Wirtschaft

Coool Case Dresden ist pleite

Coool-Case-Fabrik in Dresden. Foto: Coool Case

Coool-Case-Fabrik in Dresden. Foto: Coool Case

Amerikanischer Kunde hat Millionen-Auftrag storniert

Dresden, 18. September 2015. Der Dresdner Elektronikgehäuse-Hersteller „Coool Case“ ist pleite. Ein amerikanischer Kunde habe „mit sofortiger Wirkung im Juni alle Aufträge storniert und verweigert die ordentliche Abwicklung des Schadens“, teilte Coool-Case-Geschäftsführer Christian Michel auf Facebook mit. Daher habe er Insolvenz für sein Unternehmen beantragt.

1,9 Millionen Euro Schaden durch geplatzten US-Auftrag

Laut Michel hatte das US-Unternehmen „AE Power“ bei den Dresdnern Wechselrichter bestellt, die den Gleichstrom von Solaranlagen in Wechselstrom umwandeln. Dann habe das Unternehmen jedoch „von einem Tag auf den anderen“ die ganze Sparte eingestampft und die Aufträge an Coool Case storniert. Dem Dresdner Unternehmen sei dadurch ein Schaden von 1,9 Millionen Euro entstanden. „Wir haben lange hin und her verhandelt“, sagte Michel. Die Amerikaner hätten jedoch nur etwas zahlen wollen, wenn Coool Case im Gegenzug auf einen beträchtlichen Teil seiner Forderungen verzichtet hätte – die aber hätte die Dresdner Firma für unlösbare Probleme gestellt.

Stadt: Sind am Erhalt von Coool Case interessiert

Dresdens amtierender OB Dirk Hilbert. Abb.: LHD Dresden

Dirk Hilbert. Abb.: LHD

In der Stadtverwaltung Dresden stieß die Insolvenz-Meldung auf großes Bedauern. „Die Stadt ist sehr daran interessiert, dass das Unternehmen in seinem jetzigen Format erhalten bleibt“, betonte Rathaus-Sprecher Kai Schulz. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) habe veranlasst, dass sich die kommunalen Wirtschaftsförderer mit „Coool Case“ in Verbindung setzen. Sie sollen ausloten, ob sie – im Rahmen der städtischen EInflussnahme-Möglichkeiten – helfen können.

130 Jobs in Gefahr, Insolvenzverwalter eingesetzt

Coool Case stellt Gehäuse für Elektronik und Industrie-PCs, Kühlsysteme für Rechner sowie mobile Werbe-Bildschirme her und beschäftigt derzeit noch 130 Mitarbeiter. Wie es nun weitergeht, ist unklar: Das Amtsgericht habe heute früh einen Insolvenzverwalter eingesetzt. Ob dieser die Außenstände in den USA erfolgreich einklagen werde, ob er eine Rettung von Coool Case für möglich hält und wie sich die anderen Kunden und Geschäftspartner verhalten werden, bleibe abzuwarten, sagte Michel.

"Coool Case"-Chef Christian Michel. Foto: Coool Case

Ein Archivbild aus besseren Tagen: „Coool Case“-Chef Christian Michel. Foto: Coool Case

Wurzeln im DDR-Kombinat Robotron

Das Unternehmen ging letztlich aus einer PC-Fabrik des DDR-Computerkombinats Robotron an der Bodenbacher Straße in Dresden hervor. Nach der Wende hatte die Schäfer-Gruppe das Werk übernommen und in einen Neubau an die Treidlerstraße in Dresden-Kaditz verlagert. Zeitweise hatte das damals als Schäfer IT firmierende Unternehmen bis zu 700 Mitarbeiter. Die Konkurrenz aus Asien sorgte für ein Ende der PC-Produktion, so dass sich das Werk auf Computergehäuse spezialisierte. Die PC-Krise in Folge des Tablet-Booms verschärfte die Lage jedoch und stürzte die Fabrik in eine tiefe Krise. Zeitweise stand bereits eine Schließung zur Debatte. Geschäftsführer Michel übernahm die Firma jedoch im Jahr 2009 und profilierte sie neu. Das Unternehmen stabilisierte sich zunächst und wuchs auch wieder. Noch im vergangenen Jahr hatte alles auf eine positive Entwicklung hingewiesen, Coool Case steigerte seine Umsätze um 31 Prozent auf knapp 20 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hatte dann doch nicht genug Rücklagen, um den jüngsten Ausftrags-Ausfall auszugleichen.

Coool-Case-Chef Michel: Das ist bitter

Michel ist tief enttäuscht von diesem Rückschlag und dem Gebaren des Auftraggebers: Er kündigte an, sich auch aus allen Ehrenämtern und „dem öffentlichen Leben“ zurückzuziehen. „Das alles ist bitter“; sagte er im Oiger-Gespräch. Seit etwa drei Jahren habe sich eine zweifelhafte Geschäftskultur etabliert: „Früher haben die Auftraggeber Verantwortung übernommen, wenn es Probleme gab“, so Michel. „Heute wird das alles auf die Zulieferer abgewälzt.“ Heiko Weckbrodt