Ausflugstipp, Dresden-Lokales

Meißen zwischen Mittelalter und Romantik

Der Klostergarten in Meißen ist idyllisch anzusehen. Foto: Peter Weckbrodt

Der Klostergarten in Meißen ist idyllisch anzusehen. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenendtipp: Zum Tag des offenen Denkmals empfiehlt sich eine Tour durch die sächsische Domstadt

Dresden/Meißen, 11. September 2015. Neugierige können am Sonntag zum „Tag des offenen Denkmals“ bundesweit über 7700 historische Baudenkmale, Stätten und Parks besichtigen, darunter etwa 730 in Sachsen. Der Denkmaltag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“. Wir haben eine Empfehlung für unseren Wochenend-Tipp herausgepickt: Die Domstadt Meißen, deren Wurzeln bis auf das 10. Jahrhundert zurückreichen, ist auf jeden Fall eine Tour wert. Dort wird am Sonntag Sehenswertes, teils völlig Unbekanntes, zu entdecken sein.

Mittelalterliches Wasserrohrsystem zu besichtigen

Weil an den Starttermin 10 Uhr gebunden, sollten wir mit einer 1,5-stündigen Führung beginnen, die sich dem Röhrfahrt-System der Stadt widmet, also der mittelalterlichen Wasserversorgung durch Holzröhren. Treffpunkt ist die Siedlerstraße in 01662 Meißen, etwa in Höhe der Hausnummern 9/11. Teile der alten Wasserleitungen sind, und das ist schon bemerkenswert, bis heute in Nutzung. Der ausgewiesene Röhrfahrtexperte Rudolf Marschner führt von den Brunnen an der Siedlerstraße bis zu den Anlagen in der Altstadt.

Blick auf die Altstadt, die Burg und den Dom von Meißen. Foto: Peter Weckbrodt

Blick auf die Altstadt, die Burg und den Dom von Meißen. Foto: Peter Weckbrodt

Abstecher zum Niedergut Niederjana

Bei der Röhrfahrt-Führung passieren wir das Niedergut von Niederjana, Am Lommatzscher Tor, 01662 Meißen. Dies ist nur am Sonntag geöffnet und bietet sich von 10 bis 16 Uhr als nächstes Besichtigungsobjekt an. Dieser Dreiseitenhof wurde erstmals im 12. Jahrhundert als Vorwerk Augustiner-Chorherrenstifts St. Afra erwähnt. Nach der Reformation war das Gut Eigentum der Landesschule, im 17. bis 20. Jahrhundert ein landwirtschaftliches Gut. Anfang 2015 kaufte es die Otto-und-Emma-Hornstiftung, um das Denkmal zu retten und zu revitalisieren. Dazu gibt es interessante Überlegungen. Der Geschäftsführer der Stiftung, Tom Lauerwald, lädt 11 und 14 Uhr zu Führungen ein.

Das ehemalige Klostergut von St. Afra wird derzeit saniert und erhält eine Perspektive. Foto: Peter Weckbrodt

Das ehemalige Klostergut von St. Afra wird derzeit saniert und erhält eine Perspektive. Foto: Peter Weckbrodt

Geschichtsträchtige Klosterruine „Zum Heiligen Kreuz“

Der absolute Star im Denkmalsangebot aber ist die Klosterruine „Zum Heiligen Kreuz“ in der Leipziger Straße 94, 01662 Meißen. Ihr sollten wir unbedingt unsere Aufwartung machen. Es ist eine Anlage aus dem 13. Jahrhundert der Zisterzienserinnen, später bis 1568 Benediktinerinnen, danach Klostergut der Fürstlichen Landesschule St. Afra. Im 30-jährigen und besonders im Siebenjährigen Krieg wurde es stark zerstört. Im 19. Jahrhundert war es ein Anlaufpunkt für Romantiker wie Caspar David Friedrich. Es ist also ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Das gärtnerisch hervorragend gestaltete Gelände rings um die Klosterruinen reizt mit Rosenrabatten, Spaliergehölzen und einem Kräutergarten. Das Meißner Hahnemannzentrum hat große Teile der Anlage inzwischen gesichert und denkmalpflegerisch wiederhergestellt. Hier können wir uns auch mit einem Glas Wein stärken. Die Anlage ist sowohl von der Bundesstraße 6 (hier begrenzte Parkmöglichkeiten) wie auch von der Leipziger Straße zugänglich.

Die Ruinen lassen die einstigen Ausmaße des Klosters Zum Heiligen Kreuz“ ahnen. Foto: Peter Weckbrodt

Die Ruinen lassen die einstigen Ausmaße des Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ ahnen. Foto: Peter Weckbrodt

Schauschmieden an der alten Schiffswerft

Nur einen Katzensprung von der Klosterruine entfernt steht in Diera-Zehren, Niedermuschützer Straße 20, die Alte Schiffsschmiede und Schiffswerft von 10 bis 18 Uhr offen. Die ganze Familie kann das Schauschmieden beobachten, die Kinder ein Wasserrad basteln. Neben der Schmiede steht übrigens ein Eiscafé. Dort kann der Magen mit einem deftigen Feuertopf, Kuchen und Eis gesättigt, der Durst mit Bier vom Fass gestillt werden.

Bimmelbahntromantik auf dem Bahnhof Löthain. Foto: Peter Weckbrodt

Bimmelbahntromantik auf dem Bahnhof Löthain. Foto: Peter Weckbrodt

Schmalspurbahnmuseum im Käbschütztal

Einen völlig anderen Charakter hat das etwas außerhalb Meißens gelegene Schmalspurbahnmuseum in 01665 Käbschütztal, Bahnhofstraße. Hier fuhr bis 1972 die Bimmelbahn, 1972 wurde der Betrieb eingestellt, die Gleise abgebaut. Einzig das kleine Bahnhofsgebäude blieb erhalten. Es ist ein wahres Schmuckstück, innen wie außen! Die Einrichtung ist original erhalten, bestens gepflegt, das Außengelände wird nach und nach wieder gestaltet. Das Museum ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Autor: Peter Weckbrodt

Hilfreich für unseren Ausflug kann ein Merkzettel mit allen wichtigen Angaben sein. Die Stationen für unsere Tour finden wir hier im Internet (dort das Land Sachsen und anschließend als Suchbegriff „Stadt Meißen“ aufrufen). Das Programm zum Denkmal-Tag gibt es auch als App für iPhones und Android-Smartphones, die hier zu laden sind.

Anfahrt-Karte (Google Maps):

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.