Ausflugstipp, Dresden-Lokales

Wollust in der Burg

Die frivole Liebe heißt dieser Kupferstich aus der Zeit der Madame Pompadour. (Weiter unten im Beitrag ist auch ein P18-Bild zu sehen - nix für Kinder). Repro: Peter Weckbrodt

Die frivole Liebe heißt dieser Kupferstich aus der Zeit der Madame Pompadour. (Weiter unten im Beitrag ist auch ein P18-Bild zu sehen – nix für Kinder). Repro: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenend-Tipp führt uns zu Erotica nach Stolpen

Dresden, 24. Juli 2015. Wird das jetzt ein pornografischer Trip? Geht’s auf Suche nach etwas richtig Gepfefferten? Nichts von all dem, wir bleiben ganz anständig, sind aber auch ein wenig neugierig darauf, was uns in einer neuen Sonderausstellung in der Kornkammer der Burg Stolpen östlich von Dresden an Köstlichem geboten wird.

Die Anfahrt zur Burg Stolpen mit der Städtebahn ist umständlich, daher in diesem Fall nicht empfehlenswert. Aber mit Bus oder Pkw gelangen wir stressfrei bis fast vor das Eingangstor der Burg. Und die breitet mit der Schau „Den WolLüsten ergeben“ bis zum 23. August Erotica der Cosel-Zeit vor dem Besucher aus. Die stammen aus der Sammlung des Radebeulers Röth, kombiniert mit Aktfotografie von Ralf Rattei.

Bedeutende Teile der unter Napoleon gesprengten Burg Stolpen stehen wieder. Foto: Peter Weckbrodt

Bedeutende Teile der unter Napoleon gesprengten Burg Stolpen stehen wieder. Foto: Peter Weckbrodt

Barock – verspielt in der Architektur, deftig im Geschmack

Das Zeitalter des Barock gilt als eine dem Leben zugewandte Zeit, zuweilen derb-deftig und direkt, die eine offizielle Mätresse an der Seite des Monarchen tolerierte. Die Sonderausstellung zeigt auch einige Erotica des 18. Jahrhunderts, die sich im Sammlungsbestand der Burg befinden. Maßgeblich getragen wird die Schau jedoch von pikanten graphischen Blättern, im Barock von Hand zu Hand gingen. Wahrhaftig in voller Mannshöhe – darunter durften, weil nicht ganz jugendfrei, die Schlüssellöcher nicht eingebaut werden – geht es richtig zur Sache, geht’s richtig gepfeffert zu. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Porno ist ganz offensichtlich keine Erfindung des Internetzeitalters. Da staunt der Unbedarfte, was unsere Altvorderen so im Stillen Kämmerlein heimlich trieben. Dem gegenübergestellt sind die unbedingt sehenswerten Darstellungen von Aktfotos aus den 1980er Jahren, die seinerzeit auf der Burg entstanden sind.

Eines der deftigen Schlüsselloch-Bilder in der Ausstellung. Repro: Peter Weckbrodt

Eines der deftigen Schlüsselloch-Bilder in der Ausstellung. Repro: Peter Weckbrodt

Wo die Cosel eingeknastet war

Hauptanziehungspunkt auf der Burg ist und wird immer bleiben deren berühmteste Gefangene, die Gräfin Cosel. Sie verbrachte 49 Lebensjahre hier hinter Festungsmauern. Als Faksimile gezeigt werden Instruktionen August des Starken an den Festungskommandanten vom 23. Dezember 1716, wonach eine „gesicherte adelige Versorgung der Gefangenen“ befohlen wurde. Dazu gehörten fünf Bedienstete. Doch die Cosel wurde streng isoliert, ihre Briefe zensiert. Mehr über die Cosel erfährt der Besucher in der ebenfalls neu gestalteten Dauerausstellung „Lebenslänglich Sto. Der Mythos Cosel“ zum 250. Todestag der Gräfin Cosel. In der ehemaligen Küche, dem Wohn- und dem Schlafzimmer im Johannis-(Cosel-) Turm wird an das schicksalhafte und abenteuerliche leben einer einst mächtigen Hofdame erinnert.

Die Reichsgräfin Anna Constantia von Cosel  (1715). Repro: Peter Weckbrodt

Die Reichsgräfin Anna Constantia von Cosel (1715). Repro: Peter Weckbrodt

Abstecher in die Folterkammer

Nicht versäumen sollte der Besucher zumindest einen Blick in den brav mit „Mittelalterliche Rechtsgeschichte in der Folterkammer“ betitelten Museumsbereich zu werfen. Das bloße Vorzeigen der Instrumente dürfte die Gesprächigkeit der Delinquenten schon deutlich gesteigert haben. Interessant auch der Burgbrunnen. Er ist mit knapp 85 Metern Tiefe der tiefste natursteinbelassene in Basalt getriebene Brunnen der Welt. Autor: Peter Weckbrodt

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„Den WolLüsten ergeben“, Sonderausstellung mit und über Erotik im Barock, bis 23. August, jeweils 10-18 Uhr, in der Burg Stolpen, Burgeintritt: Erwachsene 6 Euro, Kinder 6 Euro, mehr Infos hier im Netz

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.