nach Herzenslust gemalt werden. Geeignete Vorlagen liegen hier bereit.

Über so viel museale Pracht sollte der Besucher nicht versäumen, ab und zu einen Blick für die Innenarchitektur der Museumsräume finden. Da beeindruckt beispielsweise schon die Treppenaufgangs-Gestaltung in Holz und Schmiedeeisen.

Übrigens wird das Museum fortlaufend saniert. In diesem Jahr entstand zum Beispiel ein optisch gelungener Panorama-Aufzug an der Außenfassade. Damit ist das Museum nun komplett barrierefrei, also auch für Behinderte problemlos in allen seinen Teilen zugänglich geworden.

Altes Handwerk live am Sonntag zu erleben

Gut beraten ist, wer am Sonntag, den 18. Oktober das Museum besucht. Dann erlebt er den „Tag des traditionellen Handwerks 2015“ im Museum. Von der Möbelrestaurierung über das Töpferhandwerk, Papierschöpfen, Zinngießen, Schnitzen von Engeln und die Klöppelvorführung erlebt der Besucher Handwerk aus dem Erzgebirge, kann teilweise sich selbst unter Anleitung, z. B. beim Klöppeln, versuchen.

Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, Am Dom 1, 09599 Freiberg, Tel.: 03731/2025-0; Internet: www.museum-freiberg.de; Öffnungszeiten: Di bis So 10-17 Uhr, Mo geschlossen; Eintritt: Erw. 3,00 Euro, Erm. 1,50 Euro, Familien 7,00 Euro

 

Abstecher zum Dom mit „Goldener Pforte“ & Orgel

Einmal in Freiberg, sollte der Besucher dem ebenfalls am Untermarkt unübersehbar stehenden Dom St. Marien seine Referenz erweisen. Er geht auf die zwischen 1180 und 1212 errichtete Marienkirche zurück. Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten im Dom gehört die um 1225 entstandene „Goldene Pforte“, die in Sandstein meisterlich gearbeitete Heilsgeschichte.

Hinter dem Altar im Chorraum befinden sich die Grablege der lutherisch sächsischen Landesfürsten (1541-1694). Hier ruhen z. B. Herzog Heinrich der Fromme und dessen Sohn, Kurfürst Moritz von Sachsen

Weltberühmt ist die die große 1714 vollendete Orgel, ältestes erhaltenes Werk Gottfried Silbermanns, auf der Westempore des Doms. Sie gilt als die berühmteste Barockorgel der Welt. Eine zweite, deutlich kleinere Silbermannorgel befindet sich diagonal im Domschiff gegenüber. Wer die Große Orgel erleben will, der schließe sich am 17. Oktober 11 Uhr oder am Folgetag 11.30 Uhr einer Führung mit Orgelmusik an.

Der Dom ist noch im Oktober täglich von 10-17 Uhr, ab November von 11-16 Uhr geöffnet. Tel.: 03731-22598; www.freiberger-dom.de

Autor: Peter Weckbrodt

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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