Ausflugstipp, Dresden-Lokales
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Als der Tod das Fliegen lernte

Vor der Fokker Dr. 1, Baujahr 1917, posieren die Herrschaften. Foto: Peter Weckbrodt

Vor der Fokker Dr. 1, Baujahr 1917, posieren die Herrschaften. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp: Neue Sonderschau im Verkehrsmuseum zeigt, wie Generäle die Luftfahrt für ihre Kriege einspannten

Dresden, 9. Oktober 2015. Da die Wetterfrösche für das kommende Wochenende eine herbstlich-trübe und feuchte Lage vorhersagen, wollen wir dem mit einem Besuch in den kuschlig-warmen Räumen des Verkehrsmuseums Dresden Rechnung tragen. Das nämlich wartet seit Freitag mit einer neuen Sonderausstellung „Als der Tod das Fliegen lernte“ auf. Außerdem sollten wir unbedingt noch die sehenswerte Dauerausstellung „Mobil“ zum Straßenverkehr in Vergangenheit und Gegenwart einbeziehen. Aber auch die kleinen Museumsbesucher kommen mit dem Extraprogramm für die Schulferienzeit vom 10. bis 25. Oktober voll auf ihre Kosten.

Leihgaben aus Kanada

So setzt sich die neue Fotoausstellung „Als der Tod das fliegen lernte“ damit auseinander, wie der Anfang des 20. Jahrhunderts aufstrebende Flugzeug-Bau recht rasch vom Militär für kriegerische Zwecke eingespannt wurde – und wie Fortschrittsglaube und Vernichtung Hand in Hand gingen. Der Besucher sieht hier viele Bilder mit fröhlichen, staunenden, auf Sensationelles wartende Menschen und natürlich den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten. Die Bilder kommen als Leihgabe vom kanadischen Luftfahrtmuseum Ottawa. Dort interessierte sich, weil durchweg europäische Handlungsorte im Bild, vermutlich kein Schw… dafür. Sie schlummerten im Archiv, bis Verkehrsmuseum Joachim Breuninger sie für uns entdeckte.

Auch knallrote Fokker à la Richthofen zu sehen

Star der Ausstellung, auch absolut geeigneter Hintergrund für ein neues Familienbild, ist natürlich die im unübersehbaren knallrot gehaltene Fokker Dr. 1. Die kann sogar richtig fliegen – allerdings nur in Großenhain, woher sie ebenfalls als Leihgabe kommt.

Es bleibt aber nicht bei den schönen Bildern, die Ausstellung spannt den Bogen bis zu ersten Weltkrieg, wo die flugtauglichen Apparate dann nach dem Willen der Generäle endlich mal zeigen durften, welches Vernichtungs-Potenzial in ihnen steckt. Das hatten die Herren selbstverständlich auf den unheimlich beliebten, entsprechend stark besuchten Luftfahrtschauen schon aufgeklärt. Und so bildet der Atombombenabwurf auf Hiroshima zwangsläufig auch den optischen Schlusspunkt dieser sehenswerten und nachdenklichen Fotoausstellung.

In den Herbstferien können die Kinder spielend und entdeckend durch das Museum reiten. Foto: Verkehrsmuseum Dresden

In den Herbstferien können die Kinder spielend und entdeckend durch das Museum reiten. Foto: Verkehrsmuseum Dresden

Ferienprogramm: Steckenpferd-Reiten für Kinder

Wem das zu martialisch ist, kann sich dem Ferienprogramm zuwenden: Das Museum lädt alle Kinder zu einem Ritt ein. Die königlichen Pferde kehren in den Marstall zurück. Das gewünschten Steckenpferd können sich die Kleinen selbst mit Unterstützung ihrer Eltern oder Großeltern basteln. Dann geht es auf Entdeckertour. Da locken der Bobbycar-Parcours, der Experimentierraum „Luftfahrt“ und die riesengroße Modelleisenbahnanlage Spur 0. Auf ihr drehen 150 Lokomotiven und Waggons ihre Runden. Bis zum 1. November stehen die Signale auf Grün, dann beginnt die große Reinigungs-, Wartungs- und Reparaturpause vor der Adventszeit.

Wer den 17. Oktober für seinen Museumsbesuch wählt, kann am Tüftlertag von 10 bis 16 Uhr teilnehmen. Unter Anleitung des „Ersten Plastmodellbauclubs Dresden“ entstehen durch geschickte Hände Autos, Hubschrauber und Flugzeuge.

Traum jedes DDR-Bürger war und blieb fast ausnahmslos dieses Wartburg-Coupe 1000 . Foto: Peter Weckbrodt

Traum jedes DDR-Bürger war und blieb fast ausnahmslos dieses Wartburg-Coupe 1000 . Foto: Peter Weckbrodt

Nebenan sind Autos von gestern und heute versammelt

Richtige Autofans zieht es derweil schon mit magischer Kraft zu den fabelhaft schönen, einfach bestaunenswerten Vertretern des Kraftfahrzeuges als Verkehrsmittel in Vergangenheit und Gegenwart. Da wird das eine oder andere einst selbst besessene und damals fast kaputt gepflegte und geschraubte Exemplar wieder entdeckt. Das sind die AWO und die MZ, der Trabi und der P 70 und noch Ältere. Da finden sich aber auch nie in Erfüllung gegangene Träume, wie das in seiner schlichten Eleganz unwiderstehliche Coupé Wartburg 1000. Ja, da kann der Liebhaber die Zeit stehen lassen oder für sich noch einmal zurückholen. Autor: Peter Weckbrodt

Verkehrsmuseum, 01067 Dresden, Augustusstraße 1, Tel.: 0351-8644-0, geöffnet: Di bis So von 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen; Eintritt: Erw. 9,00 Euro, Erm. 4,00 Euro, Familien 15,00 Euro; www.verkehrsmuseum-dresden.de

Vorführung der Modelleisenbahnanlage Spur O:

Di/Fr : 11 Uhr, Mi/Do: 16 Uhr, Sa/So 11, 14, 16 Uhr

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