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Tumorzellen verflüssigen sich

Konferenz über die Physik hinterm Krebs in Leipzig

Neuere biophysikalische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich gesunde Zellen verflüssigen, wenn Krebs zu wuchern beginnt, und dadurch Kanäle für Metastasen im Gewebe öffnen. Abb.: PoC

Neuere biophysikalische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich gesunde Zellen verflüssigen, wenn Krebs zu wuchern beginnt, und dadurch Kanäle für Metastasen im Gewebe öffnen. Abb.: PoC

Leipzig, 25. August 2015. Krebs bisher in der Vergangenheit meist unter biologisch-medizinischen Gesichtspunkten untersucht. Inzwischen konzentrieren sich aber auch viele Forscher auf die physikalischen Vorgänge, die sich beim Übergang von gesunden zu krankhaften Zellen im menschlichen Körper abspielen. So deuten neuere Untersuchungen von Prof. Jeffrey Fredberg von der „Harvard Medical School“ in Boston (USA) darauf hin, dass sich gesunde Köperzellen möglicherweise generell verflüssigen, wenn ein Krebsgeschwür zu wuchern beginnt. Dadurch, so die Interpretation der Mediziner und Biophysiker, verlieren die Zellen untereinander an Zusammenhalt und es entstehen Kanäle im Gewebe, durch die Metastasen (Krebs-Tochterzellen) dann den Tumor verlassen können, um im Körper zu streuen.

Neue Ansätze für Krebsdiagnostik und -therapie denkbar

Prof. Josef Alfons Käs. Foto: Uni Leipzig

Prof. Josef Alfons Käs. Foto: Uni Leipzig

Sollte sich dies bestätigen, könnten diese Erkenntnisse für eine bessere Krebsdiagnostik und –Chemotherapie eingesetzt werden, meint der Leipziger Biophysiker Prof. Josef Alfons Käs von der Universität Leipzig. Wenn man den Verflüssigungsgrad von Zellen rechtzeitig analysiere, könne man abschätzen, „wie viele metastatische Zellen schon im Körper vorhanden sind“, so der Biophysiker.

150 Experten zur Tagung in Sachsen erwartet

Auf einer internationalen Fachtagung „Physics of Cancer“ vom 7. bis 9. September 2015 in Leipzig wollen rund 150 internationale Experten diese neuen physikalischen Sichtweisen auf Krebs diskutieren. Auch Prof. Jeffrey Fredberg wird zu Gast sein und dort in einen Vortrag über seine Forschungen berichten. Zu den Mitorganisatoren dieser Konferenz gehört Prof. Käs.