Wirtschaftspolitik

Sachsen steckt 70 Millionen Euro in Schlüsseltechnologie-Pilotanlagen

Eine Fraunhofer-Mitarbeiterin kontrolliert im Reinraum des Dresdner Photonik-Institut, der für 45 Millionen Euro modernisiert werden soll. Abb.: IPMS

Elektronik-Pilotlinie im Reinraum des Dresdner Fraunhofer-Photonikinstituts. Wenn sich auswärtige Unternehmen an solchen Projekten in sächsischen Instituten beteiligen, sollen auch sie das neue Förderprogramm nutzen können. Abb.: IPMS

Land übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten

Dresden, 30. Juli 2015. Um mehr Hochtechnologie-Fabriken in Sachsen anzukurbeln und wegweisende Forschungsergebnisse in die Produktion zu überführen, hat der Freistaat ein neues „Schlüsseltechnologie“-Förderprogramm aufgelegt. Bis zu 70 Millionen Euro sollen für Pilotlinien bereit gestellt werden, die technologische Forschungsergebnisse in die Produktion überführen. Der neue Fördertopf speist sich aus den sächsischen Anteilen am „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE).

Mikroelektronik, Nanotech & Co. im Fokus

Dabei konzentriert sich das Programm auf ausgewählte Schlüsseltechnologien („Key Enabling Technologies“ = KETs), die aus Sicht der Landesregierung besondere Bedeutung für fast alle anderen Industriezweige haben. „Das sind Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Nanotechnologien, Neue Materialien, Fortgeschrittene Produktionstechnologien, Photonik und Biotechnologie“, erklärte das sächsische Wirtschaftsministerium auf Oiger-Anfrage.

Minister will auch kleine Firmen an Forschung heranführen

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat dabei vor allem die kleineren Firmen vor Augen: „Insbesondere kleinere Unternehmen scheuen zur Zeit noch aufgrund der Möglichkeiten eines technisch bedingten Scheiterns zu oft das Risiko umfangreicher Investitionen in entsprechenden Pilotlinien“, betonte Martin Dulig. „So bleiben neue Verfahren, deren grundsätzliche technische Machbarkeit bereits bewiesen ist, noch zu oft im Experimentalstadium hängen.“ Fördergelder können aber auch die großen „Leuchttürme“ bekommen. In welchem Maße der Freistaat die einzelne Pilotlinie bezuschusst, hängt von der Unternehmensgröße ab und ob viele neue Jobs locken – bis zu 80 Prozent der Investitionssumme sollen möglich sein.

Freistaat reitet schon lange auf KET herum

Die sächsische Regierung dringt bereits seit geraumer Zeit beim Bund und bei der EU darauf, die genannten KETs überdurchschnittlich zu fördern. Weil dies aber ein zäher Prozess ist, legt der Freistaat auch eigene Schlüsseltechnologie-Programme auf. So hatte das Land bereits im vergangenen Jahr aus eigenen Haushaltsmitteln 200 Millionen Euro zugesagt – und dem Bund noch mal so viel aus dem Kreuz geleiert -, damit sächsische Hightech-Unternehmen an dem EU-Milliardenprogramm „ECSEL“ teilnehmen konnten. Dieses EU-Programm zielt darauf, Europas Weltmarktanteil in der Chipproduktion verdoppeln. hw