Medizin & Biotech

Mikrospione kämpfen gegen Krebs

Zuerst heften sich die Antikörper an die Krenszelle (rot) an. Im Schlepptau haben sie speziell kodierte PNA-Molekül-Hälften. Die locken dann radioaktive Sonden (die runden Radioaktiv-Symbole am Bildrand) an, die die dazu passenden anderen Molekülcodes tragen. Abb.: HZDR/Pfefferkorn

Zuerst heften sich die Antikörper an die Krebszelle (rot) an. Im Schlepptau haben sie speziell kodierte PNA-Molekül-Hälften. Die locken dann radioaktive Sonden (die runden Radioaktiv-Symbole am Bildrand) an, die die dazu passenden anderen Molekülcodes tragen. Abb.: HZDR, Pfefferkorn

Rossendorfer Molekular-Kundschafter heften sich an den Tumor – und rufen dann die strahlende Kavallerie

Dresden-Rossendorf, 3. August 2015. Radiopharma- und Biotech-Forscher aus Dresden, Zürich und Bochum arbeiten an einem raffinierten Spionage-Verfahren für eine Krebsbehandlung, die viel präziser arbeitet und viel schonender für die Patienten ist als heutigen Suchverfahren und Strahlentherapien. Das hat heute das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) mitgeteilt. Möglicherweise könnten damit in Zukunft sogar Kranke noch erfolgreich behandelt werden, bei denen der Krebs bereits Metastasen (Tochterzellen) ausgestreut hat.

Antikörper-Scouts fahnden zuerst im Körper nach Krebs-Zellen

Das Konzept: Sie schleusen in den Menschen zunächst molekulare Kundschafter in Form von speziellen Antikörpern ein, die Wucherzellen ansteuern und sich an die Tumore und Metastasen gezielt anheften. Im zweiten Schub kommt dann die „strahlende Kavallerie“, dann docken sich radioaktive Sonden genau an diese Spione an. Diese „Leuchtfeuer“ können Mediziner mit Computer-Tomographen sichtbar machen und sehr genau lokalisieren.

Doch die Forscher denken bereits einen Schritt weiter: Die radioaktiven Sonden könnten nämlich auch benutzt werden, um die Krebszellen ultrapräzise zu zerstrahlen – so genau und schonend, wie es die heutigen Strahlenkanonen, die immer von außen den Körper durchfeuern und dabei auch gesundes Gewerbe zerstören, niemals könnten.

Designer-Moleküle finden sich wie zwei Hälften eines Reißverschlusses

Am Antikörper-Einsatz für die Krebs-Lokalisierung wird zwar auch anderswo bereits seit einiger Zeit gearbeitet. Doch bisher irrten diese „U-Boote“ zu lange im Gewebe umher, schädigten dabei auch gesunde Organe und arbeiteten zu unpräzise. Deshalb haben sich die Forscher vom HZDR mit Kollegen der Unis Zürich und Bochum zusammengetan, um einen mehrstufigen Prozess zu entwickeln. Hier besteht die erste Kundschafter-Welle aus nichtstrahlenden Antikörpern, die in der Schweiz mit „Peptid-Nukleinsäuren“ (PNA) aufgemotzt wurden. Dabei handelt es sich um Einzelstränge einer Art Designer-DNA, die nur zu genau einem anderen molekularen Strang passen. Und den haben dann eben die nachgeschickten radioaktiven Sonden an Bord. Haben sich beide Molekülstränge wie die zwei Hälften eines Reißverschlusses am Tumor gefunden, können die Sonden dort ihr strahlendes Werk vollbringen.

In ersten Experimenten hat dies auch schon recht gut geklappt. Nun wollen die Forscher vorklinische Studien vorbereiten. Bis die Methode beim Menschen wirklich eingesetzt werden kann, wird es aber noch einige Zeit dauern.